United Metal Maniacs Metal Meeting 2007 - Bericht
von Torsten und Wurzelgeist

Wenn es 2007 ein (Black) Metal Festival mit Teilnahmepflicht gibt bzw. gab, dann das U.M.M.! Man muss sich Namen wie ARCHGOAT, BLACK WITCHERY, DENIAL OF GOD oder FORGOTTEN TOMB einmal auf der Zunge zergehen lassen. Dazu ein norwegischer Headliner, der zu der Kategorie legendärer Bands gehört, die auf der „Wenigstens einmal im Leben sehen!“-Liste stehen. Somit stand fest: Kein Weg sollte in diesem Jahr an Friedersdorf und dem Festung Open Air vorbeiführen.

Unser Weg begann in Rostock und irgendwo im Regionalexpress zwischen Rövershagen und Gelbensande musste ich mir dann an den Kopf fassen: Gründliche Planung, jeder erdenklicher Scheiß für 2 Monate Wildnis-Camping dabei, aber die Kamera vergessen! Dies befreite zumindest vom Zwang bei jeder Band in die erste Reihe tingeln zu müssen... und wozu hat man denn Bekannte, die evtl. auch das eine oder andere Foto machen können. Sie werden also eventuell demnächst nachgereicht, ebenso eventuell ein paar Worte von Wurzelgeist!

Circa zwei Stunden Bahn und vier Stunden Autofahrt mit Platzregen und komischer „Spaßmusik“ später, demonstrierten Frau und ich die hohe Kunst des fixen Zeltaufbaus bei Regen und konnten uns gegen 1:30 Uhr erstmal dem wohlverdienten Schlaf zuwenden. Seltsamerweise war das Gelände nicht so arg gefüllt wie im letzten Jahr, was eventuell am Wetter gelegen haben könnte.

 

Samstag, 26. Mai 2007

Ich glaube es war die Hitze, die mich am Vormittag aus dem Bett zwang. Das übliche (als Nicht-Trinker und notorische Spaßbremse minder lustige) Festivalleben begann. Grillen, Rumsitzen, studiumsrelevante Lektüre wälzen (nur kurz, dann hielt man es im Zelt ja nicht mehr aus), Metal-Potporree aus diversen Radios usw. . Stetig das Bemühen sich ob der brennenden Hitze Abkühlung zu verschaffen (ein Sprung in den See wurde indes aufgrund diverser Gerüchte um Fäkalien für nicht zumutbar befunden). Relativ pünktlich sollte es dann losgehen...

In brütender Mittagshitze erreichten wir das Festivalgelände und hatten entgegen meiner Erwartung noch eine große Platzauswahl. Nachdem sich um das Eigenheim und die Nahrungsmittel in flüssiger und fester Form für die nächsten Tage gekümmert wurde, war es schon an der Zeit sich auf den Weg vor die Bühne zu machen, um die 2004 verpassten DELIRIUM TREMENS wenigstens noch teilweise mitzubekommen.

 


Delirium Tremens

Feine Nachrichten wenige Tage zuvor! Die mir unbekannten STEELPREACHER mussten absagen, und die Metalbastarde DELIRIUM TREMENS rückten ins Billing, die mich zumindest mit ihrem „Thrashing Warthogs“-Album erquicken konnten. So sammelten sich auch schon (für einen Opener) viele Headbanger vor der Bühne und berauschten sich am rotzigen, gut gelaunten Thrash Metal der Horde. DELIRIUM TREMENS & ihr Front-Bulle demonstrierten eindrucksvoll, dass Songs wie „Rot In Hell“ schlichtweg für die Bühne geschaffen sind. Leider kein GUNS’N’ROSES-Cover, aber trotzdem fetzig wie Sau.

Bisher hat man ja nur gutes von dieser Thrash-Maschinerie gehört, was sich für mich auch in den letzten 3-4 Songs bestätigte. Sehr solider und animierender Thrash Metal heizte der im Angesicht der Sonne ohnehin schon grillenden, für die Eröffnungsband schon recht großen Hörerschaft noch mehr ein. Die Stimmung war insgesamt aber noch sehr entspannt, was wohl einzig und allein an der Uhrzeit lag.

