UNDER THE BLACK SUN Part IX - Bericht
von Torsten

Zum neunten Mal lädt Folter Records zum „Under The Black Sun“-Festival. Eine respektvolle Zahl, doch selten wurden die kritischen Stimmen so laut wie vor diesem Teil. Ein Grund dafür, warum man in Helenau, wohin das Festival nach drei Jahren Milmersdorf verlegt wurde, in einige altbekannte Gesichter nicht blicken konnte. Dennoch schätze ich die Besucherzahl nicht geringer als in den vergangenen Jahren ein. Der Nachwuchs schläft nicht...

 

Freitag, 14. Juli 2006

Dank guter Wegbeschreibung und noch besserer Orientierungsfähigkeit gelangten wir relativ problemlos ins beschauliche Dörfchen Helenau nahe Bernau. Besser kann man wohl gar nicht „unter sich“ sein als hier. In punkto Abgeschiedenheit lag die neue Location dem hauptstraßennahen Ahlimbsmühle gegenüber klar im Vorteil. Nach kurzer Ortsbekundung können weitere zufrieden stellende Urteile gegeben werden: viel Wald, urige Holzhütten, ordentlicher geländenaher Zeltplatz.

 


Gräfenstein

Mit ihrem „Silence Endless“-Album konnte GRÄFENSTEIN nicht nur einige Zeit in der heimischen Stereo-Anlage rotieren, sondern auch dafür sorgen, dass ich den diesjährigen Opener des U.T.B.S. nicht verpassen wollte. Nach einiger Verspätung wurden die Stimmen im Publikum nach dem Beginn des Festivals lauter. Schließlich fegten GRÄFENSTEIN, ungeschminkt und ohne auffallende Bühnenaccessoires, los! Ob dies anders ausgesehen hätte, wäre noch Zeit zum Schminken etc. gewesen, weiß ich nicht, da dies meine erste Livebegegnung mit dem Trio war. Über die ersten zwei Songs war ich auch relativ froh über diese Entjungferung, denn GRÄFENSTEIN gingen angenehm brutal und wuchtig zu Werke. Jedoch wurde dies mit der Zeit dermaßen langweilig, dass mich nur das exquisite Schlagzeug noch für ein oder zwei weitere Songs vor der Bühne hielt.

 


Darkestrah

Diese ominöse Band, bekannt von Kanwulfs Tape-Label CurseOvSadistic, nahm den langen und beschwerlichen Weg aus Kirgisien (bei Leipzig) auf sich, um das U.T.B.S. mit ihrer Präsenz zu beglücken. Dass sie mir noch von keinem Tonträger bekannt sind, muss ich nach diesem Auftritt auf jeden Fall ändern, denn von Beginn an überzeugten sie durch Abwechselungsreichtum und einer hervorragenden Stimme, die der Antriebsmotor des gesamten Gigs wurde. Ein kleiner Disput mit Vigo über das Geschlecht des geübten Schreihalses sei hier sinngemäß zitiert: „Der Sänger sieht beinahe aus wie Dani Filth.“ - “Das ist aber eine Frau.“ – „Achso... deswegen bestimmt!“. Nachholbedarf besteht bei DARKESTRAH eindeutig hinsichtlich ihrer Bühnenpräsenz. Eine zu zurückhaltende Sängerin, ein gelangweilter Keyboarder (das Keyboard ging klanglich im Übrigen meist ziemlich unter)... Sie sollten sich auch was „Stageacting“ anbelangt nicht unter Wert verkaufen. Nach einer Zwangspause (Saitenriss), die mit einer kleinen Jamsession von Bass und Schlagzeug gefüllt wurde, spielten DARKESTRAH das beste Stück ihres Sets. Zumindest das beste, was ich mitbekommen habe... Wenn sie auf Platte einen adäquaten Sound haben, dann muss dieser Song einfach verflucht mächtig klingen. Live hatte er schon eine mitreißende Melodik, die einen gebannt vor der Bühne fesselte.

           

 


Nebular Mystic

Irgendwie habe ich sie mir anders vorgestellt. Warum auch immer, ich erwartete symphonischen Black Metal mit einer Menge Keyboard. Im Gegensatz dazu gingen es die Norweger aber manchmal durchaus thrashig an und boten headbangfähige Musik. Ich muss aber leider den Ausdruck „durchschnittlich“ verwenden, denn keiner muss trauern NEBULAR MYSTIC verpasst zu haben. Ein Auftritt, der so schnell in Vergessenheit geriet, dass mir gar nicht mehr groß was dazu einfällt...

