United Metal Maniacs Metal Meeting VI – Festivalbericht
von Torsten

Freitag, 09.05.2008 + Samstag, 10.05.2008

Schreck lass nach! Nach einigen Stunden Anfahrt kaum eingetrudelt, sahen wir uns schon mit einer mächtig großen Masse an Metallern konfrontiert, die vom wahrscheinlich besten Underground-Billing eines Festivals in diesem Jahr geködert wurden. Schnell fuhren die Augen über den Platz und erstellten eine innere Checkliste der Veränderungen und Kontinuitäten: Die Personen waren die gleichen, das Gelände auch, jedoch war der Zeltplatz straffer organisiert. Kein Frei-Schnauze-Parken mehr. Die sanitären Einrichtungen verbesserten sich ebenso, denn eine große Waschstation mit Wasserhähnen und Becken wurde zur Verfügung gestellt. Diese war auch bitter nötig, sorgte sie doch immer wieder für gesunde Abkühlung bei den für ein Open Air zwar optimalen aber auch bullig heißen klimatischen Bedingungen an diesem Pfingstwochenende. Und wir haben erst Mai! Nach mehr als nahrhaftem Essen, welches mich wie üblich das ganze Wochenende begleiten sollte und meinen Ernährungsplan für die kommenden Tage zugunsten eines normalisierten Cholesterinspiegels gänzlich auf Obst und Gemüse umzustellen zwingt, mehr als genügend Sonneneinstrahlung und mehr als ausreichend ausgegebener Kohle an den Verkaufsständen fing dann langsam auch das Interesse an gen Bühne zu schweifen.

Kaum am Einlass angelangt und die Running Order überflogen, musste man die ersten schlechten Nachrichten vernehmen. Der Beginn des Festivals verlor deutlich an Reiz, da sowohl DISSIMULATION als auch RAVENCULT unter welchen Umständen auch immer vom Billing gestrichen werden mussten. Ersatz musste also schnell her. Dass in der Eile keine Perlen aufgetrieben werden konnten, ist klar. Den Auftakt machten BLAZING STORM, STORMING BLAST, BLASTING STORM oder STORMBLAST 2005. Ich weiß es nicht mehr so genau, glaube aber, meine Antwortmöglichkeit A und C kommen dem Ganzen sehr nahe. Sie spielten eine solide Mischung aus Death und Black Metal, die handwerklich gut war. An mehr kann ich mich leider nicht mehr erinnern. PURGATORY blieben da besser haften, „Blessed With Flames Of Hate“ sei dank. Selbige Scheibe halte ich nämlich immer noch für ein Vorzeigewerk todesbleierner Old School Brutalität. Außerdem hatte ich gute Konzerterinnerungen, wobei seitdem auch ein halbes Jahrzehnt vergangen ist. Anno 2008 sieht das Ganze optisch und stilistisch etwas anders aus. Zunächst zur Optik: Der Sänger erinnerte mich unfreiwillig an Inspector Clay aus „Plan 9 aus dem Weltall“, vom amüsanten Wippen des Drummers beim Blasten will ich gar nicht sprechen. Musikalisch schlägt der Death Metal PURGATORYs heuer in eine modernere Richtung. Brutal war es, keine Frage, aber zum einen gefiel mir der Gesang nicht wirklich, zum anderen gibt mir die Musik jetzt nicht mehr sonderlich viel. Songs der „Blessed...“ waren auch rar. Nunja, weiß ich wenigstens, bei wem ich auf dem Barther Metal Open Air in diesem Jahr eine Grillpause (da wären wir wieder beim deftigen Essen) machen kann... FATAL EMBRACE waren die zweiten „Notnägel“ am Samstag. Ich weiß noch, dass es ziemlich alte Leute waren, die ziemlich alten Thrash Metal spielten, aber ansonsten sehe ich mich auch hier gezwungen aufgrund von schwerwiegenden Erinnerungslücken mit einem (jedoch wenig wehmütigen) Achselzucken zu kapitulieren.

Es folgten SVARTAHRID aus dem kalten Norwegen. Dem entsprach auch ihre Musik: emotional, eisig und schwarz. Die Musik war gut, jedoch vermochte absolut keine Stimmung aufkommen, schien doch die pralle Sonne erbarmungslos über dem Festivalgelände auf schwitzende Leiber hernieder. Schade. Nun sollten endlich REVENGE auf dem Plan stehen. „Sollten“! Stattdessen bekam man die vorgezogenen TYRANT aus Schweden vorgesetzt. Diese sahen nicht nur komisch aus, sondern fabrizierten auch lediglich aller rudimentärste Thrashkost für die niederen Metal-Instinkte. So eine Grütze. Langweilig! Und der Gesang war auch scheiße...

