|
Von der wiederholten Kritik am Festival-Lineup sichtlich genervt stampften die Verantwortlichen des Under The Black Sun im Jahre 2009 ein Aufgebot aus dem Boden, das experimenteller denn je wirkte, in Anbetracht der bereits angekündigten Bands zwar nächstes Jahr zugunsten einer Old-School-Ausrichtung wohl wieder ad acta gelegt wird, mit derzeit mächtig angesagten Namen wie URFAUST oder DARKSPACE aber unverschämt viele Schwarzträger in den Wald scheuchte.
Freitag, 03.07.2009
|
|
Freitag gegen Mittag also rechtzeitiger Aufbruch gen Helele... Helenene... Helalunene... Bernau! Eine Hinfahrt, während der mir die ROME-Zeilen „... sterbend zwischen den Stühlen...“ ständig im Kopf schwirrten (Privatsache). Zimmer bezogen. Bliblablub. Nerven euch nicht auch diese Konzertberichte, die zu 2/3 aus Geschichten bestehen, die der Verfasser im Ferienlager erlebt hat (Flöte, Mumu, ihr wisst Bescheid...)?! „Dann haben wir noch Ecke und Beule getroffen und kräftig einen gesoffen. Metal 4 Life!“. Kotz. Nee, mit Skandalen, Sex und Drogen kann ich nicht dienen ... Nungut, KÖNNTE ich schon, werde ich aber nicht.
Der Opener hieß Zapfanlage, wenngleich eine kaputte DRENGSKAPUR dafür verantwortlich war, dass ich (ohne Flachs!) den kompletten Auftritt der ersten Band (samt Soundcheck) mit Schlangestehen verbrachte. Nagut, für ein paar Bilder schlich ich mich mal kurz weg...
 
 
Mit einem Bier in der Hand, das zu 2/3 aus Schaum bestand, betrachtete ich anschließend THORNGOTH, die kürzlich mit „Rauhnacht“ ein annehmbares Album veröffentlichten. Die passende Atmosphäre mochte bei einer derartigen Hitze natürlich nicht aufkommen, doch bemühte sich die Band und präsentierte sich gut eingespielt und souverän. Kann man sich angucken.
PARAGON BELIAL mit ihrem HELLHAMMER-artigen Black Metal (ein „Horus / Aggressor“-Cover müsste sogar dabeigewesen sein) zeigten zwar eine gute Bühnenpräsenz, waren mir aber musikalisch nichts. Das war ja schon beim „Nosferathu Sathanis“-Album so. Ich glaube, ich werde mit dieser Band nie warm.
 
 
 
 
Es folgten wieder DRENGSKAPUR ... Nein, Moment. Zwei-Mann-Band mit Kutten-Sänger Nr. 2 an diesem Tage: THE ONE. Selbige sprangen kurzfristig für LIFELOVER ein und waren mir, trotz bereits mehrmaliger Livebegegnungen, deutlich lieber. Es schien nicht wirklich ihr Tag gewesen zu sein. Erst musste die britisch-griechische Kollaboration stundenlang am Flughafen warten, dann wollten Technik, Intros und Licht nicht immer so, wie es Alex gern gehabt hätte. Der Auftritt war dennoch urgewaltig und mitreißend. Ich bin immer wieder von der finstren Atmosphäre, die THE ONE auf die Bühne bringt, sehr angetan. Und der vom Pech verfolgte Bandkopf schien sich ja am Samstag mit der Damenwelt auch bestens getröstet zu haben ...
 
 
Dann ELITE. Ja, ELITE... Was ist aus dieser Band nur geworden?! Ehemals als ansprechender kalter Black Metal aus Norwegen angeflogen gekommen, hampelt sich der „zu pagan für Corpsepaint“-Trupp nun auf der Bühne einen ab, langweilt mit erbärmlich vorhersehbarem ... ja, was überhaupt ... irgendwas zwischen melodischem Black, stumpfem Pagan und vereinzeltem Thrash Metal. Nicht mit mir.
 
 
TROLL habe ich irgendwie verpasst. Muss ein sehr kurzer Auftritt gewesen sein. Seltsamerweise ging es vielen anderen, die ebenso nicht betrunken waren, genauso.
 
 
 
Macht nichts, dadurch war es immerhin zu URFAUST nicht allzu weit. Leider kamen mit „Open Air“, „viel Publikum“ und „live“ gleich drei Faktoren zusammen, die der düsteren Kellerkind-Atmosphäre der käuflich (mehr oder minder leicht) erwerblichen URFAUSTschen Tonerzeugnisse axialsymmetrisch entgegenstehen. Dennoch war es erstaunlich, dass bei der Zusammenfügung von Gesangs-, Gitarren- und Schlagzeugdarbietungen, für die allesamt kein großes Können notwendig war, so etwas wie Atmosphäre entstehen konnte... wenn auch eine sehr statische, „egale“ Form davon. Doch das geduldige Bleiben bis zum Ende lohnte: Mit „Verderber“ von der „Einsiedler“-MiniCD spielten sie nicht nur eines der besten Stücke ihrer Diskographie, sondern machten daraus gar einen Steingrimm-Tribut und ließen Wrath von CELESTIAL BLOODSHED singen. Was blieb, war Gänsehaut und ein Moment für die Ewigkeit ...
 
