|
„Hallo Torsten! Hier ist Andy von Southern Records. Es geht um WOLVES IN THE THRONE ROOM. Ruf mich bitte an! Es ist wichtig, wichtig, wichtig!!!“ Das sind eigentlich Zeilen, die kein „local promoter“ am Tag des Konzertes auf seiner Mailbox haben will. Nunja, es ging, wie ihr euch denken könnt, um den Gepäckverlust bzw. -aufenthalt der Wölfe in Chicago, wodurch es nötig wurde, ein paar Instrumente und Equipment aufzutreiben (Unterwäsche und Zahnbürsten wurden zum Glück schon in Holland nachgekauft). Sowas kostet Nerven, war im Nachhinein aber (insbesondere durch die Mithilfe der Rostocker Vorband) halb so wild. So konnte also doch noch in aller Ruhe der Tourrider-Krempel im Aldi und Sky eingekauft werden. Inklusiver aller Sonderfälle, die man sich denken kann... der eine verträgt kein Viehzeug, das „Oink! Oink!“ macht, der nächste isst nichts, das einen Schatten wirft, aber alle stehen sie auf Müsliriegel.
Der Konzertbeginn verzögerte sich noch etwas, da die Headliner (verständlicherweise) erstmal herumtelefonieren mussten, bevor sie zum Soundcheck auf die Bühne konnten. Zeit, die Lokalität unter die Lupe zu nehmen: Dieses JugendAlternativZentrum passte irgendwie recht gut. Unter der Woche ist dies halb Club halb Werkstatt. Draußen sowie drinnen stehen merkwürdige Metallskulpturen rum, die zur Sammlung von Nihil Baxter gehören könnten, ich denke da nur an diesen riesigen schwarzen Käfer mit Gasmaske direkt beim Einlass. Alles wirkt irgendwie schäbig und „alternativ“, durch die vielen Holzkonstruktionen aber auch rustikal. Platz bietet der Club geschätzten 200 Sardinen. Es sollten am Ende ca. 90 zahlende bzw. 120 anwesende Gestalten werden, teilweise aus Hamburg, Schleswig-Holstein usw., was schon mal mehr war als man gefürchtet hatte und die €-Miese auf eine Zahl eingrenzte, die dem Titel eines Filmes um Sixpack-Spartiaten an den Thermopylen entspricht (... demnächst gibt es übrigens die Fortsetzung mit Chuck Norris in der Hauptrolle: „1“).
Gegen 21:30 Uhr begannen die Rostocker mit dem unaussprechlichen Namen, deshalb seien sie im Folgenden S.L.I.A. (bzw. in Fachkreisen SLAYER) genannt. S.L.I.A. fegten mit einem Stück los, das passenderweise die Zeilen „Vorwärts Marsch!“ beinhaltete. Zwar war der Sound nicht der beste, aber insgesamt war dies rein musikalisch der beste Auftritt, den ich bislang von der Band sah. Alte Nummern wie „Journey“ waren dabei, aber die neueren Stücke bewiesen die qualitative Steigerung der Band umso deutlicher. Sie sind experimenteller geworden. SECRETS OF THE MOON als kleine Orientierung, was nicht heißt, dass z.B. S.L.I.A. S.O.T.M. o.ä. nachspielten (Ich mag Abkürzungen.)... Ein Hauch Schweden war auch drin. Augen offen halten für die kommende MiniCD!
Es folgte die Überraschung des Abends. Ich muss dazu sagen, dass mein Kollege bei der Organisation dieses Konzertes, St. von Deviant Records, LÍAM vorschlug, ranschaffte und mit den Worten „Die passen perfekt“ rechtfertigte. Dem war so und zurecht klopfte sich kurz nach Konzertbeginn jemand auf die eigenen Schultern. Aber fangen wir vorne an: Die Band betritt die Bühne und das Publikum reagiert, sagen wir, verhalten. Für ein vorwiegend Black Metal orientiertes Klientel sahen LÍAM nun mal gewöhnungsbedürftig aus: ein BMler (der von LANTLÔS) an den Drums, ansonsten durch und durch optische Studenten um die 19, sitzend, mit Ausnahme des Effekt-Mannes am Laptop. Die ersten Zwischenrufe mit gar bösartigen Anspielungen auf das Aussehen wurden laut, verstummten aber spätestens nach dem ersten Song bzw. wandelten sich in ein „geil!