UNDER THE BLACK SUN Part X - Bericht
von Torsten und Wurzelgeist

Zu Beginn der Bandankündigungen war es für mich noch nicht ganz klar, ob ich die Tradition brechen und in diesem Jahr das U.T.B.S. vielleicht doch nicht aufsuchen werde. Im Laufe der Zeit verbesserte sich das Billing jedoch stetig. Namen wie INQUISITION oder WATAIN standen plötzlich auf den Flyern, von denen zwar kaum einer seine Premiere bei diesem Festival feiern konnte, durch die jedoch ein Besuch des idyllischen Helenenau 2007 zur Pflichtveranstaltung wurde.
Überschattet wurde das Festival im Vorfeld jedoch von den üblichen Verdächtigungen, zu denen am Ende dieses Berichtes Stellung genommen werden soll.

 

Freitag, 6. Juli 2006

Wie bequem ist doch die Hinfahrt, wenn man auf ein eigenes Automobil zurückgreifen kann und sich mit seinem tonnenschweren Gepäck nicht von Bummelzug zu Bummelzug schleppen muss, um schließlich die erbettelte Mitfahrgelegenheit wahrzunehmen. Die Fahrt wurde erstmal zur Nervenprobe, denn es dauerte eine gute Stunde, bis wir die überfüllte Rostocker Innenstadt verlassen konnten. Obwohl uns schließlich eine ganze Menge Bullis entgegenkamen, um zur Demonstration und Gegendemonstration bei unseren neuen „Szeneladen“ vorbeizustrahlen, waren anscheinend noch genügend Einsatzkräfte verfügbar, um unweit vom Festivalgelände gründliche Kontrollen durchzuführen. Unser einer hat sich ja nichts vorzuwerfen, also ließen wir sogar den indiskreten Blick in die Waschtaschen und Rücksäcke zu. Gegen 20 Uhr erreichten wir schließlich die Kasse: Gestatten, Torsten vom „Eternal War“ Magazin. Die Verwirrung durch den eingeschlichenen Fehler wurde schnell gelöst, und nun hieß es keine Zeit mehr verlieren, parken und ab zum Gelände...

 

 


Neithan

Aufgrund der Verspätung gelangten wir nicht rechtzeitig zum Zeltplatz, um NEITHAN zu sehen. Da ich von ihrem letztjährigen Auftritt nicht großartig überzeugt wurde, war ich auch nicht sonderlich traurig darüber. Fraglich bleibt, ob man ähnlich wie bei NECROS CHRISTOS einen „Newcomer“ pushen will, oder, ob man einfach nach dem sehr kurzfristigen Engagement 2006 NEITHAN nun einen vernünftigeren Gig bieten wollte...

 


Sammath

Zu diesem Zeitpunkt hieß es noch „glücklicherweise“ als Reaktion auf die Verspätung, die sich, gemessen an unserem Betreten des Geländes, schon auf gut eine Stunde belaufen haben muss. Immerhin konnten wir 2 oder 3 Songs der Holländer mitbekommen, die für mich also der Auftakt des Festivals bedeuten sollten. SAMMATH boten beim ersten Blick besonders optische Reize (die den ein oder anderen bösen Blick meiner weiblichen Begleitung evozierten ;) ), zunehmend aber auch musikalisch. Schlecht war es nicht, eventuell abgesehen vom Schlagzeug. Grundsolide wurde schneller Black Metal mit fiesem Gesang gespielt, ohne jedoch bleibende Eindrücke zu hinterlassen.

