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„Ponystreicheln und Black Metal“ - die dritte. Das nach Eigenaussage „most hated festival in the world“ lud erneut in die halbwegs unberührte Natur, musste sich im Vorfeld jedoch einiges an Kritik bzgl. des Line-Ups anhören. Nicht ganz unberechtigt, konnte der Veranstalter gewisse Dejavu-Erscheinungen im Billing doch weder verschweigen noch auf einen Fehler in der Matrix schieben. Was jedoch häufig vergessen wird, ist, dass das U.T.B.S. einst als Folter Records Open Air begann und es so etwas immer noch ist, die Anzahl der bei Folter unter Vertrag stehenden Bands jedoch keine Nuclear Blast-Ausmaße hat.
Pro und contra, bla und bla, im Endeffekt geht es doch sowie nur darum: Hingehen oder Daheimbleiben! Wir entschieden uns für Antwortmöglichkeit 1 ... und nicht nur das: So früh es nur ging, machten wir uns auf die Socken, um ja nicht die für mich wohl interessanteste Band des Billings, TRUPPENSTURM, zu verpassen. Bis kurz vor Berlin lief auch alles glatt ... dann Stau! Die Initiatoren der Autobahn in allen Ehren, aber in diesem Moment fehlte nur ein Laptop, und ich hätte, wie es sich heute so gehört, meinen MySpace-Status auf „verärgert“ gesetzt und im Nickelodeon-Chat ein paar mächtig böse Smileys und *grummel*s geschrieben. Dann auch noch Regen und meine lange Hose lag, wie vermutlich auch einige andere essentielle Dinge, noch daheim auf dem „Bitte nicht vergessen!“-Stapel. Meine Stimmung sank, wahrscheinlich zum Leidwesen meiner Mitfahrer, auf den Tiefpunkt, von dem sie sich erst wieder langsam erholte, als telefonisch in Erfahrung gebracht werden konnte, dass sich der Beginn eh um ca. eine Stunde hinauszögern wird. Unter dem Geräusch nervös auf dem Armaturenbrett tippelnder Finger erreichten wir ca. 18:50 Uhr das idyllische Helenenau.
Freitag, 04.07.2008
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Schnell zur Bühne! Der TRUPPENSTURM marschierte bereits, gewaltig und blutbesudelt! Der rote Lebenssaft wurde sodann auch gründlich vergossen bzw. in die Menge gespukt, klanglich umrahmt von purer puristischer Raserei und dem besten Krawall Black Metal, den Deutschland derzeit zu bieten hat! Einer Handvoll ausgelassener Festivalbesucher gefiel es wohl so gut, dass sie großflächige Pogo-Versuche starteten. Auch ich war sehr angetan, obwohl ich mich schon fragte, wie es der Band gelang, ihre Spielzeit zu füllen, kommt das Album doch auf keine halbe Stunde und wurden mir die Songs doch schon im Vornherein folgendermaßen angekündigt: „Die sind mittlerweile so geil, die zocken 2:30-Songs vom Album in unter 2 Minuten runter... unfassbar.“ Ob sie nun manche Lieder doppelt spielten oder einfach nur eines immer wieder, wen interessiert das schon?! Hauptsache „Black Funeral Pyre“ war dabei. Wie gesagt: Unfassbar! Und sowas als Opener, da ließ das U.T.B.S. schon mal mächtig die Muskeln spielen... um sie dann mit KRYPT vorläufig erstmal zu entspannen. Um einen Bekannten sinngemäß zu zitieren: 1995 als Demo wäre dieser bis in die letzte Pore norwegische Old School Black Metal sicher top gewesen, aber mittlerweile lockt das wirklich kein Kind mehr aus dem Keller hervor, wenn es nicht eh schon 24 Jahre dort kauert. Langweilig! Das kann man von GRAUPEL nicht behaupten, auch wenn ihr Auftritt musikalisch, wahrscheinlich soundbedingt, zwischen „schlecht“ und „äußerst schlecht“ rangiert. Jedoch diese Art von Schlechtigkeit, bei der man doch nicht weggucken kann. Wie ein Autounfall. Heiß erwartet begannen sie ihren Auftritt mit einer deftigen Ladung Blut für das Publikum. Wer sich an diesem Freitag in weniger als zehn Metern Abstand zur Bühne bewegte, - das war klar - konnte sich sicher sein, dass er aussieht, als sei er gerade mitten in die Dreharbeiten zu „Evil Dead 4 – Ash gegen den Wolf“ geraten. Immerhin blökte Sänger Zingultus mächtig motiviert und mit einem gehörigen Schuss wodvan-scher Geistesgestörtheit in die Massen, von denen zumindest ein Headbanger zu Beginn des Auftritts auch eine schallende Ohrfeige abbekam. Wer nun GRAUPELs Texte nicht sonderlich gut kennt, wird sich bei den Wortbrocken, die zu verstehen waren, wundern, warum die Band denn über zeitziehende Saat, westradikale Mütter und ein ominöses „Dachstuhl-Feuerzeug“ (?) singt. Nunja, ganz so ist es wohl nicht ... oder doch?! War GRAUPEL schon ziemlicher (aber cooler) Mist, grenzt es an einer Meisterleistung, dass HELL MILITIA es noch über- bzw. unterbieten konnte. Gewiss, ihr Stil gehört zu der Kategorie „lieben oder hassen“, sodass ich keinem der in der ersten Reihe Jubelnden einen Vorwurf mache, aber m. E. wäre „beschissen“ schon ein eklatanter Euphemismus. Mit dem Wischiwaschi-Sound muss man halt leben, und wenn das Material langweilig ist ... ja, dann können sie es halt nicht besser ... aber der Gipfel der Frechheit ist der einfach nur wahnsinnig schlechte Junkie-Rastamann, der schon bei MÜTIILATION nicht singen konnte. Vollgedröhnt wie ein Versuchstier im Drogenlabor und die komplette Bagage verkrachter Hollywood-Existenzen zusammen war er wohl der einzige, dem das nervige Gestöhne nicht auf die Eier ging. Zu allem Überfluss musste man sich visuell auch noch mit irgendwelchen ekligen Videoausschnitten auseinandersetzen. Da kann einem ja nur schlecht werden! Die Griechen von KAWIR, allesamt in eine Art schwarzen Chiton gekleidet, starteten anschließend ihren Hellenisierungsfeldzug über Ostdeutschland. Als der musische Agon nun anfing und der Sänger begann, herum zu orakeln, zauberten sie mir direkt Semikola in die Augen (gleichbedeutend den Fragezeichen). Auch wenn schnell klar wurde, dass hier musikalisch mehr geboten wurde als bei allen vier vorherigen Bands zusammen, bedurfte es zwei oder drei Liedern, bis man sich für den keyboardgespickten, epischen Black Metal KAWIRs (Betonung auf dem I) erwärmen konnte. Wie schon bei HELL MILITIA empfand ich den Sänger am störendsten, konnte er live doch weder so gut klingen wie auf Platte noch mit der arg theatralischen Mimik und Gestik punkten. Sei es drum, KAWIR konnten Eindruck schinden, und zwar vor allen mit den letzten 2 oder 3 Lieder, die einfach wahnsinnig gut waren ... oder, wie die Griechen sagen würden, aristoi, beltistoi und kratistoi. BEASTCRAFT ihres Zeichens folgten der brutalen und primitiven Schiene. Wie auf Platte halt, doch gefiel mir der Auftritt wesentlich besser als z.B. „Into The Burning Pit Of Hell“. Es ist doch etwas anderes, diese kurzen, simplen Kracher live um die Ohren gehauen zu bekommen. Und wer VON covert, ist mir grundsätzlich sympathisch, auch wenn es doch bitte nicht immer nur „Satanic Blood“ sein muss. Die anderen Titel sind genauso einfach... Als Tipp für den nächsten Auftritt ist dies wohl etwas zu spät, war ihr UTBS Ausflug doch der erste und letzte zugleich. Schade eigentlich, gutes Live-Zeug!
Zu später Stunde waren mir SECRETS OF THE MOON dann einfach zu anstrengend. Die Verspätung forderte seinen Tribut. Für eine Weile begutachtete ich vorwiegend neuere Stücke des letzten Albums, routiniert dargebracht aber in einem beschissenen Sound für den beschissen schon gar kein Ausdruck mehr ist. „Seraphim is dead“ bedeutete dann auch schon mein Todesurteil, zumindest für diesen Abend. Immerhin wird der Schlaf ja mancherorts auch als „kleiner Tod“ bezeichnet. Achne, das war der Orgasmus. Wie dem auch sei... Nacht!
 