 


Anael

Zum dritten Mal verpasst. Ach Scheiße... hehe

Hier waren die Erwartungen eher zweigleisig: Einerseits konnte ich mich in den Tiefen meiner Hirnwindungen noch an ein Jahre zurückliegendes gutes Konzert in Berlin erinnern, andererseits war auf dem UTBS-Festival letzten Jahres eher gegenteiliges der Fall. Zumindest war die Neugier groß genug, um mich vor die Bühne zu treiben. Dieser „Occult Black Metal" erinnerte stilbezogen stark an ältere SAMAEL, also recht klaren, thrashig angehauchten Heavy Black Metal. Mich vermochte das zu diesem Zeitpunkt noch nicht in den Bann zu ziehen, aber Negatives gibt es auch nicht zu berichten: Klanglich gut legten ANAEL einen Auftritt ohne Ausfälle hin.

 


Must Missa

Die Estländer konnten mich nicht lange vor der Bühne halten. Im Überangebot an Thrash Metal in diesem Jahr stachen MUST MISSA leider gar nicht hervor, sodass ich auch nicht viel zu berichten weiß. Ich glaube sämtliche Mitglieder des Dreiers leisteten auch gesanglich ihren Beitrag, keiner davon jedoch überaus gut.

Ich erinnere mich an die erste Demoveröffentlichung „Sex beyond the grave", die mich auf, die mir damals noch unbekannten Estländer aufmerksam werden ließ. Da man MUST MISSAs Veröffentlichungen aber nicht gerade nachgeschmissen bekommt, kam es erst 2005 dazu, dass mir wieder etwas zu Ohren kam, damals ihr neuestes Werk „The traget of hate". Was ich da hörte enttäuschte mich dann aber doch ziemlich: Der mir - zumindest in meiner Erinnerung – mitreißende Black Metal hatte sich in langweiligen Standard-Thrash-Metal mit starkem SLAYER-Einschlag transformiert. Live hoffte ich dann dennoch überzeugt zu werden, zumal ich diese Band auch noch nie zu Gesicht bekam. Dem war aber leider nicht so. Wie zu vermuten war gab es SLAYER-Thrash zu hören, der weder viele Ecken noch Kanten bot: Grundsätzlich nichts Schlechtes, aber für mich zu langweilig.

 


Horned Almighty

Etwas enttäuschend fiel für mich die lang erwartete Begegnung mit HORNED ALMIGHTY aus. Die fünf dänischen Glatzköpfe konnten überzeugen, jedoch hätte ein besserer Sound die Black Punk Metal - Livequalitäten des letzten Albums deutlicher hervorheben können. Nichtsdestotrotz zündeten „Arrogance Of The Wicked“ oder „Discipline Of The Almighty“ wunderbar, ältere Songs dagegen weniger, wenn auch „Black Metal Jesus“ durchaus lässig klang. Jenes hörte ich jedoch nur vom Zeltplatz aus, da ich nach meinem Favouriten „The Devil’s Music“, der jedoch ziemlich verkackt wurde (Solo ging völlig unter und einmal fiel wohl eine Gitarre aus), das Gelände erstmal wieder verließ,...

Da das Billing keine größeren Pausen erlaubte musste HORNED ALMIGHTYs Spielzeit dann für eine Grillpause herhalten, um den Hunger zu stillen.

 


Adorior

... um ADORIOR schließlich zu verpassen.

Ich muss zugeben ADORIOR waren mir vor dem Festival völlig unbekannt, aber dieses Konzert ließ mich dann die vielen Stimmen bestätigen, die der Meinung waren ich hätte damit etwas verpasst. Druckvoller und sehr abwechslungsreicher Death / Black Metal wurde angemessen zelebriert. Hervorzuheben ist vor allem das weibliche Organ, das einem männlichen in Nichts nachstand. Die zunehmende Enge vor der Bühne zeigte auch, dass viele Anhänger anwesend waren, die ebenfalls ihren Spaß hatten.

