WATAIN / IMPIETY / ORLOG
- 27.10.2007 in der Festung / Bitterfeld -
von Torsten

Der „Storm Of The Antichrist“ zog in diesem Oktober über das Land, und brachte eine Horde aus Singapur mit sich, deren erneutes Aufschlagen in Deutschland ich seit gut vier Jahren erbettelte und entgegenfieberte. Nun war es soweit, und das „Beast Of IMPIETY“ lockte samt WATAIN in die Bitterfelder Festung.

Man wird immer wieder verdutzt angeschaut, wenn man als Rostocker in der ehemaligen Schwerindustriemetropole Sachsen-Anhalts ankommt, aber wenn der Berg nun mal nicht zum Propheten kommt, müssen schon mal sechs Stunden Zugfahrt in Angriff genommen werden, die mit dem „Happy-Birthday“-KINDER-Pack (besteht aus je einer Packung Riegel groß, Riegel klein, Schokobons und Country) relativ angenehm und kalorienreich über die Bühne gebracht wurde. Dem Trend der Reisefaulheit unter Metallern trotzend waren wir dann schon etwas erstaunt, als wir gerade mal das Dutzend an zahlenden Besuchern voll machten. Es füllte sich in den nächsten zwei Stunden jedoch noch beträchtlich.

 


Orlog

Mit einem kleinen „Raumwunder“ begannen dann die auf dem Papier schrecklich deplatziert wirkenden ORLOG, nahm ein Großteil der Besucher doch so großen Abstand von der Bühne, dass man meinen konnte, es würden bereits WATAIN herumstinken. Nur ein scheinbar inniger Anhänger der Band verirrte sich in den unmittelbaren Bühnenbereich... nein, halt, was macht der Mann da?! Er springt auf die Bühne, ergreift das Mikro und fängt an zu singen, oho. Seltsame Einlage, aber sodann begannen ORLOG gegen 21:30 Uhr endlich mit einem Stück der „Reinigende Feuer“. Wenn man bedenkt, wie schief der Name ORLOG im Billing lag, dass sogar das „Hast du schon gehört? Am 27. spielen in Bitterfeld WATAIN! Und IMPIETY! ... und ORLOG!“ zum Runninggag bei uns avancierte, kann man der Band eigentlich zu einem gelungenen Auftritt beglückwünschen. Es war zumindest besser als gedacht. Der Klang war gut und die Musiker spielten ihre Instrumente jeder für sich versiert, ohne aneinander vorbei zu agieren. Gesanglich war das auch in Ordnung, nur mochte der Sänger keinerlei Charisma ausstrahlen... und Tribal-Tattoos finde ich auch hässlich. So bleibt dieser Auftritt besser in Erinnerung als jener des Barther Metal Open Airs, auch wenn „Flammenherrscher“, das SATYRICON-Cover und vllt. „noch oa Gassnhaua“ fehlten. Dafür gab es neue Stücke...

             

 


Impiety

Bald ist es soweit... nur noch Soundcheck... gleich... Arrrrhh, was habe ich auf IMPIETY gewartet. Nun sollte es losgehen! Etwas skeptisch war ich ja, da ich die Band, zum Vierer gewachsen, überhaupt nicht mehr wiedererkannte, war doch quasi jedes Bandmitglied seit 2003 entweder ausgetauscht oder äußerlich ziemlich verändert worden. Aber, holla die Waldfee, dann fegten sie los! Hektisch, energiegeladen und aggressiv wie sonst was vernichteten IMPIETY mit Songs wie „Jehovah Vomit Jehovah“ oder „The Blitzkrieg Omega“ (beide vom aktuellen Album „Formidonis Nex Cultus“), was von der „Paramount Evil“ und auch einem alten Kracher vom „Skullfucking Armageddon“-Album, jeweils eingeleitet von blasphemischen Ansagen, meine Nackenmuskulatur. Der Drummer ist so ein Biest und die Gitarre senkrecht halten ist sowieso immer lässig! Leider war die Resonanz eher verhalten, so dass sich lediglich ein paar Headbanger in den vorderen Reihen anfanden, wo durchaus noch eine Menge Platz gewesen wäre. Kann ich nicht verstehen, es war nämlich der Hammer! Vielleicht lag es daran, dass sie, soweit ich das mitbekommen habe, keinen einzigen „Gassnhaua“ von dem in meinen Augen besten Album „Kaos Kommand 696“ spielten. Da war ich schon etwas herb enttäuscht, und das „Death Squad“-Cover konnte auch nicht trösten...

                   

 

Impiety clip

 


Watain

Der Höhepunkt des Abends deutete sich an. WATAIN, die einzige mir bekannte Band, die man am Geruch erkennt, verwandelten die Bühne optisch, geruchlich und wenig später auch musikalisch in einen Vorhof der Hölle. Endlich war auch das Publikum, eventuell weichgeklopft durch IMPIETY, am Kochen und feierte die Band schon im Opener „The Devil’s Blood“ frenetisch. Die Liveausstrahlung dieser Gruppe ist einzigartig und ich kann Unbekannten Nr. 1, der die gesamte Tour begleitete, durchaus verstehen, wenn er sagt, er sei immer noch nicht satt. Das Set war dem des UTBS insofern überlegen, als dass neben „I Am The Earth“, „Sworn To The Dark“, „Storm Of The Antichrist“, dem „Somberlain“-Cover (ich zitiere mich ungern selber, aber: Wenn eine Band DISSECTION covern darf, dann WATAIN!) u.a. „Gassnhauan“ auch sowohl „The Limb Crucifix“ und endlich endlich „On Horns Impaled“ vom ersten Album gespielt wurden. Die zusätzliche Feuershow war quasi das i-Tüpfelchen, aber auch ohne hätte dieser Abend einmal mehr unterstrichen, dass WATAIN zur absoluten Speerspitze der Black Metal Livebands gehören!

                   

                   

       

Watain clip 1
Watain clip 2

 

Fazit:

Geniales Konzert! Nach einer bitterkalten Nacht am Bahnhof, die von zwei alten FREYGANG-Fans verkürzt wurde, einer mehr als schauderhaften Zeitumstellung, wenigen Schlafinseln während der langen Rückfahrt und dem ausweglosen Kampf gegen die Haare resümiert man nun, vor dem PC sitzend, gern über die lohnenswerte Reise...

 

Bilder: Torsten / © Final War Mag.