Endlich, endlich! REVENGE! Argh! Wahnsinn! Die kanadischen „Black Metal Skinheads“ stürmten los als wären sie 24 Jahre im Keller eingesperrt gewesen. Lästermäuler mögen wohl munkeln, ob sie nicht nur einen Song einige Male hintereinander spielten, aber dem war nicht so. Ross Bay Cult herrschte in Friedersdorf! Vergleichbar mit BLACK WITCHERY im vergangenen Jahr tobte ein Moshpit vorwiegend glatzköpfiger Gestalten im vorderen Bühnenbereich, sich schubsend, stoßend und anschreiend. Das Ganze spielte sich zu einem Inferno ab, das neben alten Stücken wie „Altar Of Triumph“ auch neue Kracher der aktuellen Scheibe (z.B. „Blood Noose (Hog-Tied Like Swine)“) aufbot. Erstklassige Songauswahl! Genial gelang der Abschluss mit der Dublette aus den apokalyptischen Hymnen „Blood Of My Blood“ und „Genocide Conquest“! „Conquest!!! Genocide!!!“... Hammer!

Da ja getauscht wurde, musste Pete Helmkamp nun eine Doppelschicht schieben, denn ANGELCORPSE waren an der Reihe. Im Prinzip war es das gleiche wie REVENGE: drei Personen, vorne zwei mit wenig Haaren, einer davon heißt Helmkamp und rotzt übelst ins Mikro. Eigentlich war nur das Schlagzeug einen Tick langsamer. Insgesamt waren auch ANGELCORPSE gut, aber der Sound konnte plötzlich irgendwie nicht mehr gefallen, sodass sogar Reißer wie „Sons Of Vengeance“ in mir keine Begeisterung hervorrufen konnten. Anfangs war das Publikum in seiner Quantität auch mächtig klein geraten, aber das änderte sich, je dunkler es wurde und je näher dann auch der Headliner des Abends, NIFELHEIM, rückte.

Letztgenannte ließen dann jedoch deine Weile auf sich warten, hatten die Heerscharen von Roadies doch ihre Problemchen mit der lieben Technik. Dann jedoch konnte es unter frenetischen „Nifelheim!“-Rufen losgehen ... und wie! „Infernal Flame Of Destruction“ ließ die Meute ausflippen. Dies war nur eines der Stücke des neuen Albums „Envoy Of Lucifer“, welches dann z.B. auch noch mit „Storm Of The Reaper“ und dem Titeltrack vertreten war. Klanglich hätte es sicher besser sein können, aber das änderte nichts daran, dass hier eine Aura und Euphorie die semi-legendären Schweden umrahmte, die an diesem Wochenende nicht mehr erreicht werden konnte. Die Zwillinge Gustavsson spielten sich dabei gekonnt in den Vordergrund. Mehr Nieten geht wohl nicht! Allen voran der fette WWF-Championship-Pentagram-Belt. Ein wahnsinnig kultiger und lässiger Auftritt, bei dem „Black Evil“ (gleich als zweites Stück), „The Final Slaughter“, „Satanic Sacrifice“ oder „Unholy Death“ natürlich nicht fehlen durften.

Nach den guten Erfahrungen mit RAM oder BULLET durften in diesem Jahr natürlich auch die süffigen Rausschmeißer nicht fehlen. ENFORCER hießen die ersten. Erstaunlich jung sahen die Schweden aus, beinahe wie eine Schülergruppe könnte man meinen. Ihre Mucke war dafür umso altbackener. Heavy Metal mit mächtig hohem Gesang, was sich evtl. nach dem Stimmbruch ändern wird?! Nunja, wollen wir nicht gemein werden, es war cooles Zeug mit Hingabe und genau das Richtige, um den Abend ausklingen zu lassen. Der war übrigens noch gar nicht richtig angebrochen, denn war man es eigentlich gewohnt, kurz vor Tagesanbruch total übermüdet in sein Zelt zu stapfen und schon zwischen den letzten drei Bands regelmäßig über gespannte Zeltseile zu stolpern, zeigte dir nun ein Blick auf die Uhr, dass die Running Order sehr genau eingehalten wurde. Was tun mit der Zeit?!

           

     

 

Sonntag, 11.05.2008

Kommen wir zu Tag 2 und halten uns nicht lange mit irgendwelchen Zeltplatzgeschichten auf. Wer wann, wie und wo seine Zeit rumbrachte geht euch erstens überhaupt nichts an, zweitens interessiert das hier ebenso wenig wie die Frage, wohin man bloß sieben ungewollte Kinder schaffen könnte, wie man ein Haus mit vielen kleinen Katzen nennt (Mietshaus!) oder was es mit der sicherlich erzählenswerten Konfrontation mit Feinrippunterwäsche und Stofftaschentüchern auf sich hat. Aber die Zeit nach 15 Uhr soll uns interessieren, denn immerhin „sind es die Ereignisse in der Zukunft, die unser zukünftiges Leben beeinflussen“ (Filmzitate-Quiz!). „And now I bring to you the whole story of what happened on that faithful day...“ (noch mal!).