 
 
Samstag, 04.07.2009
|
|
Die Nacht wurde in der naheliegenden Ponyzoo-Pension verbracht. Bett, Dusche ... nie wieder ohne! Zelten ist doch kacke. Regen auch, der platzte nach dem sonnigen Freitag tags darauf nämlich (buchstäblich) aus allen Wolken.
Irgendwann stapfte man also durch den Matsch zur Bühne und sah GHEESTENLAND einen wieder mal gelungenen Gig mit alte-GORGOROTH-haftem Black Metal (und Gesang) absolvieren.
 
 
 
 
An SOMRAK erinnere ich mich musikalisch überhaupt nicht. Ich weiß noch, dass die Slowenen viel mit Blut rumgesaut haben, dass die (meist jüngeren oder geistig anscheinend jüngeren) Besucher das totaaal toll fanden und dass der Sänger anscheinend noch weniger wiegt als Erik von WATAIN. Ja, das war’s.
 
 
Die Spannung auf DARKMOON WARRIOR war groß und wurde durch die riesigen Bühnenaufbauten zumindest nicht kleiner. Schade nur, dass der Funken beim Konzert an sich dann nicht überspringen wollte. Entweder ist ihr Material für die Bühne zu technisch und zu komplex, oder es lag am Sound. Begeisterung geht jedenfalls anders, auch wenn sich genügend Leute fanden, die jene aufbringen konnten. Ich würde die Band gern noch mal sehen.
 
 
 
 
 
Ich bin mir nicht mehr sicher, aber entweder kam ich zu spät zu MAY RESULT oder sie spielten ganz schön kurz. Wohl eher letzteres. Die Serben lassen sich mathematisch etwa so beschreiben: THE STONE minus Corpsepaint plus Headbangtauglichkeit plus mehr Bewegung auf (und vor) der Bühne. Definitiv hörens- und sehenswert. Ich finde diese Phrase ja eklig, aber MAY RESULT gingen schon „ganz schön ab“.
 
 
 
DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT sind mittlerweile anscheinend seitens des Untergrundes wieder komplett „rehabilitiert“. Mehr als das. Der beste Auftritt des U.T.B.S. wurde mit zahlreichen fliegenden Haupthaaren belohnt. An der Bühnenpräsenz hat sich dahingehend etwas geändert, als dass der neue Bassist on stage wesentlich ruhiger als Classen (PARAGON BELIAL) ist. Diesem „weniger“ stand jedoch auch ein „mehr“ entgegen: Ich kann mir nicht helfen, aber der Drummer MUSS Speed genommen oder seine 20 Esslöffel Kaffee mit Red Bull aufgegossen und mit Koffein-Tabletten gesüßt haben. Wahnsinn! Ein Lied des kommenden Albums, Entschuldigung, des fünften Kapitels war ebenso mit an Bord und verspricht eine Menge uffta-uffta. An D.N.S., soviel sei vorweggenommen, kam heute keiner mehr ran ... und so mag mir Velnias bitte auch nicht krumm nehmen, dass ich in seiner Gegenwart bei der Zurkenntnisnahme des Bandgebräus „Slaughtergeist“ mehrfach das Attribut „peinlich“ gebrauchte.
 
 
Vor dem Auftritt der Co-Headliner-Franzosen gab es noch ein paar technische Probleme zu bewältigen. NEHEMAH standen regungslos auf der Bühne, dann begann der Auftritt ... und NEHEMAH standen regungslos auf der Bühne. Ich bin niemand, der nach pornösem Stageacting geifert, und der Sound war ja ok sowie atmosphärisch, das Set in Ordnung und die Umsetzung passend, aber irgendwie fällt mir für ihren UTBS-Ausflug nichts anderes als „langweilig“ ein.
 
 
Dummerweise ebenso für DARKSPACE. Noch statischer als URFAUST und NEHEMAH zusammen waren da halt ein paar Chuchichäschtli-Schweizer auf der Bühne, begleitet von einem Drumcomputer, blauem Licht (Was macht es? Es leuchtet blau.) und nervigem Epilepsie-Flackern, und schrammelten sogenanntes „Geräusch“ aus den Instrumenten. Der Gesang überschrie sich total (beabsichtigt), sodass es keinen Unterschied machte, ob jetzt das gruselige Mädel oder einer der spacigen Typen sang. Das mag für manche „Erhabenheit“ heißen, andere nennen es „Atmosphäre“. Ich sage nach wie vor „Langeweile“ dazu.
 
 
Fazit:
|
|
Auf dem Papier sah das U.T.B.S.-Lineup großartig aus, doch habe ich (kraft meiner Allmacht) bereits voraussehen können, dass sich die Angelegenheiten NEHEMAH, URFAUST und DARKSPACE in der Realität dann doch ziemlich unspektakulär gestalten werden. Immerhin ein paar Namen mehr auf der „Habe ich mal gesehen“-Liste ... wahlweise auch die „Habe ich mal gesehen, muss aber nicht noch mal sein“-Liste. Gelohnt hat es sich für einen furiosen D.N.S.-Gig, THE ONE und MAY RESULT überdies allemal. Obendrein ist die Location wunderbar, der Aufenthalt in der Pension wird definitiv wieder angesteuert und es gab weder soundtechnisch noch was den Ablauf betrifft (mit Ausnahme von TROLL) nennenswerte Aussetzer. Ein Festival nach Maß. Gut gemacht!
 
|
Bilder: Torsten / © Final War Mag.
|
|
 
|