UNDER THE BLACK SUN Part VII - Bericht
von Torsten

Ein festes Billing - dieser bescheidene Wunsch blieb dem angehenden U.T.B.S.-Besucher lange Zeit nicht vergönnt. Seit dem ersten Flyer verschwanden Bands wie ACHERON oder GOSPEL OF THE HORNS von der Liste. Der AVENGER-Auftritt war gefährdet und NEGURA BUNGET wurden anscheinend frei wählbar angekündigt oder abgesagt. Hinzu kam eine mehr als peinliche Diskussion um den Nutzen und Schaden des SATANIC WARMASTER-Auftrittes, aber als mich schließlich anderthalb Wochen vor dem mittlerweile siebten Teil des etabliertesten deutschen Black Metal Festivals eine erlösende Nachricht vom Folter-Jörg erreichte, konnte ich mich bis zum Freitag beruhigt mit meiner Vorfreude und dem Abschluss jeglicher Planung beschäftigen. Ein zweitägiges Festival mit einem Bomben-Billing, vielleicht das stärkste seit Jahren, erwartete seine Besucher...

 

Freitag, 9. Juli 2004

Die Hinfahrt führte mich/uns von der Ostsee durch ganz Afrika (höhö) schließlich nach Milmersdorf. Die Abreise fand, bedingt durch ungünstige Arbeitszeiten, ohnehin etwas spät statt, und so erreichten wir gegen 18:30 Uhr, eine halbe Stunde nach dem planmäßigen Beginn des Festivals, den örtlichen Netto-Markt, um die notwendige Verpflegung in Sachen Lebensmittel und Alkohol zu sichern. Dort konnte ich bereits einen flüchtigen Blick auf eine Person werfen, die sich, wie sich später herausstellte, als Satanic Tyrant Werwolf entpuppte.

 


Heydnblut

Da das Aufbauen des Zeltes und ein erstes Mahl nicht allzu viel Zeit verschlangen und sich der Beginn des Festivals anscheinend auch etwas nach hinten verlagerte, konnte ich für drei oder vier Songs der deutschen Band HEYDNBLUT lauschen, denen die undankbare Aufgabe des Openers zuteil wurde. Der Sänger strengte sich sichtlich an, die Thrash- und Pagan-Einwürfe waren nett, aber insgesamt blieb die niedrige Erwartungshaltung an die erste Band erfüllt...

   

 


Fluisterwoud

Abgeschreckt von nicht erwähnenswertem Black Metal und der witzigen Erscheinung des Sängers, und gleichzeitig angelockt von den "verführerischen" Platten-Ständen gewährte ich den Niederländern nur ein paar flüchtige Blicke und ein kurzes Lauschen. Ich kann sie mir wesentlich besser in einem düsteren, verrauchten Club vorstellen. Aber hier: Schnell eins, zwei Bilder gemacht und weg...

           

     

 


Dark Storm

Der erste Höhepunkt des Festivals!
Nachdem die Zahl der bekannten und/oder befreundeten Gesichter, die einen so über den Weg liefen, langsam aber sicher stieg, war ich doch sehr froh den kompletten DARK STORM-Auftritt sehen zu können. Die Tschechen boten satanischen Black Metal vom Feinsten, und das mit einem herausragenden Sound! Die Songauswahl entsprach grob der der letzten Konzerte der Gruppe, sprich ein paar ältere Stücke, z.B. von der Split mit APOLOKIA, und einige neue der bereits ewig angekündigten kommenden Platte. Sie steigerten sich von Minute zu Minute, was beim Publikum auch auf Resonanz stieß. Beim MAYHEM-Cover "Deathcrush" und dem Feuerspucken am Ende hatten DARK STORM die Meute dann komplett für sich gewonnen. Die Band ist live einfach immer wieder eine Wucht! Neben INQUISITION die beste Gruppe des Freitags!

           

             

 


Azaghal

Brutal!
Auch AZAGHAL, die nun endlich ihren ersten und einzigen Auftritt vollziehen konnten, der letztes Jahr noch durch einen Tumor verhindert wurde, sah ich mir komplett an. Eindringlich hämmerten sie bevorzugt neuere Stücke, aber auch "Black Terror Metal" hinunter und enttäuschten keineswegs, auch wenn noch einige Klassiker wünschenswert gewesen wären.

