THE VISION BLEAK / NEGURA BUNGET / FARSOT + support
-30.01.2008 im Columbia Club / Berlin-
+
WOLVES IN THE THRONE ROOM u.a.
-30.10.2008 im Maria am Bahnhof / Berlin-
von St. und Torsten

Wolves in the Throne Room spielen in Deutschland. Da gab es nichts zu überlegen, da wird hingefahren. Vollkommen klar. Mitten in der Woche? Hm..naja...auch gut.

Gut, meine Einleitung wird wohl etwas weniger prägnant. Zunächst ein Blick in die mehr oder minder junge Vergangenheit: Führt man sich die enorme Popularität vor Augen, die die außergewöhnlichen amerikanischen Natur-BMler WOLVES IN THE THRONE ROOM im vergangenen Jahr erreichten, ist es vielleicht nicht zu hoch gegriffen, wenn man diese Europa-Tournee ein kleines historisches Metal-Ereignis nennen will. Doch dann diese (für Norddeutsche) beschissenen Termine! Erinnerungen wurden wach... an DISSECTION, deren Berlin-Konzert unter der Woche damals so ungünstig lag, dass ich die letzte Möglichkeit, sie zu sehen, verpasste. Und an REVENGE, für die sich damals einfach keine Mitfahrer finden konnten und der finanzielle Engpass zur alleinigen Anreise doch zu groß war. Zum Glück spielen diese auf dem U.M.M.! ... Nein, das sollte jetzt nicht passieren!

Schauplatz 1: Berlin - Maria am Bahnhof (21:00 Uhr)

Gesagt - getan. Am Mittwochnachmittag machten Torsten, meine Wenigkeit und noch ein weiterer Mitstreiter uns auf den Weg nach Berlin. Dort noch schnell zwei weitere Interessierte eingepackt und ab zum "Maria - Josef", in dem das Konzert im Rahmen eines komischen Kulturfestivals stattfinden sollte. Irgendwie hatte ich auch was von Einlass = 21:00 Uhr und Beginn = 22:00 gelesen. Wäre ja prima, so kommt man wenigstens zu etwas Schlaf, bevor man am nächsten Tag wieder zur Arbeit/Uni muss.
Am Tatort angekommen betraten wir den Eingangsbereich dieses offensichtlich äußerst alternativen Etablissements und bekamen erstmal zu lesen, dass WITTR erst gegen 01:30 Uhr spielen würden. O-Ton Einlasser: "Eher noch später". Ein Blick auf die Uhr verriet: Es war 21:00 Uhr. Super.
Glücklicherweise spielten am selben Tag noch THE VISION BLEAK, NEGURA BUNGET und FARSOT + Vorband im Columbia Club. Nach kurzer Beratung fiel der Entschluss, dort die Zeit zu überbrücken.

Um 21:00 Uhr erreichten wir den Schuppen. Überpünktlich, wie sich herausstellen sollte, denn die Running Order informierte uns, dass WOLVES IN THE THRONE ROOM erst gegen 01:30 Uhr spielten. Da uns die Vorbands, deren Namen ich schon wieder vergessen habe, nie wusste oder mir egal sind, ebenso wie die Filmvorführung und das sonstige Rahmenprogramm dieses seltsamen Festivals nicht die Bohne interessierten, mussten für die kommenden 4 ½ Stunden Beschäftigungsmöglichkeiten gesucht werden...

Die attraktivste Alternative war das zeitgleiche Konzert in der Columbiahalle, besser gesagt dem Columbia Club. Dort machten THE VISION BLEAK, NEGURA BUNGET und FARSOT einen Tourstopp. FARSOT hätte mich interessiert, doch diese hatten ebenso bereits gespielt wie die Vorband mit dem ekligen Namen PLACENTA.

Dort angekommen stellten wir fest, dass das Konzert bereits zu Hälfte hinüber war. So bekamen wir noch folgendes mit:

 


Negura Bunget

Negura Bunget scheinen mir von Mal zu Mal ein immer besseres Live-Erlebnis zu werden. Es ist unglaublich erfüllend, zu beobachten, wie eingespielt die Musiker sind. Wie sorgsam die Songs arrangiert und ausgearbeitet sind - und das für ein Live Konzert! Das ist einfach fantastisch, das ist hohe Kunst und 90% aller anderen Bands sollten sich von den Live Qualitäten eine Scheibe abschneiden.
Mitbekommen haben wir noch "Tesarul de lumini" sowie "Cel din urmã vis" (glaube ich), ein Intermezzo sowie einen Song von früheren Alben. Vorgetragen mit üblicher Instrumentation + diverse nicht-metallische Instrumente (Flöte, Trommel, Xylophon und das bekannte Holzbrett Dings...) und in einem großartigen Live Sound. Die Columbia Club Leute haben dafür offenbar ein Händchen.