FLESH MADE SIN aus den Niederlanden waren der pünktlich beginnende Opener. Solider Einstand für den Tag, auch wenn ich Thrash Metal jetzt bald nicht mehr hören konnte. Gut, BARBATOS waren auch Thrash, aber definitiv ein Hingucker. Etwas enttäuschend zwar, dass mit dem ABIGAIL-Sänger nur ein einziges Bandmitglied wirklich nach Japan aussah, aber dieser hatte dafür umso mehr Flöhe in der Unterhose. Das hibbelige Stageacting passte zur Musik, die in erster Linie absolut simpler Thrash Metal war, dessen Nummern zum Glück auch nur max. 2 Minuten dauerten, denn ansonsten wäre es schnell mal langweilig geworden, zumal alles gleich klang (jaja, ich, der REVENGE so lobt, muss meckern...). Nunja, schadet zumindest nicht, die mal gesehen zu haben, und das Gefallen der Musik steigt sicherlich proportional mit dem Alkoholspiegel. Von WITCHMASTER bekam ich leider nur das Ende mit, doch wirkte der Auftritt wesentlich interessanter als ihr UTBS-Abstecher im letzten Jahr, an den ich mich gar nicht mehr erinnern konnte. Mag daran liegen, dass betreffende Band auch WITCHCRAFT hieß und mit dieser gar nichts zu tun hat. Das kommt dabei raus, wenn man seinem eigenen Gedächtnis weniger als dem anderer vertraut. Egal. Das Publikum ging gut mit, was wohl an der Lokalverbundenheit der pogenden Polen-Lümmel lag, und auch die Musik war heftig und hörenswert. Grund für meine Anwesenheit waren aber eher die Folgenden: ARKHON INFAUSTUS, die die Metal Kommand-Tourvertretung komplettieren sollten. Meine Fresse, wahnsinnig brutales Zeug mit viel Abwechselung. Schwer zu beschreiben, aber wer die Platten kennt, wird es sich vorstellen können. Auch ohne irgendwelche Show, mal abgesehen vom etwas unpassenden Gehampel des mittig Postierten, war ihr Auftritt absolut finster. Viel finsterer und kälter als man es sich bei dieser Tageszeit und Temperatur hätte vorstellen können! Besser als jede Dusche und jedes Magnum-Eis (das weiße natürlich!). Eine Folter mit übelstem Gehacke und irrem Drumming, das man gern auf sich genommen hat. Nur etwas kurz war es!

Dann kam CODE. Norweger haben eine seltsame Namenswahl. Ich freue mich jedenfalls schon auf die imaginäre CODE/FURZE Split im fäkalbraunen Splattervinyl, aber Spaß beiseite. Das Material der Band war nicht uninteressant. Es bestand zum einen aus recht avantgardistischen Ansätzen mit viel klarem Gesang aber ohne Keyboard, ein wenig Richtung VED BUENS ENDE, aber lang nicht so gut. Vor allem der Gesang, was schwer vorstellbar ist, da doch (wie ich später erfuhr) der stimmlich durchaus begabte ICS Vortex (ex-DIMMU BORGIR) hier trällert. Das andere waren sehr oldschoolige Songs, die mir etwas besser gefielen. Eine recht seltsame Konstellation also, in etwa vergleichbar mit „Genie und Wahnsinn“ (vielleicht etwas hochgegriffen) oder besser „Hackfleisch halb und halb“. Was gar nicht ging, war das Übermaß an Show-Tralala. Wird sich nach DHG 2007 nun jedes Jahr einer strangulieren oder sich wie eine Wasserleiche anpinseln?! Hinter dem Firlefanz steckte jedoch wenig Belanglosigkeit, sodass der Auftritt durchaus in Ordnung ging und ich mir CODE sicherlich auch mal auf Platte anhören werde.

Die Sonne stand schon etwas niedriger und die tschechische Legende ROOT nun auf der Bühne. Zunächst nur die Musiker, dann plötzlich auch Big Boss, ein alter Zausel in satanischer Priestermontur, zähneknirschend und mit leerem Blick. Schon etwas furchterregend. Ich muss sagen, mir gefielen sie ausgesprochen gut. Schön rockiger „Dark Epic Heavy Metal“ zum Großteil, teilweise ein wenig schwärzer angehaucht. Big Boss zeigte CODE nun auch ausgiebig, wie klarer Gesang zu klingen hat, wobei er sehr variabel vorging. Seine Bewegungen waren äußerst, ja beinahe übertrieben theatralisch und was der Ständer auf der Bühne sollte, weiß ich auch nicht so genau. Ist der Herr mittlerweile senil geworden und vergisst die Texte oder war das ein Showeffekt? Egal. Das „BURZUM-Cover“ durfte natürlich auch nicht fehlen, höhö.