           

 


Endezzma

ENDEZZMA waren mir zuvor gänzlich unbekannt. Spätestens als „alte Bekannte“ wie URGEHAL-Mensch Trondr die Bühne betraten, tat sich der Gedanke auf, dass es sich bei jener Band, die keine einzige Veröffentlichung vorzuweisen hat, wohl um ein ominöses All-Star-Projekt handeln muss. Ausstaffiert, wie es sich für Black Metaller gehört, legten ENDEZZMA dann los und sorgten für die erste große Überraschung des diesjährigen UTBS Festivals. Verdammt gutes Zeug! Melodischer, kalter Norge-Black Metal ergoss sich mit einem Feeling wie es nur aus Skandinavien kommen kann. Dem nicht genug, zückten sie nach Ankündigung („... going back to 1994...“) sogar KVIST-Songs! Dass ich das noch erlebe! Herrlich! Gänsehaut! ... Man darf gespannt sein, ob hier veröffentlichungstechnisch noch etwas auf uns zukommt. Ich werde die Augen offen halten.

Black Metal aus Norwegen verspricht in diesem Fall eine musikalische Audienz von KVIST auf deutschen Bühnen. Sowohl aus musikhistorischer, sowie rein nostalgischer Sicht ließ es sich ein Erscheinen zu ENDEZZMAs Konzert also kaum ausschlagen. Erstmal gab es allerdings eigenes Schaffen der Band zu hören, das klassisch norwegisch puristisch ca. 15 Jahre nach dem Entflammen dieser Stilrichtung nicht gerade neues Brennmaterial liefert, aber sich durchaus hören lassen kann. Der kurze Ausflug zum Schaffen KVISTs wusste dann noch mehr zu überzeugen und hinterließ einen positiven Gesamteindruck des Konzertes.

             

 

 


Merrimack

Beim nächsten Gang vor die Bühne waren die Franzosen von MERRIMACK bereits dabei vor nächtlicher Kulisse der Menge, die zahlreich anwesend und ordentlich am Köpfeschütteln war, einzuheizen. Von den Livequalitäten der Band konnte ich mich nun bereits zum dritten Mal überzeugen, und nie war ich enttäuscht, so eben auch an diesem Freitag. Lediglich der Sound lässt Kritik zu, worauf auch prompt der Sänger anspielte. Erwartungsgemäß lässt sich dem Auftritt, der mit einem MASSACRE-Cover gewürzt wurde, das Prädikat „anständig“ erteilen!

Ehrlich gesagt übte der Freitag nicht viel Anziehungskraft auf mich aus, aufgrund des für mich eher uninteressanten Bandaufgebotes. MERRIMACK waren allerdings großer Hoffnungsträger nach ihrem sehr guten zweiten Album „Of Entropy And Life Denial" und dem Wissen um ihre Livequalitäten, den Abend dennoch zu einer lohnenswerten Geschichte werden zu lassen. Spätestens nachdem sich zu energischerm Instrumentenspiel mindestens gleichwertig hingebungsvoll letztendlich auch der Sänger auf die Bühne bewegte, war klar, dass diese Band die Erwartungen vollends decken wird, sogar übertreffen kann. Gespielt wurde ausgiebig von erwähntem Album und das zudem qualitativ hochwertig. Authentizität und Enthusiasmus verschmolzen zu aggressiver Intensität, die Schauer erzeugte, spätestens als MERRIMACK mit einem nicht enden wollenenden Schmerzensschrei sich nach einem genialen Auftritt, ohne nur ein Zwischengeplänkel oder eine unnötige Ansage, verabschiedete. Erst danach realisierte ich so wirklich den Dauerregen, aber das mittlerweile dennoch recht zahlreiche Publikum.

             

   

 


Decayed

„Oberst von H.“ lässt ausrichten: „Totale Kacke!“ ... So ganz will ich mich dieser aufoktroyierten Stellungnahme nicht anschließen. Nachdem ich die Portugiesen beim UMM 2006 verpasste, wollte ich sie nun gern sehen, auch wenn sich mir bei Auseinandersetzung mit den Tonträgern nie eine besondere Qualität erschloss. Primitiv und brutal holzten DECAYED einen old school Black Metal hinunter, der aus Überzeugung ohne Firlefanz blieb. Der Sänger war wohl, soweit mir berichtet wurde, neu, weshalb ihn vor dem Gig auch entsprechendes Lampenfieber ergriff. Seine Bühnendarstellung, teils an PRIMORDIAL angelehnt, wirkte nicht immer glücklich und provozierte den ein oder anderen Stinkefinger, der aber nicht unbeantwortet blieb. Stimmlich hat er es jedoch drauf, und ebenso finster tönte auch der Bass, während man von der Gitarre zu wenig hörte. Über den Zeitraum eines kompletten Sets wurden DECAYED dann aber doch ermüdend...