Wir platzen also mitten in die ruhigen Rumänen von NEGURA BUNGET. Diese spielten jedoch gewohnt gut, um nicht zu sagen spitze. Die intensive und vielschichtige Musik kam wunderbar rüber und sorgte für eine einmalige Atmosphäre. Instrumente wie Xylophon oder Trommel sorgten nicht nur in instrumentalen Intermezzi für Stimmung, sondern auch innerhalb der Songs für feine Akzentuierung. Der Klang war in der Halle mindestens so sauber wie die Luft, die durch das Rauchverbot nun so frisch wie war wie ich es noch nie auf einem Konzert erlebte (ausgenommen natürlich Open Air Veranstaltungen). Mit Songtiteln kann ich nicht dienen, da ich sie mir eh nie merken kann. In einem ging es um den Winter, ansonsten müssen wir also Stefan vertrauen. Ich muss jedoch sagen, dass diese Hälfte, die wir von NEGURA BUNGET mitbekamen, viel zu kurz war und leider die Atmosphäre dich nicht annähernd so fesseln konnte wie bei einem kompletten Gig. Na da freue ich mich zumindest schon auf das Barther Metal Open Air... Scheen war’s trotzdem!

         

Negura Bunget - Clip 1 (.avi / 43 MB / 37 sek.)
Negura Bunget - Clip 2 (.avi / 31 MB / 27 sek.)
Negura Bunget - Clip 3 (.avi / 39 MB / 34 sek.)

 


The Vision Bleak

Über diese Band war mir im Vorfeld überhaupt nichts bekannt. Ich wusste nur, dass da irgendwas mit Prophecy war. Die Band um Herrn Schwadorf betrat also mit 3 Session Musikern die Bühne und legte los. Musikalisch war das überhaupt nicht mein Fall, komischer was-weiß-ich-was-fürn Metal mit blödem, HIM-artigem Gesang. Nicht nur das fiel negativ auf, sondern auch das Gepose und die dämlichen Ansagen des Sängers, sowie das "sich feiern lassen" und das Animieren des Publikums zum Mitmachen. Sind wir hier bei Tokio Hotel, oder was? "Can you say 'Kutulu'?" Leck mich. So kam es, dass wir den Ort des Geschehens dann vorzeitig verließen.
Negativ zu erwähnen wären noch unglaublich hohe Getränkepreise und die Tatsache, dass für das Nutzen der Toiletten offenbar auch noch Geld verlangt wurde. Frechheit. Ca. 200 Personen waren anwesend.

Dann kamen THE VISION BLEAK. Gut, auf CD eignen sie sich wahrscheinlich, um im Cabrio durch die Prärie zu gurken, aber live waren die Zwei + Zwei (Allen B. Konstanz und Ulf Theodor Schwadorf + Session-Leute) ziemlich nervig. Der Sänger profilierte sich vor allem als Animateur und vermeintlicher Frauenschwarm, da stimmlich bis auf einem tiefen Sprechgesang überhaupt nichts geboten wurde. Dieser ewig gleiche rockige Metal mit ein wenig wummernden, modernen Death Metal Rhythmen ging uns schließlich so auf den Zeiger, dass wir nach gefühlten zwei Stunden fluchtartig den Saal verließen, die wahrscheinlich erst die Hälfte der fürchterlichen Realsatire THE VISION BLEAK darstellten.

The Vision Bleak - Clip (.avi / 37 MB / 32 sek.)

Kurzes Zwischenfazit: 15 Euro für zwei halbe Bands gelöhnt, von denen die zweite vor Peinlichkeit strotzte. Es kann ja nur noch besser werden...