Nachdem der Samstag vorwiegend beinharte Metalkost bot, war am Sonntag wohl das progressive Zeug dran. Es betraten mit SOLSTAFIR nämlich Herren die Bühne, die ein Bekannter sinngemäß treffend als „U2 meets Black Metal“ beschrieb, wohlgemerkt auch unter Berücksichtigung der musischen Darbietung. Mal ehrlich, metrosexuelle Netzhemd-Cowboys mit TULUS-Schweineschwänzchen sieht man nun nicht so oft und das wahrscheinlich aus gutem Grund, aber warum sollten SOLSTAFIR auch „old school“ aussehen, wenn ihre Musik so viel mehr ist. Dank bühnennaher Zeltplatzierung zog ich es also vor, einem Großteil des Gigs ohne optische Belästigung zu lauschen, und siehe da, wirklich gut gemachte Musik, die sich erst langsam irgendwo totlief. Vielleicht eher ein Sound von dem Schlag, dessen Hörer sich besonders intellektuell vorkommen, weil „ihre Musik“ auch ihren Eltern gefallen könnte (?). Aber naja, SOLSTAFIR waren mal was anderes und konnten, insbesondere dank des optimalen Sounds, überzeugen.

ENSLAVED blieb nun die Aufgabe übrig, den Höhepunkt des Festivals zu markieren. Sollte bei deren Bekanntheitsgrad nicht schwer sein, denkt man, doch blieb das Interesse zwar groß, die Stimmung aber meist verhalten, weil sie es nicht schafften, sich dem Rahmen des Festivals anzupassen. So ging es bei „Jotunblod“, „Allfadr Odin“ (geil!) und „Slaget I Skogen Bortenfor“ (als Zugabe) ordentlich ab, den Rest bildete aber Material von „Isa“ oder „Ruun“, die zwar sicherlich interessante Musik war, aber nicht so wirklich ankommen wollte. Es fehlt einfach die Wikingerkostümierung und es fehlten an Songs die Übernummern „Kvasirs Blod“ und „For Lenge Siden“. Besonders letztgenanntes gehört doch einfach rein, verflucht! Als ich dann hörte, dass das Set wohl ziemlich dem des Party.San entsprach, bestätigte dies nur den arg routinierten Anschein, mit dem ENSLAVED an die Sache gingen.

Zu abermals noch nicht allzu später Stunde legten THE BATALLION aus Norwegen dann ein weniger routiniertes Thrash Metal Fest hin. Fetzig! Der Testosteronspiegel lag nun wesentlich höher als noch bei ENFORCER, die zu dieser Stunde wahrscheinlich schon im Bett sein mussten. Und sowieso, THE BATALLION waren cooler und härter. Gefiel mir. Nicht für zu Hause, nicht als Headliner, aber definitiv als Rausschmeißer!

           

   

 

Fazit:

So, das war es dann, das UMM 2008. Ich gratuliere den Veranstaltern zu einem gut organisierten Festival und ca. 1.000 Besuchern, die dies zu würdigen wussten. Es passte alles, angefangen beim endlich mal trockenen Wetter bis zu den grundsätzlich eingehaltenen Spielzeiten, der familiären Atmosphäre und schlussendlich den Dixis, die auch Sonntagabend noch begehbar waren. Es mag vielleicht doch am ausmergelnden Wetter gelegen haben, dass ich irgendwie nicht sonderlich begeisterungsfähig war, obwohl ich es doch seit den ersten Bestätigungen nicht erwarten konnte. Trotzdem noch mal expressis verbis: An den Bands lag es nicht. Da sind besonders die Metal-Kommand-Bands hervorzuheben, mit Ausnahme von ANGELCORPSE, die ich gern noch mal mit besserem Sound und in einer Halle sehen würde. Außerdem NIFELHEIM, die ihre Rolle als Headliner komplett ausfüllten, und CODE, BARBATOS, SVARTAHRID sowie SOLSTAFIR, welche ich alle nicht bereue gesehen zu haben ohne aber restlos begeistert gewesen zu sein. Das Pfingstwochenende 2009 ist also schon jetzt so gut wie verplant. Hoffentlich behält das Festung Open Air aber das jetzige Ausmaß, denn es wäre bedauerlich, wenn es zu einem dieser elenden Riesen-Festivals wird...

 

Bilder: Torsten / © Final War Mag.