Portugal die Erste: Professionell, aber nichts, was mich großartig mitreißen würde. Täusche ich mich oder schwappte von DECAYED eher freudige Energie aufs Publikum über, die nicht so wirklich zum Konzert passen sollte!?

             

     

 


Corpus Christii

Mehr Anregung erwartete ich mir von den zweiten Portugiesen. Es waren komplett andere CORPUS CHRISTII als bei meiner letzten Begegnung 2003. Damals gab noch ein Drumcomputer den Takt vor, ein Keyboarder war dabei und Horrendus neben dem Singen auch instrumental beschäftigt. Wie es jetzt aussieht, könnt ihr ja den Bildern entnehmen. Von Beginn an stellte sich bei mir ein Gefühl von Langeweile ein, das ich aber nicht nur auf die Band, sondern auch auf meine fortschreitende Müdigkeit schieben will. Doch CORPUS CHRISTII hatte jener wenig entgegenzusetzen. Songs wie „In League With Black Metal“, „The Fire God“ oder "Melancholy Beginning" zündeten einfach nicht. Nicht zuletzt durch den dürftigen Sound, der die Gitarre, wie so oft am Freitag, total untergehen ließ. Die Band an sich wirkte müde und unmotiviert. Begleitet von einem freundlichen „Kinderficker!“ eines Besuchers verließen CORPUS CHRISTII nach einem, in jedem Fall für mich, dem Anschein nach auch für die Band unbefriedigendem Gig die Bühne... Immerhin war das „Buried By Time And Dust“-Cover gut.

Portugal die Zweite: Eine durchschnittliche Band und ein durchschnittliches Konzert ohne Potential Wind zu erzeugen.

Da die Sperrstunde von 1:00 Uhr bereits überschritten war, konnten AZAGHAL nicht mehr auftreten. Ich erinnerte mich direkt an 2003, als CORPUS CHRISTII durch den starken Regen ebenfalls als letzte Band des Freitags auftraten und TAAKE auf den Sonnabend geschoben wurden. Geschichte wiederholt sich... Fraglich bleibt, ob man wirklich so blauäugig an die Sache ging und die Running Order (planmäßiges Ende von AZAGHAL: 1:00 Uhr) ohne etwas Luft genau auf die Sperrstunde abstimmte?! Als Entschädigung gab es 100 Liter Freibier; nette Geste!

             

     

 

Samstag, 7. Juli 2006

Nach dem eher durchwachsenen Freitag konnten alle Besucher beneidet werden, die sich lediglich ein Samstagsticket erlaubten. Immerhin stand mit AZAGHAL, ETERNITY, 1349, WATAIN und INQUISITION nun ein gewaltiges Paket in den Startlöchern! Mit ein paar Abstechern auf die ortsansässige Pferdepension gestaltete sich unser Vor- und Nachmittag gemütlich, was jedoch nicht jeder von seinem Samstag behaupten kann. Zumindest nicht der Herr, der mit einem gebrochenen Kiefer abtransportiert wurde. Oder Herr Möbus, dem der Zutritt zum Festival verwehrt blieb.

 


Panychida

Die Tschechen rückten äußerst spät als Ersatz für KRYPT ins Billing, da es in der Familie von Nag einen Todesfall gab. Trotz des angekündigten früheren Beginns trennte PANYCHIDA wenig von 18 Uhr. Sie spielten melodischen Black / Pagan Metal, der zu ertragen war, wenn man nicht gerade durch die eigentümliche Haartracht des Sängers abgelenkt wurde. Abgesehen von dieser Äußerlichkeit haben es unbekannte Vorbands generell schwer. So tummelten sich auch vor PANYCHIDA wenig Besucher. Nun gibt es solche Vorbands und solche. Diese Tschechen gehören jedenfalls zu der Kategorie, die man nicht unbedingt wieder einladen muss...