 
 
 
 
 
 
 
Samstag, 05.07.2008
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Die Nacht verbrachten wir beinahe bonnsen-mäßig im Final War Panzer auf dem ruhigen Parkplatz. Mit Skandalen des Zeltplatzgeschehens kann ich also nicht dienen, aber soweit ich weiß, blieb auch alles gediegen. Zumindest die Prozedur „Suppenterrine zum Frühstück“ erinnerte an allzu bekanntes Camping-Feeling. Hinsichtlich des Wetters zeigte sich der Sommer nun auch von seiner sonnigen Seite, sodass man sich mit kurzer Hose nicht mehr so unpassend gekleidet vorkommen musste. Das Festival an sich sollte überpünktlich beginnen. Zumindest dachte ich dies. Doch das U.T.B.S. beliebte zu Scherzen und einen schmierigen Presse-Heini wie mich zu verschaukeln, indem es enorm laut die Pausenmusik laufen ließ. Da stakselt man nun extra zum Gelände, denkt sich bereits „Hm, wie MAGNIFICAT klingt das doch nicht?!“, und findet sich vor der Bühne wieder, wo die Band mit mexikanischem Migrationshintergrund gerade mit dem Aufbau und Luftgitarrenspiel beschäftigt ist. Bei meiner späteren Rückkehr zur Bühne waren VORKREIST bereits am Zocken, aber sonderlich traurig war ich nicht, MAGNIFICATs doch eher nervigen Party-BM mit Heavy-Einschlag verpasst zu haben. Wirklich Black Metal boten VORKREIST auch nicht und konnten mit deftiger Death-Würze nicht alle Zuschauer überzeugen. Mich aber. Feines, düsteres Zeug und mit Abstand die beste der drei Bands, bei denen LSK an diesem Wochenende zu sehen war. Sie hatte dann auch Feierabend, gewisse Norweger jedoch noch lange nicht. Dieselbe Mischpoke, bestehend aus 11 Mann, 4 Bands des Festivals formend, spielte im Anschluss unter dem Namen ENDEZZMA soliden Norge-Black Metal. Seit dem Auftritt im vergangenen Jahr veröffentlichte die Band zwar nur eine EP, konnte aber einiges an Bekanntheitsgrad zulegen. Ich muss jedoch sagen, dass mir ihr Gig 2007 wesentlich besser gefiel. Anno 2008 war eher Achselzucken angesagt, mit Ausnahme gewisser KVIST-Titel, aber mal ehrlich... muss es für eine Band nicht frustrierend sein, wenn die Leute nur bei den (eigenen) alten Songs abgehen?! Ich weiß ja nicht... Übrigens könnte Blut im Schritt für Mediziner auf einen Prostatatumor deuten, also sollte Sänger M Sorgar mal lieber zum Arzt. THE STONE beehrten das U.T.B.S. nach 2005 sodann erneut mit einem Auftritt. Achso, ratet mal wer damals Headliner war! Richtig, URGEHAL. Egal. Der Sänger erinnerte mich ein wenig an Samara aus „The Ring“. Zumindest sah ich sein Gesicht nie, da er seine Haare wohl ganz toll findet und damit zu posen versteht. Wie dem auch sei, die Serben, optisch Black Metal wie er blackmetalliger nicht sein kann, überzeugten durchweg mit einer aggressiven Spielweise und sympathischem, osteuropäischem Einschlag. Gefielen sie mir schon vor drei Jahren, haben THE STONE jetzt erstmal einen, äh, „Stein“ im Brett. Besonders aufgrund des exzellenten MASTERS HAMMER Covers zum Schluss („Jama Pekel“). Ich hoffe, ich plaudere nicht vertrauliche Informationen aus, wenn ich sage, dass es schade ist, dass es die geplante tschechische MASTERS HAMMER Coverband leider aufgrund akuter Auflösung gar nicht erst ins Billing schaffte. Dafür HELLSAW, wenngleich sie im vorletzten Jahr erst Helenenau heimsuchten. In der Zwischenzeit waren sie aber nicht untätig, veröffentlichten ein gutes Album namens „Phantasm“ und erweiterten den Reigen ihrer Livemusiker enorm. Ob die Umbaumaßnahmen auf einen freistehenden Sänger abzielten, damit die Bühnenattraktivität steigt?! Wäre im Prinzip Quatsch, aber hat uns auch nicht zu interessieren. Apropos „nicht interessieren“: Es war wohl eher journalistische Pflicht gepaart mit preußischer Gründlichkeit, die mich zu leicht fortgeschrittener Stunde, zu der es gar nicht mehr (jetzt kommt’s!) „hell aus-saw“ (autsch), vor die Bühne zog. Bedauert habe ich es nicht, denn HELLSAW belohnten mit erstklassiger Gitarrenarbeit und einem absolut überzeugenden Auftritt. Keine Langeweile, sondern pure Energie und fesselnde Black Metal Kunst. Fein! Mit gutem Gefühl steuerte man also SURRENDER OF DIVINITY entgegen... einer brutalen Krachkapelle aus Thailand, IMPIETY gar nicht mal unähnlich. Lustigerweise erinnerten mich S.O.D. stärker an den genialen 2003er Auftritt ihrer Landsmänner als IMPIETY selber auf der vergangenen Tour mit WATAIN! Übelstes Gehacke und Geschrammele. Sehr spielfreudig, brutal und schnell. Da machte die Technik nicht unbedingt mit, bemerkbar an diversen Ausfällen. Ansonsten der helle Wahnsinn, was diese Thais aus dem Land von „Ong Bak“ und Sextourismus in Helenenau ablieferten. Feines BATHORY-Cover zum Schluss. Durch die relativ genaue Einhaltung des Zeitplans konnte ich noch nicht so wirklich realisieren, dass mit URGEHAL gleich die letzte Band des Festivals auf uns lauerte. War aber so. Ihre Headliner-Position füllten URGEHAL sehr anständig aus, obwohl insbesondere Trondr Nefas schon mächtig einen im Tee hatte, erkennbar daran, dass die Artikulationsfähigkeit in den Ansagen schon gehörig abgenommen hatte. „Satanic Black Metal In Hell“, „The Eternal Eclipse“, „Goatcraft Torment“ und wie sie alle heißen, wurden in einem guten Set authentisch dargebracht. Nicht zu vergessen die allgegenwärtige, wohl z. Z. ziemlich trendige norwegische „Fuck Off!“-Einstellung. URGEHAL, in Deutschland omnipräsent und deshalb für mich prinzipiell kaum interessant, waren ein Headliner, der die begeisterte Reaktion des Publikums verdiente.
 