           

             

   

 


Isvind

Erwartungsgemäß schlecht!
ISVIND erkämpften sich im Vorfeld tapfer durch peinliche Konzerte und desolate Leistungen einen verdient schlechten Ruf. So flogen also die ersten Mittelfinger und Plastikflaschen (nagut, eine war's - nicht wahr, Munin?! ;) ). Völlig berechtigt, wie ich finde, denn die Norweger langweilten nicht nur durch neuere Stücke, sondern verstümmelten auch ihre wunderbaren Songs von der "Dark Waters Stir" gekonnt (z.B. "En Gjennomratnet Hytte" oder "As Rane Comes Down"). Dies musste ich aber schon 2003 in Bitterfeld hören, doch im Vergleich dazu saß Goblin nun hinter den Drums versteckt, und zwei tuntige Axtschwinger teilten sich den vorderen Bereich der Bühne. Zu Beginn des Auftrittes befand sich auch ein weibliches Wesen zusammengekümmert auf dem Boden. Technische Probleme mit Isegrims Digicam zwangen mich dazu ihn auf dem Zeltplatz aufzusuchen, und als ich wieder zurückkam, war die Dame verschwunden. Vom Hören/Sagen erfuhr ich, dass diese wohl von der Bühne gezerrt wurde, wer weiß... auf jeden Fall ein dümmlicher "Show-Effekt", der es mir noch penetranter vergegenwärtigt, dass ISVIND nur noch ein jämmerlich unfähiges und infantiles Zerrbild der Atmosphäre eines "Dark Waters Stir" abgeben!

       

 


Inquisition

The Majestic Noise Of Satan!
Ziemlicher Krach... aber genialer, höllischer Krach von einer Gitarre, einem Schlagzeug und diesem kultigen Gesang entschädigten für ISVIND. Sehr geiler Auftritt, der sicherlich ca. 90 Minuten, wenn nicht sogar noch länger, dauerte. Die Amis nahmen dich in ihren Bann ohne loszulassen und der Drang stieg vor lauter Begeisterung alles zu vernichten! Diese okkulte, gänsehaut-erregende Anziehungskraft ihrer Präsenz hat etwas unglaublich Magisches! Von Dagon, der beim "Singen" anscheinend nie den Mund öffnet, und dessen Bühnenverhalten geht eine wahnsinnig dunkle Energie aus. Wie er die Atmosphäre durch das Outro "Hail The Cult" (vom "Into The Infernal..."-Album) zum Schluss fast auf eine hypnotische, einem Ritual gleiche Ebene brachte... mehr Black Metal GEHT NICHT! Die Songs vom neuen Album ("Magnificient Glorification Of Lucifer") bewiesen ihre Bühnentauglichkeit, auch wenn INQUISITION dort noch etwas unsicher waren. Trotzdem, ihr Gig sollte JEDEM gefallen haben! Überragender Headliner!

             

           

         

 

Samstag, 10. Juli 2004

Nachdem Munins Versprechen/Drohung uns um 7 Uhr mit VON aus den Schlafsäcken zu lärmen unerfüllt blieb, kroch ich schließlich gegen 9 Uhr aus dem Zelt. Da war sie wieder, die endlose Zeitspanne vom Morgen des zweiten Tages bis zum erneuten Beginn des Bühnenlebens. Jeder bekämpft diese auf seine eigene Art. Da wäre zum Beispiel eine Unmenge an Klopsen, Würsten, Zigaretten und Pizzastückchen, andererseits natürlich auch Freund Alkohol, der kaum Zweifel daran ließ, dass einige Personen nicht jede Band sehen werden (Gruß an Mathias M. (SATANIC WARMASTER) und Isegrim (IMPALED NAZARENE)!). Als ich gegen 18 Uhr ein weiteres Mal die Stände aufsuchte, überfiel uns ein nicht wirklich überraschender Platzregen, der einen dazu zwang Unterschlupf in jenen Merchandise-Buden zu suchen.