Extrem knurriger Gesang, wie er auf keiner alten IMMORTAL-Scheibe oder WARLOGHE-Demo besser zu hören ist, gesellte sich zu zu treibend-melodisch-, durchaus gut gespieltem Pagan Metal. PANYCHIDA, eine gute Eröffnungsband, allerdings eher etwas für Melodiebegeisterte.

         

 


Witchcraft

WITCHCRAFT aus Ungarn waren interessanter. Guter, reiner Black Metal mit rotziger Attitüde verschaffte Aufmerksamkeit, die sicherlich noch größer gewesen wäre, wären mir die Werke der Band im Vorfeld bekannt gewesen. Ein hörenswerter und lässiger Auftritt, den Soundprobleme (anfangs hörte ich die Snare sogut wie gar nicht) ein wenig minderten.

           

 


Warhammer

Warum auch immer ihr Logo so überdimensional auf den Flyern prangerte, WARHAMMER taugten zu nicht viel mehr als zur letzten wirklichen Vorband des Sonnabends. Mich tangierte ihr bekannterweise an HELLHAMMER angelehnter old school Metal nicht sonderlich. Noch im Verlassen hörte ich die Ankündigung von zwei Coversongs, deren ersten (eine schnelle Version von SODOMs „Outbreak Of Evil“) ich noch flüchtig mitbekam...

         

 


Azaghal

Nun begann eine Strecke von fünf Bands, die es eigentlich nicht zu verpassen galt! Durch den frühzeitigen Abbruch am Freitag wurde aus dem Samstag ein verflucht geniales Aufgebot, das so erstmal getoppt werden muss. AZAGHAL begannen und fegten wahnsinnig los. Gleich zu Beginn „Black Terror Metal“ und „Kyy“, dem nicht minder schlechte Songs (u.a. „Mustamaa“) folgten. Die Finnen ließen alle wissen: Wir legen es drauf an! Mein Gott, hätte dieser Auftritt als Höhepunkt des Freitags stattgefunden, AZAGHAL hätten einiges gerissen! Sie wirkten zwar etwas unmotiviert, aber musikalisch sowie soundtechnisch stellten sie ALLE Bands bis dato in den Schatten. Zuungunsten der Atmosphäre mussten AZAGHAL bei Sonnenlicht zocken. Hätten sie dieses Set tags zuvor bei nächtlicher Stimmung gespielt, keine zehn Pferde hätten mich halten können... Geil!

             

       

 


Eternity

Finstere Bühnendekorationen schmücken die Plattform, die für die kommende Dreiviertelstunde Schauplatz von ETERNITYs Ritual werden sollte. Gleichsam beständig gut wie umstritten erregten die Thüringer so viel Aufmerksamkeit, dass sich zu der großen Masse an Augenzeugen auch die Security an den Bühnenrand begab. Ihr Auftritt zählte dann zu den sowohl showtechnisch spektakulärsten als auch publikumstechnisch heftigsten, sodass teils die Sicherheitsleute gar den einen oder anderen herausfischten. A.Krieg eröffnete das Schauspiel mit viel Blut, dass er, wie schon AZAGHAL zuvor, über die Zuschauer ergoss, sowie einer Feuerspukeinlage, um dann standesgemäß mit „Misanthropic Suicide“ zu beginnen. Es folgten u.a. ein IMPALED NAZARENE-Cover („Sadhu Sathana“), „Verhöhnt“, „Horncrowned Emperor“ und (sehr geil!) ein ISENGARD-Cover! Die musikalische Darbietung war einwandfrei, die Gestikulierung des Frontmannes teils recht theatralisch. Nach den ganzen Scharmützeln im Vorfeld eine vollkommene Genugtuung ETERNITY nun zu sehen, und in Anbetracht dessen schwebte irgendwie mehr Bedeutung in der Luft, als A. Krieg während eines Songs die (auch oft zur Verteidigung dargebrachte) Bandideologie „Alterius non sit, qui suus esse potest“ sprach.