 
 
 
 
 
 
Fazit:
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Klappe zu, Affe tot. Das U.T.B.S. 2008 war sicher nicht das beste der Festivalgeschichte. Anders als die meisten mache ich dafür aber nicht die Bandauswahl verantwortlich, obwohl sich da ein paar Wiederholungen erspart hätten bleiben können. Oft waren es aber gerade jene Bands, die ich zum zweiten, dritten oder zwölfzigsten Mal sah, welche hervorstechen konnten (THE STONE, URGEHAL, HELLSAW). Eine bessere Begründung für den durchwachsenen Charakter ist vor allem der in gewisser Hinsicht totale Ausfall des Freitags aufgrund des eklatant schlechten Sounds. HELL MILITIA und GRAUPEL waren so grottig, da ist grottig gar kein Ausdruck für. SECRETS OF THE MOON werden ihren Gig wohl auch nicht gerade als Glanzpunkt ihrer Karriere ansehen, und diese Norweger (Kubb? Kyff?) sind morgen vergessen. Bezeichnenderweise waren es nun genau zwei Bands, die verdammt gut waren: TRUPPENSTURM, deren geiler Krawall keinen guten Sound braucht, und KAWIR, die zum Ende einfach so verdammt gut waren, dass ich mir gar nicht vorstellen will, was uns da ohne prächtigen Klang entgangen ist. Am Samstag konnten die ca. 550 Besucher (darunter Andy und Lou von „Little Britain“) in einem deutlich besseren Klang von ca. 71,4 % der Bands, allen voran THE STONE, HELLSAW und SURRENDER OF DIVINITY, einen gelungenen bis glanzvollen Auftritt begutachten. Unterm Strich bleibt also das U.T.B.S., was es ist. Ein robustes Festival ohne den Anspruch auf Perfektion, mit einem Billing, das eine angenehme Menge an Leuten immer wieder kopfschütteln aber am Ende doch hinfahren lässt, und einer Ausführung, die selten so glatt verläuft wie gewünscht, aber dennoch summa summarum befriedigte schwarze Seelen wieder nach Hause schickt. Kurz gesagt: „The most hated festival in the world“.
 
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Bilder: Torsten / © Final War Mag.
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