 


Anael

Es lastet ein Fluch auf ANAEL! Zumindest für mich. Da der Auftritt durch den starken Regen nicht in naher Zukunft zu liegen schien, kehrte ich erstmal wieder auf den Zeltplatz zurück. Nach einer Weile strebte ich wieder gen Gelände und stellte fest, dass ANAEL die Bühne bereits wieder verließen und ich somit zum zweiten Male diese Band verpasste (erstmals Ende 2002, als ich zwischen D.N.S. und MORRIGAN etwas "müde" war...). Die Meinungen, die ich im Nachhinein einholte, reichten von "gut" bis "Scheiße". Bezeichnenderweise "durften" beide deutschen Bands am Wochenende die Tage eröffnen.

 


Merrimack

Da stand ich nun plötzlich schon vor MERRIMACK, aber diese konnten auch sogleich meine Aufmerksamkeit wecken. Praller und brutaler Black Metal - Sound! Die manische Bühnentheatralik des Sängers empfand ich teilweise als etwas übertrieben, aber ansonsten gefielen mir die Franzosen durchweg sehr. MERRIMACK überraschte so einige! Prima "Werbung" für die Band...

           

 


Avenger

Mein Zeitgefühl scheint nicht das beste zu sein. Gerade zum letzten Lied schaffte ich es vor die Bühne, deswegen halte ich mich mit einem Urteil zurück. Aber wirklich interessant klangen die live-erfahrenen Tschechen nicht. AVENGER bevorzuge ich auf Platte...

     

 


Negura Bunget

Auf NEGURA BUNGET freute ich mich im Vorfeld sehr, und meiner Meinung nach zählte der Auftritt der ruhigen Rumänen zu den besten des Festivals. Die Gruppe spielte die komplexeste Musik an diesem Wochenende, womit mancher wohl nicht viel anfangen konnte. Trotzdem gefiel mir die geheimnisvolle Atmosphäre, besonders bei den ruhigen Momenten, sehr gut. Sie ließen Black Metal - Klischees erwartungsgemäß aus und schienen eher nachdenkliche, höfliche Menschen zu sein.
Wenn die Keyboarderin mal nichts zu tun hatte, war sie mit Bangen beschäftigt.
Wunderbarer Auftritt, nette Abwechselung!

             

 


Satanic Warmaster

Im Nachhinein genial!
Eines haben die Finnen sicherlich geschafft: Sie stießen viele Leute komplett vor den Kopf und sorgten für Gesprächsstoff! Hauptverantwortlich dafür war ihr äußeres Erscheinungsbild. Für Nicht-Anwesende: STW (Sänger) sorgte mit unerwarteter Leibesfülle für den Spitznamen "Satanic Mopsmaster" (© St.), trägt seine natürlichen Haare jetzt relativ kurz (ebenso LWT), dafür eingeflochtene Haare in den Farben Schwarz-Weiß-Rot, und man wartete vergebens darauf, dass er seine Sehhilfe abnahm. Erinnerte irgendwie an einen dicken, kurz/weit-sichtigen Indianer! Jetzt, da die erste Verwunderung vorbei ist und man etwas grübeln konnte, empfinde ich das, was sich da abspielte, als saugeil! Nicht nur die musikalische Leistung war einwandfrei, mit der teils vollkommen gelangweilten und überraschend in sich gekehrten Darbietung traten SATANIC WARMASTER quasi allen auf den Schlips! Damit pissten sie so viele an, herrlich! Ein großes "Fuck Off" an alle, die nach behämmertem Rumgehopse und großen Sprüchen geiferten! Etwas nervig war die lange Wartezeit und mir wären noch einige Nummern von der "Strength & Honour" lieb gewesen, denn "Raging Winter" oder "Legion Werwolf" kamen schon sehr geil live und sorgten für einen heftigen Moshpit. Gespielt wurden außerdem z.B. "Cursed Emperor", "...Of The Night" gleich zu Beginn und einiges von der "Opferblut". Von offensiven Gesten oder Stücken mit eindeutigen Textpassagen, z.B. "Wolves Of Blood And Iron", "Satans Race" oder "Der schwarze Orden", nahm man merklich Abstand, trotzdem flogen im Publikum gerne gewisse Sonnengrüße.
Bei vielen einstigen Anhängern werden S.W. wohl verschissen haben, bei mir gibt es noch mehr Pluspunkte, nur etwas länger hätten sie gerne spielen können!
Ein Auftritt, mit dem niemand gerecht hätte!