       

 


Neithan

Eine journalistische Odyssee auf der Suche nach brandheißen Informationen führte mich im Vorfeld zu NEITHAN bis zur Kasse am Eingang. Zunächst stand ich etwas verdutzt vor NEBULAR MYSTIC, die sich in der Anfangsphase ihrer Vorbereitung befanden, und anschließend mehrten sich die Stimmen, die verlauten ließen, dass INFERNAL nicht spielten. Dabei hatte ich mich schon fast damit abgefunden sie verpasst zu haben, denn laut offizieller Running Order hätten sie vor NEBULAR MYSTIC spielen müssen. So macht man sich also auf zum Ordnungspersonal, doch selbst denen war der exakte Name des INFERNAL-Ersatzes entgangen. Es war schließlich kein geringerer als Wurzelgeist, der der „Berliner Lokalband“ für mich einen Namen gab: NEITHAN. Noch nie von gehört, aber besser als gar nichts... Der Zusatz „sind bekannt durch einen Verriss bei Myrrthronth und sollen eine billige SHINING-Kopie“ sein, brachte sogleich Ernüchterung. Da sich die Kolumbianer überhaupt nicht mehr bei Jörg meldeten, bekam diese junge Band kurzfristig diese Auftrittsmöglichkeit. Nach zwei Songs stellte ich dann aber fest, dass sie nichts für mich waren. Zwar blickte die heraufbeschworene SHINING-Anlehnung nur gelegentlich durch, wodurch die Musik also doch recht live-kompatibel wurde, aber ein Festivalpublikum mit (mehr oder minder) hohen Ansprüchen zu fesseln, blieb eine unlösbare Aufgabe. Allerdings kann ich es kaum mit meinem Gewissen in Einklang bringen eine Band, die erst tags zuvor von diesem Auftritt erfuhr und derartig kurzfristig einsprang, und die noch relativ jung und unerfahren ist, unter diesen Umständen mit normalen Maßstäben negativ zu bewerten...

             

 


Besatt

BESATT waren der erste wirkliche Reißer des diesjährigen Festivals. Sie boten Black Metal wie Black Metal zu klingen hat. Schnell, aggressiv, ... und Satan überall! Spätestens mit den allseits bekannten Stücken „Baphomet“ und „Ave Master Lucifer“ hatten das wunderbar sägende Gitarrenbrett und der abwechselnd von beiden Gitarristen dargebotene Gesang die Menge für sich. Die Polen hatten es gar nicht nötig Animier-Damen zu engagieren, die auf der Bühne ihre Möpse wackeln ließen. Wo waren die Ordner um diese Subjekte zu entfernen? BESATT jedenfalls scheinen die Hupfdohlen weder gestört noch interessiert zu haben. Besessen spielten sie ihr Set runter und kamen zum Schluss den Wünschen des Publikums nach einer Zugabe durch ein weiteres Mal „Ave Master Lucifer“ nach.

             
 

 


Kampfar

KAMPFAR war die Band, die am stärksten von der nächtlichen Waldkulisse profitierte. Sänger und Motivationscoach Dolck verwies desöfteren darauf wie schön doch das Szenario wäre, KAMPFAR hier in ihrer „Heimat“, mitten im Wald, erleben zu können. Recht hat der Mann. Ich ging nicht besonders enthusiastisch an den Freitagsheadliner, da ein KAMPFAR-Gig mittlerweile kaum etwas wirklich „exklusives“ mehr ist. Die Norweger spielen einfach zu oft... Aber hier im Berliner Nirgendwo kam dann doch die nötige Gänsehaut auf, wodurch KAMPFAR wieder ein besonderes Erlebnis waren. Das Set bestand mehr als bei meiner letzten Begegnung mit ihnen aus Songs vom neuen Album, das übrigens mit jedem Hördurchlauf besser wird. In Bitterfeld stand mit „Lyktemen“ nur ein kleiner Vorgeschmack auf dem Programm, heute gab es zudem „Ravenheart“ und wie sie alle heißen. Schließlich ließen sich die Vier aber nicht lumpen und präsentierten als Zugabe die beiden Klassiker schlechthin: „Hymne“ und „Norse“!