Man kann sie mögen oder nicht, aber es ist nicht zu leugnen, dass ETERNITY eine sehr gute Liveband ist. Die Jungs wissen was sie spielen und wie sie es spielen müssen, damit auch mehr spürbar ist als nur der Druck aus den Boxen. Vor allem der bestialische Gesang ist hervorzuheben.

             

             

 

 


1349

Nach kurzer Erfrischungspause kehrte ich zu 1349 auf das Gelände zurück. Dabei war es, zu bereits vorgerückter Dunkelheit, mehr eine Frost-Show als alles andere. Soundtechnisch fast überbetont spielte er so unglaublich schnell und präzise, und vor allem mit dem unverkennbaren Schuss Wahnsinn, dass es einem die Kinnlade hinunterschlug. Sein Drumming, das hinter der Bühne von Flammen-Pyrotechnik begleitet wurde, machte einen fast unwirklich maschinellen Eindruck. Abstriche wurden dafür beim Gesang gemacht, den ich teilweise kaum hörte. Trotzdem ein klanglich eindrucksvoller Gig. Es klingt banal, aber mich störte beinahe, dass es einfach „zu gut“ war. Gemeint im Sinne von: zu professionell, zu unnahbar. Nichts gegen Künstler, die sich ernst nehmen, aber wenn man bei manchen Gesten schon ins Grübeln kommt, ob diese vorher einstudiert worden waren, ist für mich der Schritt zur blanken „Show“ getan. Wie dem auch sei, dennoch pralle Liveband! Als dann Aus die Maus war, schien es folgerichtig, dass das Publikum schlicht „Frost! Frost!“ brüllte. Nunja, „dreizehnneunundvierzig“ ruft sich ja auch blöd...

Der Mann mit dem wohl höchsten VIP-Status auf diesem Festival wurde nach einer langen Umbaupause (wohl um sein Schlagzeug aufzubauen) als Einziger mit dem Kleinbus direkt an die Bühne gefahren, um diesen Status nochmal zu untermalen. Danach konnte es auch schon losgehen mit der Band um Frost, seineszeichens Schlagzeuger bei SATYRICON und Frauenschwarm. Warum ich diesen Mann so hervorhebe? Weil die Musik auch danach klang. Sehr professionell rasender Black Metal donnerte unnachgiebig in den Wald hinein und welches Instrument war dabei doppelt so laut wie alle anderen? Richtig: Das Schlagzeug. Meiner Meinung nach absolut daneben, aber vermutlich so gewollt, um deutlich zu machen worauf die Norweger bauen. Bei mir kam diese Überprofessionalität jedenfalls nicht gut an und auf das musikalische in-den-Mittelpunkt-stellen eines Bandmitgliedes kann ich in diesem Fall auch verzichten.

             

 

 


Watain

Allerhand Dekoration wurde anschließend auf der Bühne platziert. Es war Zeit für WATAIN. Heiß erwartete ich meine erste Livebegegnung mit den Schweden, im Unklaren, warum ich sie bislang eigentlich noch nie zu Gesicht bekam. Frontmann Erik eröffnete die Zeremonie und verteilte Blut im Publikum. Gut und schön, doch einige Tropfen einer merkwürdigen Flüssigkeit (Buttersäure?) trafen mich schließlich an Hand, Jacke und Gesicht. Sie war durchsichtig und roch erbärmlich nach Scheiße, Kotze und Fäulnis. Was war das?! Waren die vorderen Reihen nun auch „geruchlich“ in die passende Stimmung gebracht, konnte WATAINs erbarmungsloses Ritual losgehen. Mit einem guten Sound feuerten sie sowohl Stücke vom aktuellen Album, u.a. den Titelsong, als auch ältere Lieder wie „I Am The Earth“ ab. Ich wollte meinem Ohr kaum glauben, als sie nun ankündigten, „The Somberlain“ zu spielen. Aber wenn es eine Band gibt, die DISSECTION covern kann und darf, dann WATAIN, und man merkte förmlich, dass sie mit ihren Landsmännern mehr verbindet als die bloße musikalische Verehrung. Als danach schließlich Schluss war, kam mir der Auftritt WATAINs äußerst kurz vor, aber wahrscheinlich nur, weil ich liebend gern mehr gesehen hätte. Insbesondere „On Horns Impaled“ als Zugabe hätte mir die Freudentränen in die Augen getrieben, aber man kann nicht alles haben. Vielleicht hören wir dies ja auf der Tour im Oktober?! Ich freue mich drauf.