               

             

   

 


Impaled Nazarene

Vernichtend!
Mit VIEL Sound prügelten die fröhlichen Finnen einen Song nach dem anderen runter und konnten sogar mir gefallen, obwohl ich mich mal nicht zu den großen IMPNAZ-Anhängern zähle. Sie waren gewohnt motiviert und gut gelaunt, was ihr Liveset, das Stücke aus der gesamten IMPALED NAZARENE-Geschichte bot ("Condemned To Hell" -> einiges vom "Ugra Karma"-Album -> "Absence Of War Does Not Mean Peace" -> was vom neuesten Streich "All That Your Fear"; usw.), interessant und abwechselungsreich machte. Herr Luttinen überschrie sich desöfteren förmlich bei seinem kranken Gekreische. Während der ersten Zugabe ging ich dann auch schon - das Auto zur nächtlichen Rückfahrt wartete. Ein hektischer, metallischer Abschluss! Leider schaffte ich es nicht rechtzeitig von einer kleinen Erfrischung in die vorderen Reihen zurück, und ich hatte keine Lust mich durchzudrängeln, also sind meine Fotos hier keine sonderlichen Augenweiden...

     

 

Fazit:


Organisation: Die Running Order wurde eingehalten und die zu erwartenden Verspätungen waren im grünen Bereich. Auch die Security nahm ihre Aufgabe dieses Jahr wesentlich ernster. Ohne Durchsuchung kam niemand auf das Gelände.
Gelände: Ahlimbsmühle ist für ein Festival gut geeignet, ich kann in keinster Weise klagen. Aus erster Hand erfuhr ich nun auch, dass das U.T.B.S. auch nächstes Jahr wieder dort stattfinden wird. Stände gab es u.a. von Merciless, Folter, No Colours und irgendeinem Spanier.
Wetter: Heiter bis wolkig. Vereinzelt Regenfälle ... Am Freitag blieb es trocken, doch den Samstag dominierte eine Zeit lang Niederschlag in vielen verschiedenen Flüssig-Formen. Als Entschädigung bot Mutter Natur schöne Wolkenformationen am Firmament.
Publikum: Das U.T.B.S. gehört zu jenen bekannteren Festivals, die für mich von der Besucherzahl noch erträglich sind, so auch an diesem Wochenende. Im Großen und Ganzen war es sehr ruhig und gewaltfrei. Mir kam lediglich zu Ohren, dass wohl der Herr Wolf nach IMPALED NAZARENE noch etwas Ärger machte. Die anwesenden Leute spiegelten das gesamte Spektrum von "unpolitischen" Kutten-Metallern, bösen BMlern (mit riesigen, selbstgebastelten Holz-Kreuzen, hrhr), weiter rechts außen stehenden Personen, die gelegentlich auch mal LANDSER anstimmten, und vereinzelten Grufties ab, wobei überraschend viele Anwesende aus dem Ausland angereist kamen (Schottland, Frankreich,...). War 2003 noch GRAVELANDs "Thousand Swords" dominierend, fiel es dieses Mal wesentlich schwieriger ein "Shirt des Festivals" auszuloten, aber ich denke ABSURD und AD HOMINEM waren gut dabei.
Bands: Auch nach den Absagen blieben genug hochkarätige Gruppen übrig. Pannen wie ISVIND oder FLUISTERWOUD nimmt man für DARK STORM, INQUISITION oder SATANIC WARMASTER gerne in Kauf, denn besagte Bands waren für mich die Highlights und trumpften die schon guten Auftritte von MERRIMACK, AZAGHAL, NEGURA BUNGET und IMPALED NAZARENE. Hinzu kommt, dass AZAGHAL wahrscheinlich keine weiteren Konzerte geben werden, ein SATANIC WARMASTER-Gig z.Z. noch eine Rarität ist und INQUISITION auch schon lange nicht mehr in Deutschland waren! Ich hoffe nächstes Jahr wird das Billing ebenso stark sein, dann ist auch das Final War wieder dabei...

Weitere Berichte:
www.metallkatharsis.de.vu
www.voicesfromthedarkside.de
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Bilder: Asgard, Mannaz, Torsten / © Final War Mag.