23:00 Uhr. Immer noch mehr als zwei Stunden zu überbrücken...nun, wir waren dann schonmal tanken und kehrten in eines von den reichlich in Berlin vorhandenen Gasthöfen zum goldenen M ein, fuhren einen der Mitstreiter nach Hause, dem es dann zu spät wurde und begaben uns dann zum "Maria - Josef" zurück, in der Hoffnung, dass die angestrebte Zeit von 01:30 eingehalten wurde. Gegen 0:45 waren wir dann auch da.
Wider erwarten war dieser links-alternative Veranstaltungsort sehr gut gefüllt...350 Leute werden es wohl gewesen sein. Metaller waren dort wenige zu erspähen, das Publikum war eher ein Tummelplatz aller möglichen subgesellschaftlichen Sonderlinge...unmöglich das alles zu klassifizieren. Ich fühlte mich dort zwar nicht unwohl, aber ab und zu drehte ich mich doch mal um und schaute mir die Personen vor Ort genau an. Und ich habe natürlich peinlich genau darauf geachtet, wo ich mich hinsetze und gegenlehne...wer weiß, in welche Hinterlassenschaften dieser multikulturellen, gescheiterten Existenzen man hineinfasst.

Gegen Dreiviertel Eins (für die Alten Bundesländer: Viertel vor Eins) betraten wir, wie gesagt, dann das „Maria am Bahnhof“, eine ungewöhnliche Location für eine wahrscheinlich ebenso ungewöhnliche Black Metal Band. Mit lauter Monitoren, Neon-Licht, bemalten Wänden und einem Autounfall als Dekoration kam man sich vor wie in einem Techno Club oder einer Schwulen-Bar. Letzteres wohl auch durch das bunt gemischte Publikum. Zu ca. 1/3 „Metallern“ gesellten sich Grufties, Junkies, Yuppies, Hippies und alles andere, was noch so auf „ies“ endet. Den ersten Black Metal „Fixpunkt“ machte dann der Stand von WOLVES IN THE THRONE ROOM aus. Neben beiden Album, Shirts und Postern machten allerlei Kerzen und Knochen schon was her. Dann stießen wir noch auf einen ausgedruckten A4-Zettel der Band... was könnte das sein? NABU-Mitgliedschaftsanmeldung? Spendenbelege für die Aktion „Rettet den Wald“? ... Nein, es war das, woran man bei W.I.T.T.R. wohl als Letztes gedacht hätte: Ein Statement, das die Amerikaner von Vorwürfen der NS-Sympathisierung freisprechen soll. Anscheinend wurde das Konzert in Darmstadt aufgrund eben solcher Gerüchte und einer grenzdebil ausgelegten Interview-Aussage abgesagt. Eine Farce, mehr kann ich dazu nicht sagen.

Auf der Bühne befand ich derweil noch eine Drone Band, die - zumindest für mich als einzigen unserer Runde - Interessantes darboten. Hätte ich gerne komplett gesehen...wofür ich allerdings nur Kopfschütteln erntete...

Ebendiese Band hatte offenbar einen der Amps beschädigt, so dass die Ansage getätig wurde, dass die Reparatur eine Weile dauern würde. Und auch die WITTR Mitglieder machten keine Anstalten, die Bühne zu betreten. Nu ja, Gelegenheit genutzt, um sie nach Japan Version der "Two Hunters" sowie der Vinylversion zu befragen. Dann ging es aber recht schnell, die Mitglieder waren verschwunden, taten auf der Bühne geschäftig und legten los. Es war 01:30 Uhr. Super. Wenigstens was.

Die Vorband, die noch ca. 15 Minuten spielte, machte monotonen Drone-Krach der düsteren Sorte. Nicht schlecht, aber die 15 Minuten reichten mir dann auch. Da sie mit ihrem Gebrumme noch einen Verstärker schrotteten, verschoben sich die heißersehnten Wolves schließlich auf 1:45 Uhr. Die hinzugewonnene Zeit nutzte ich für den einen oder anderen Plausch mit den Berlinern (paralyzed, Vigo und Wurzelgeist), die ich mehr oder minder zufällig traf.


Wolves In The Throne Room

WITTR spielten 3 Songs, "Vastness and Sorrow", "I Will Lay Down My Bones Among the Rocks and Roots" sowie "Face in a Night Time Mirror, Part 1". Torsten möge mich korrigieren, falls ich falsch liege. Mal abgesehen davon, dass es viel zu laut war und ich mich an den Bühnenrand verkroch, spielten WITTR ein unglaublich gutes, emotional höchst fesselndes Konzert. Ich hätte nie gedacht, dass die Band es schafft, diese doch recht langen Songs ähnlich mitreißend vorzutragen, wie es auf den Tonträgern geschieht. Absolut hervorragend. Ich hoffe wirklich, dass WITTR es irgendwann nochmal nach Deutschland schaffen.