Schon bevor die Schweden loslegten kamen die ersten Fragen auf, warum der Wind plötzlich so drastisch aus Dixiklo-Richtung wehen würde. Nachdem der Sänger als Eingsangsritual einen Kelch mit einer vorerst undefinierten Flüssigkeit großzügig über die ersten Reihen im Publikum goss, machte es langsam Klick. Richtig! Alle Beteiligten durften sich über mindestens eine Nacht voll bestialischem Gestank freuen, erzeugt durch abgestandenes Schweineblut, meiner Meinung nach aber noch angereichert mit allem, was die Fäkalienpalette so hergibt. Ich konnte mir ein innerliches Lachen nicht verkneifen und dachte nur: Selbst schuld wer sich bereitwillig mit allem bespritzen lässt, was aus Bühnenrichtung kommt. Es kann ja nicht immer schleimhautschonendes Kunstblut - wie zuvor von AZAGHAL verteilt - sein. Die folgenden visuellen und akustischen Eindrücke waren jedenfalls ihr Geld wert. Rotzig, aggressiv und kompromisslos wussten WATAIN ihre schwarze Messe eindrücklich zu untermauern. Ein intensives Konzert bei dem aber für mich eindeutig ein Niveauabfall bei den neuesten Stücken spürbar war.

             

 

 


Inquisition

Ärger, Ernüchterung, Enttäuschung... grobe Umrisse meiner Gefühlslage vor INQUISITION, als der Veranstalter verlauten ließ, dass um 2:00 Uhr Ende Gelände sein müsse, ein Blick auf die Uhr jedoch schon bald 1:15 Uhr anzeigte. Dazu gesellten sich jedoch Vorfreude, Spannung und Gewissheit, als zwei große, heraldisch positionierte Bilder aufgestellt wurden, in weiser Voraussicht, dass bald INQUISITION dazwischen spielen werden! Das Intro der neuen CD ertönt und wenig später schrammelt der unvergleichliche Gitarrensound Dagons los, um den Opener „Ancient Monumental War Hymn“ eben jener Scheibe „Nefarious Dismal Orations“ der tobelten Masse vorzuwerfen. Ordentlich Bewegung kam in die vorderen Reihen, und da ich keine Lust hatte über die heimtückischen Büsche zu stolpern, verzog ich mich nach hinten. Es ist immer wieder erstaunlich wie mächtig diese zwei Personen auf der Bühne wirken. Kein anderer Headliner ist nach INQUISITION vorstellbar! Wie auch?! Das Duo fordert die völlige dämonische Energie des Publikums, die erbarmungslose Hingabe eines jeden und hinterlässt konsequent ein Trümmerfeld. Ihr Set war gut... sehr gut... „Unholy Magic Attack“ führte zurück zum ersten Album, „Baptized In Black Goat Blood“ folgte, dann irgendwann „Empire Of Luciferian Race“ (kein INQUISITION-Gig ohne diesen Hit!!!)... man schloss mit „Nefarious Dismal Orations“. Ein paar kleine Kritikpunkte hätte ich: 1. In meiner Erinnerung knurrte der Gesang Dagons bei vergangenen Ritualen wesentlich stärker und setzt sich richtig fies im Ohr fest. Das vermisste ich hier etwas... 2. Für eine Band, die u.a. vom Okkultismus lebt, reichen rotzig dahingeknurrte Ansagen der Songtitel völlig aus. Ein paar unverständliche, kultige Beschwörungs-Ansagen oder ein „This is the metal capital of the fucking world!“ (Bitterfeld 2001 oder so) und aus, nicht unbedingt wie hier große Dankesreden mit klarer Stimme... 3. Der Auftritt von INQUISITION war jedoch vor allem eines: VIEL ZU KURZ!!! Es braucht eine gewisse Erschöpfung bis sich dieses Gefühl einstellt, dass man sämtliche Energie der Band gegeben hat, diese jene absorbiert und ihrerseits wiedergibt. Es fehlten noch Nummern wie „Crush The Jewish Prophet“ (in Anbetracht, dass WATAIN „On Horns Impaled“ nicht spielten, kommt mir fast der Gedanke, dass das Wort „Jewish“ nirgends auftauchen durfte), „Kill With Hate“ oder „Imperial Hymn For ...“. Wie geil war da das 90 Minuten Ritual von 2004, wie kümmerlich dagegen dieser 40 Minuten Auftritt, weil der Staat meint, um 2 Uhr müsse Schluss sein, und das in diesem fuckin’ Kaff Helenenau, wo sich allerhöchstens ein paar Ponypferde gestört fühlen könnten. Dabei spielten TAAKE 2003 noch bis 4 Uhr morgens in Ahlimbsmühle als dann endgültig Schluss sein musste. Ich witterte staatliche Schikane und schlenderte entsprechend stinkig zum fernöstlichen Streitwagen zurück. Die Frage nach Sinn und Unsinn nichtiger Vorbands, die wahrscheinlich ihr komplettes Set trotz bereits erfahrener Überlänge am Vortag spielen konnten, wenn dafür eine der mächtigsten Black Metal Livebands dieses Planeten wenig mehr als eine verschissene halbe Stunde spielen kann, tut sich indes umso mehr auf! PANYCHIDA, WARHAMMER und WITCHCRAFT je einen Song weniger, dafür WATAIN einen und INQUISITION zwei Songs mehr - basta!