             
   

 


Necros Christos

Entschuldigt die Wortwahl, aber NECROS CHRISTOS sind einfach eines: verdammt coole Schweine! Bei kommenden N.C. Konzerten werde ich das offizielle Bandoutfit stets mit an Bord nehmen, und den Necromantic Death Metal der düsteren Herren mit Sonnenbrillen und Kapuzenpullis langsam bangend begleiten. Eilig zur Bühne schreitend hörten wir schon aus der Ferne das GOATLORD-Cover „Acid Orgy“ stampfen. Es folgten bekannte NECROS-Livereißer vom „Grave Damnation“-Demo und schließlich auch neue Songs, die Großartiges für das kommende Album versprechen. Einziger Störfaktor während dieses verflucht finstren Gigs war die von BESATT bekannte Tänzerin, die von Mors Dalos Ra jedoch höflich aber bestimmt von der Bühne verwiesen wurde. Als Zugabe hämmerten die Berliner Jungs noch mal ein neues Stück heraus. Lasst uns den Opener-Auftritt vom letzten Jahr vergessen... hier, mitten im Wald, nach Mitternacht, konnten NECROS CHRISTOS ihre wahren dämonischen Kräfte entfalten!

             

 

Samstag, 15. Juli 2006

Unsere kleine Farm, die Zweite ... Nach ausgiebigem Ponystreicheln und einem langen Waldspaziergang, der wider Erwarten doch nicht an einem See endete, sondern zurück zum nahe liegenden Feuerwehrlöschtümpel führte, welcher sich im Übrigen als kreuzgefährliche Angelegenheit herausstellte, konnte das Livegeschehen dann auch irgendwann wieder losgehen... Glücklicherweise blieb ein U.T.B.S. nach vielen Jahren erstmals wieder trocken, wenngleich sich so ein mancher einen erfrischenden Sprühregen gewünscht hätte.

 


Thrudvangar

Für einen kurzen Zeitraum fühlte ich mich wie in einem falschen Film. Und zwar genau für den (zugegebenermaßen kurzen) temporalen Abschnitt, in dessen Mittelpunkt die Band THRUDVANGAR stand. Auf einem „Ragnarök“ oder „Rock For Roots“ Festival wären die Jungs sicher nicht weiter aufgefallen, aber beim Fest unter der schwarzen Sonne wirkten die Pagan Metaller doch arg deplatziert. Zu viel Keyboard, zu viel Trinkhorn, zu viel Runen, zu viel Gute-Laune-Musik ... Nach den Beobachtungen, die vor der Bühne gemacht werden konnten, lässt sich über eine neue, bedrohliche Entwicklung diskutieren: Black Metal zieht immer mehr Rechte an, lockt Pagan Metal jetzt immer mehr Homosexuelle?!

           

 


Walpurgisnacht

Ich musste tatsächlich auf die Bilder warten, bis ich mich wieder an WALPURGISNACHT erinnern konnte. Ja, genau, diese kotbeschmierten Dreckspatzen mit dem dicken Sänger... Ihr „Moerasghesomp“-Demo fand ich schon durchaus durchschnittlich, aber mit der Hoffnung auf Verbesserung schaute ich sie mir dennoch an... für 1 ½ Songs. Die Niederländer waren nichtssagend und überflüssig.

             

 


Hellsaw

Interessanter waren da schon HELLSAW aus Österreich. Die fesselnde Melodik des Trios entwickelte schnell einen Sog, dem man sich nicht entziehen konnte. Gitarrenverliebte Musik mit ordentlich Schmackes. Leider forderte die Spielfreudigkeit auch ziemliche Konzentration. Diese aufzubringen konnte mit der Zeit durchaus ermüdend sein...

             
   

 


Empty

Das spanische Doppel wurde von EMPTY eröffnet. Die iberische Halbinsel ist und bleibt kein Ballungszentrum für überdurchschnittliche Black Metal Bands, was mit EMPTY leider bewiesen wurde. Arg verkrampft wirkte das Ganze auf mich, teilweise mit einer aufgesetzten Theatralik, z.B. bei den klaren Gesangsparts.

         

 


Akerbeltz

AKERBELTZ waren sehenswerter als EMPTY, da ihr dreckiger Black/Thrash einfach live besser funktionierte. Der Sänger in angedeuteter Lemmy-Pose rotzte dazu auch recht ordentlich aus voller Kehle. Vielleicht liegt es daran, dass mir das Material der Spanier weitestgehend unbekannt war, aber ein Höhepunkt war es trotz anständiger Darbietung nicht.