Das überzählige nicht-Metaller Publikum nervte zwar mit ihrem Rumgehampel und ihrem "diese Musik lustig Gefinde", aber WITTR schafften es, mich so zu beeindrucken, dass mich das nicht interessierte.

Dann war es schließlich soweit und die drei Amerikaner spielten eine ruhige Einleitung, die (wenn ich mich recht erinnere) zu „Vastness And Sorrow“ gehörte. Das Einsetzen von Blast und Gitarren pustete mich dann nahezu vom Fleck! Nicht nur, dass es verflucht laut war (insbesondere das Schlagzeug), das Gekreische der Gitarren war so verdammt extrem und fesselnd! Eine Wucht, die zwar Feinheiten der Alben untergehen ließ, die Livedarbietung des Materials aber noch düsterer als auf Platte machte. Man muss sich dazu die unzähligen Kerzen und die vereinzelten Räucherstäbchen, die die Bühne säumten, vorstellen, und erhält eine Ahnung von der okkulten Atmosphäre dieses Konzertes. Es folgte „Face In A Night Time Mirror Pt. I“, also der zweite Song der „Diadem...“, wobei der grandiose klare Frauengesang durch die Schreie des Sängers ersetzt wurde, was das Stück aber nicht schlechter machte. Orgiastisch, will ich mal sagen! Weil mir die Meute vorne zu albern wurde und ich durch die akute Platznot beim Bangen stets das Gesäß der Vorderfrau mit Haar und Haupt streichelte, ging ich nach dem zweiten Stück etwas weiter nach hinten, von wo aus das garstig-fiese Geschrei, das der pummelige Hobbit aus sich herausquetschte, auch besser zu hören war. Sie spielten sich während des gut 20minütigen „I Lay Down My Bones ...“ derartig in (auf das Publikum übergreifende) Trance, dass der Eindruck entstand, sie würden bis zur vollkommenen Meditation improvisieren. Nein, improvisiert war es nicht, aber es wirkte so frei und besessen, dass man dies annehmen konnte. Nach drei Liedern und ca. 50 Minuten war Schluss, obwohl es mich zumindest noch nach einem Stück dürstete. Egal, extrem gut war es trotzdem und mit dem glücklichen Gefühl, nicht nur das erste Konzerte von WOLVES IN THE THRONE ROOM in Europa, sondern auch das einer erstklassigen Liveband erlebt zu haben, machten wir uns gegen 3:00 Uhr dann auf den Heimweg, wofür vom großzügigen Fahrer sogar ein enormer Umweg über Rostock in Kauf genommen wurde.

             

       

Wolves In The Throne Room - Clip 1 (.avi / 46 MB / 40 sec.)
Wolves In The Throne Room - Clip 2 (.avi / 38 MB / 32 sec.)
Wolves In The Throne Room - Clip 3 (.avi / 290 MB / 4 min.)

 

Fazit:

Gegen 2:30 (Wir scheinen entweder ein unterschiedliches Zeitgefühl oder einer von uns eine falsch laufende Uhr zu besitzen. hehe - T.B.) machten wir uns dann auf den Rückweg und da das mit unseren Schlafplätzen irgendwie schief ging, fuhr ich am selben Abend - oder eher Morgen - wieder gen Usedom...und das über Rostock, weil die verbliebenen beiden Mitstreiter eben dort hin mussten. Gegen 07:00 Uhr war ich dann wieder zu Hause, wo dann der Schornsteinfeger vor der Tür stand und die Gastherme prüfen wollte. Als ich mich diesem Vertreter einer blutsaugerischen Betrügerbranche auf eine recht harsche Art und Weise entledigt hatte, fand ich noch einige wenige Stunden Schlaf, bevor die Pflicht wieder rief... Alles in allem ein gelungener, aber sehr anstrengender Abend. WITTR sollten dann aber in einem anderen Umfeld spielen...

Irgendwie wurde aus dem „fix nach Berlin düsen, eine Band gucken und am nächsten Morgen ausgeschlafen zurücktingeln“-Ausflug eine kostenintensive, Schlaf raubende und anstrengende Terrortour. Dennoch hat es sich allein für WOLVES IN THE THRONE ROOM mehr als gelohnt. 2008 hatte sein erstes Konzert-Highlight! ... W.I.T.T.R. live? Jederzeit wieder!

Bilder & Videos: Torsten / © Final War Mag.