The Unholy INQUISITION! Mittlerweile nun schon recht oft gesehen, aber jedesmal bin ich aufs Neue erfreut dieser unglaublichen Wand wahrhaftig entgegen zu treten. Umso ärgerlicher ist es, dass nach nicht mal 45 Minuten das Konzert erneut wie am Vortag abgebrochen und aus dem Headlinerauftritt dadurch fast ein kurzer Gastauftritt wurde. Normalerweise ist man von der Band doppelt so viel Spielzeit gewohnt. Was noch gespielt werden konnte war viel Material vom neuen Album „Nefarious Dismal Orations" und im Endeffekt fehlten dann die wirklichen Klassiker. Der krönende Festivalabschluss hätte also noch weitaus würdiger ablaufen können. Schade!

             

     

 

Fazit:

Trotz einer Kette von De-ja-vus gelang ein Festival mit eigenem Charakter, nicht zuletzt durch den charmanten Ort. Nach einem eher ernüchterndem Freitag, der mit ENDEZZMA zumindest eine sehr überzeugende Überraschung, neben MERRIMACK aber keine weitere außerordentlich gute Vorstellung zu bieten hatte, folgte ein überwältigender Sonnabend, an dem man direkt sein Zelt vor der Bühne aufschlagen hätte können, denn ab AZAGHAL war jede Band Pflichtprogramm. Überschattet wurde das Ganze nicht nur durch übertriebene staatliche Kontrolle, sondern vor allem durch organisatorischen Zeitdruck, der schließlich sogar soweit führte, dass INQUISITION, seit Monaten frenetisch entgegengefiebert, ein unbefriedigend kurzes Set spielten.