         

 


Skyforger

SKYFORGER hingegen schon eher. Ein berauschendes Liveerlebnis ergoss sich zu später Stunde über eine euphorische Masse. Mit wahnsinniger Spielfreude hingen die langhaarigen, bärtigen Balten, die urgemütlich wirken, an ihren Gitarren und konnten ihre Stimmung auf das Publikum übertragen. Ein weiteres, in seiner Aufgabe weniger definiertes Mitglied schöpfte aus einem nicht versiegenden Repertoire an alten Instrumenten, Flöten, etc. . Netter Anblick wie jemand am Dudelsack klebt und dabei in feinster Metal-Manier die Haare schüttelt. Großer Abwechselungsreichtum in Instrumentspiel und Gesang (teils mehrstimmig und klar) ließen mich bis zum Ende vor SKYFORGER verweilen.

             
     

 


Archgoat

Nachdem bereits am Freitag nach einem euphorisch mitreißenden Headliner eine wuchtige Satanshorde vor weniger Publikum blasphemisch wütete, waren ARCHGOAT am Samstag ein gern durchlebtes Dejavu. Ich betrachtete die Finnen bereits beim Soundcheck, was insofern ein Fehler war, als dass sich mit jeder weiteren, folgenden Minute Wartezeit mehr und mehr Frustration breit machte. Aber es hatte wohl einen Grund, warum ARCHGOAT so lange auf sich warten ließen: Satan braucht seine Zeit um in drei Finnen zu fahren! ARCHGOAT waren live das ultimative Sprachrohr Luzifers, die Bühne ein Stück Hölle auf Erden. Es war auch kein Wunder, dass das Trio infernale weniger Leute anzog, denn ARCHGOAT verscheuchten die ganzen Runenträger und Neuheiden gepflegt vom Gelände und boten ein Live-Ritual, das nur für die wahren Jünger der Dunkelheit gedacht war! Schön anzusehen wie so manche völlig besessen mitgingen, aber direkt vor der Bühne war es mit dann doch etwas eng, und so zog ich mich etwas zurück. Weise Entscheidung, denn in Wurzelgeist und Vigo fand ich zwei, die genauso euphorisch zu der unbarmherzig tiefen Stimme und dem sehr extremen Black/Death-Sound der Truppe die Köpfe schwingen wollten! Hat Spaß gemacht, Jungs! Bei den genialst urigen und hallenden Ansagen von Angelslayer setze sich in mir irgendwie die Hoffnung fest, bald noch ein VON-Cover zu hören, aber es kam fast noch besser: zum grandiosen Abschluss dieser Schlacht legte er den Bass beiseite und spätenstens das Schlagzeug-Intro verriet, dass es jetzt Zeit für BLASPHEMY war: „Rituaaaaaalll“ ... ich geh kaputt!!! Leider leider gab es keine Zugabe mehr, doch ein paar rührende Dankesworte des Veranstalters. Beinahe hörte ich schon die Zeile „Dies war das letzte UTBS“, aber glücklicherweise kam sie nicht...

             
   

 

Fazit:

Summa summarum lohnte sich der Festivalbesuch allemal. Für einen Hauch von Urlaub sorgte die entspannte Atmosphäre zwischen Ferienlager und "Die Camper". Was die Musik betrifft, so bestätigten sowohl NECROS CHRISTOS, als auch KAMPFAR und ARCHGOAT meine Vorfreude. Auch SKYFORGER waren ein Hingucker auf diesem bandtechnisch durchwachsenen Fest, das auch einige Langweiler aufzubieten hatte.
Was meine Stimmung wiederum etwas schmälerte, war das anwesende Publikum. Muss es denn wirklich sein, dass man auf einem Black Metal Festival mehr Runen und Thors Hammer als Pentagramme und invertierte Kruzifixe sieht?! Und hätte ich die Stunden gezählt, die ich aus Nachbars Autoradio Rechtsrock vernahm, und mit jenen verglichen, die ich an diesem Wochenende an Black Metal konsumierte, so muss ich doch glatt im Nachhinein grübeln auf was für einem Open Air ich war...
Nunja, für all die Störfaktoren können die Veranstalter herzlich wenig. Auf ein neues U.T.B.S. im Jahre 2007!
Gerne auch wieder in Helenau...

             

Dank an Sascha (Executor) für die Bilder sowie Wurzelgeist + Frau für die Kamera!

Bilder: Executor, Raknhiltr, Torsten, Wurzelgeist / © Final War Mag.