“. LÍAM schafften es mit ausuferndem Postrock inkl. harscher Gitarren und atmosphärischer Effekte und Samples, eine wahnsinnig „kribbelnde“, elektrisierende Atmosphäre aufzubauen. Allein das unglaublich abwechselungsreiche Schlagzeug zog dein Interesse wie ein großer Magnet Richtung Bühne. Die Songs waren lang, doch war man zu jeder Sekunde gespannt, was als nächstes passieren würde, was auch dem eigens mitgebrachten Mischer zu verdanken ist, der für einen astreinen Sound sorgte. Ein schlichtweg intensives Konzert, das mehr (oder lautere?) „Zugabe“-Rufe erntete als die Headliner. LÍAM waren die klaren Gewinner des Abends, denn kaum jemand kannte sie, wohingegen man an W.I.T.T.R. eh hohe Erwartungen setzte. Schnurstracks waren dann innerhalb von sieben Minuten auch ihre mitgebrachten CD-Bestände aufgebraucht.
Die Wölfe mussten nun nachlegen, wollten sie sich nicht von einer Vorband an die Wand spielen lassen. Aber keine Sorge, dem war dann doch nicht so. Irgendwie stimmte die Mischung: Zunächst eine Black Metal Band, dann eine experimentelle Post Rock Band, und nun WOLVES IN THE THRONE ROOM, die zwar irgendwo dazwischen anzusiedeln sind, aber doch wieder viel zu eigen für solch eine Zuteilung sind. Mit „I Will Lay Down My Bones Among The Rocks And Roots“ ging es nach dem Intro los und eine der intensivsten Livebands dieser Erde verschlang Rostock. Gänsehaut! Die Band brachte trotz des ganzen Ärgers eine feurige Energie rüber, der man sich nicht entziehen konnte. Der Sound passte und die Bühne war mit Kerzen atmosphärisch dekoriert. Während des ersten Songs riss leider eine Gitarrensaite des Sängers. Aber was heißt „leider“... So flitzte er schnell Backstage und wir kamen in den Genuss einer fünfminütigen „never heard before“-Improvisation, die übrigens verdammt gut klang. Was will man mehr?! Dem folgte ein neuer Song vom kommenden Album „Black Cascade“, der das bestätigte, was mir Aaron vorher im Interview sagte: Das Album wird härter und dunkler als sämtliches W.I.T.T.R.-Material zuvor. Dann noch „Queen Of The Borrowed Light“... geil! Ein absoluter Reißer, auch live, und irgendwie nostalgisch, war dies doch für sehr viele heutige Anhänger das erste Lied, was sie je von der Band hörten. Hier sollte zunächst Schluss sein, doch die Naturgeräusche über die Lautsprecher verrieten, dass da noch was kommen sollte. Als Zugabe wurde „Vastness And Sorrow“ herausgeschmettert. Dieser Song fräste sich dabei so in mein Ohr, dass ich ihn heute noch darin rasseln höre.
 
 
 
 
 
Fazit:
|
|
Ich glaube als Rostocker konnte man sich an diesem Abend echt glücklich schätzen. WOLVES IN THE THRONE ROOM gesehen, dazu eine lokale UND auch noch eine überregionale (und ausgezeichnete!) Vorband, am nächsten Tag die Möglichkeit auszuschlafen und für den ganzen Spaß auch nur schlappe 8,- € bezahlt (ich glaube fast, so günstig war kein Tourstopp?!). Ein angenehmer Abend und ein verdammt gutes Konzert ...
Um 2 Uhr fiel ich ins Bett, doch nur ... [Zur Fortsetzung hier klicken!]
 
|
Bilder: Torsten / © Final War Mag.
|
|
 
|