Abschließend der angedrohte Ausflug in den politischen Bereich... Ich bin nicht der Propagandaminister des UTBS und möchte nichts beschönigen. Dennoch ging mir die ganze Hetze im Vorfeld ziemlich auf den Senkel. Natürlich kann nicht verschwiegen werden, dass rechtsradikales Gedankengut mittlerweile im Black Metal höchst präsent ist. Folgerichtig laufen auch auf einem der größten Festivals für diese Kunst in Deutschland entsprechende Gestalten herum. So ist es auch teilweise beim U.M.M. oder PartySan. Dafür trägt aber in keinster Weise der Veranstalter des UTBS die Verantwortung. Die Bandauswahl 2007 bot reinen Black Metal und keine Band kann, wenn man nicht gerade mit der Lupe nach steinalten Verbindungen oder schwammigen Interviewaussagen sucht, ernsthaft als bloße Anschaffung zum Ziehen von „NSBMlern“ betrachtet werden. Wer sind denn diese ach so bösen „Nazi-Bands“? WATAIN? Oder ETERNITY? Es ist wohl nicht allzu abwegig, dass hier musikalische Gründe einer der besten deutschen Livebands und dem Flaggschiff der schwedischen Szene ins Billing verhalfen. Auch wenn die Security teils prollig rüberkam, drehten sie beständig ihre Runden um den Zeltplatz. Hinzu kam eine mehr als klare Ansage des Veranstalters, die auf geteilte Meinungen stieß. Persönlich vernahm ich weder Rechtsrock auf dem Zeltplatz (wir parkten glücklicherweise auch in der Nähe von Menschen mit vernünftigem Geschmack, sodass wir ISENGARD, BURZUM oder Johnny Cash vernahmen) noch Hitlergrüße im Publikum. Dazu muss gesagt werden, dass bei ETERNITY die Sicherheitskräfte ein stetes Auge auf die Meute hatten. Dass diese nicht jedes Bandlogo im Kopf hatten, ist verständlich, jedoch hielt man sicherlich Ausschau nach verbotenen Symbolen. Überdies wären diese ja auch bereits durch die Polizeikontrollen aussortiert worden. Zu guter Letzt: Wie kann man auf den Gedanken kommen, dass das Under The Black Sun umbenannt werden muss? Es ist absurd anzunehmen, dass bereits vor zehn Jahren die Schwarze Sonne gezielt gewählt wurde, um die „politischen Soldaten“ im Black Metal zu locken. Genug gesagt... Zusammenfassung: NS-Einflüsse gibt es, aber dem Veranstalter kann nicht vorgeworfen werden, diese in irgendeiner Weise gefördert zu haben. Ganz im Gegenteil.

Probleme rund um die Organisation des Festivals sind ja eigentlich fast schon Tradition, aber die diesjährigen Steine, die von staatlichen Sorgensämtern in den Weg gelegt wurden, sind ein hartes Stück. Daher gilt Respekt FOLTER RECORDS (bzw. vor allem J.), die es trotzdem noch durchgezogen haben. Kann man nur abwarten, ob es ein nächstes Jahr geben wird. Dieses eigentlich sehr schöne Gelände scheint jedenfalls so oder so von zukünftigen Plänen ausgeschlossen zu sein. UTBS 2007 war durchwachsen: Sowohl die Bands, als auch das Publikum, als auch das Wetter waren nicht immer das gelbe vom Ei. Es lohnt sich dennoch ein Besuch, vor allem aufgrund der teilweise sehr guten Konzerte. Dieses Jahr gehört MERRIMACK die Krone.

Besonderer Dank gilt meiner verehrten Gattin für’s Kutschieren (die es mir hoffentlich nicht übel nimmt, dass ich sie vor WATAIN mehr oder minder radikal und vehement aus dem verdienten Schlaf wecken musste ;) )! Überdies Grüße an Isegrim und das EKNB, Munin / Ostfront, St. / Deviant Rec., Torgelow-Horde, CountBierbauch, „Oberst von H.“, Executor, vargxxxx, Gruna / OAP, Wurzelgeist („Eternal War“ Magazin ;) ) + Vigo + paralyzed und Frau, Nico + Dirk + Andi (Eternity), bli bla blub ...

             

         

Bilder: Torsten; "dem paralyzed seine Frau" (Name entfallen :P ) / © Final War Mag.