 


Black Witchery

Toilettenspülung? Staubsauger? Fön? Mir fällt spontan kein Haushaltsgerät ein, das BLACK WITCHERYs Livesound adäquat beschreibt. Egal, mächtig gewaltig bolzten die Amis von der ersten bis zur letzten Sekunde gnadenlos alles zusammen! Noch basslastiger und mit tieferer Stimme als auf den Alben dröhnten Killertracks wie „Command Of The Iron Baphomet“ (Geil!), „Desecration Of The Holy Kingdom“, „Blood Oath“ und wie sie nicht alle heißen hernieder. Ein kurzer Blick in die Augen der Mitglieder machte sofort klar, welch Überzeugungstäter hier vor uns standen. Vom ersten Song an formierte sich vor uns auch ein heftiger Pogo, hauptsächlich aus Italienern und Polen; die bedrückende Enge machte Headbangen zudem schwierig. Ich weiß nicht ob der Würfel entschied, aber wie ARCHGOAT vor einem Jahr waren es diesmal BLACK WITCHERY, die mit „Ritual“ von BLASPHEMY abschlossen. Neben einem dreifachen „Geil!“ bleiben nur geringe Kritikpunkte. Nein, nicht die Monotonie oder die simplen Griffe; das gehört einfach dazu, aber: Erstens, BLACK WITCHERY bei Sonnenlicht passt einfach nicht. Zweitens, eine zweite, tiefe Stimme wäre teils als Ergänzung zu Impuraths Gegröhle sicher gut gekommen. Wie auf den Alben halt...

Die Sonne schien und schien… und man konnte sagen „endlich", oder auch „leider" war es Zeit für die Amerikaner, die endlich mal wieder deutschen Boden unsicher machten. Wie zu erwarten ließen die in Kutten und Patronengürte gehüllten Gestalten von Anfang an exzessiv ihr brachiales Material auf die Meute ohne Kompromisse niederschmettern, was ab diesem Zeitpunkt für mich nur noch in kreisenden Bewegungen zu beobachten war. Da bleibt mir nichts als mich Torsten anzuschließen: Geil! Getrübt wurde dieser Auftritt aber dennoch etwas durch die geringe Lautstärke (gut abgemischt aber viel zu leise) und das Ambiente, welches uhrzeitbedingt hell erleuchtet war.

 


Denial Of God

War noch eine Steigerung möglich? ... Ja, aber zunächst wurde DENIAL OF GODs Plänen ein Stein in den Weg gelegt. Ein finsteres Intro, die Band setzt an... KNALL! ... Die wahrscheinlich aus Showgründen eingebaute Explosion legte dummerweise die komplette Technik lahm und war dafür verantwortlich, dass zum einen die Band, samt Capes und Zylinder, plötzlich dumm dastand, zum anderen Rufe wie „Ich verklag euch!“ zu vernehmen waren. Nach kurzer Pause legten die Dänen dann mit dem Knaller „The Curse Of The Witch“ von der aktuellen und ersten LP „The Horrors Of Satan“ mächtig los. Wer D.O.G. nicht kennt, wird die Bühnenausstattung mit Kindersärgen, Kerzen oder Puppen recht eigentümlich klischeebeladen gefunden haben, aber dem ist eh nicht zu helfen. Fakt ist, auch live präsentierten sie erhaben eine Atmosphäre aus alten Horrorschinken und finsterstem, dennoch technisch wunderbarem Black Metal, der so an diesem Tag, wahrscheinlich auch am ganzen Wochenende, nicht mehr zu toppen war. Für das Auge wurden weitere Schmankerl geboten, z.B. das Rezitieren aus einem alten Buch bei "The Book Of Ouifael", welches dann wie von Geisterhand in Flammen aufging. Gänsehaut lag in der Luft, die Klassiker wie „Dethrone The Son Of God“ oder „Robbing The Grave Of The Priest“ nur so in die Venen übergehen ließ, besonders aber auch bei den stillen, geflüsterten Momenten zur Entfaltung kam.

Da mir nach BLACK WITCHERY nach einer längeren Pause zumute war, konnte ich DENIAL OF GOD nur noch teilweise verfolgen. Was mir vor allem ins Auge stach war die eher ungewöhnliche Kostümierung, die Black Metal mit den 20er Jahren zu verbinden schien. Wie dem auch sei: Musikalisch war es durchaus sehr passabel und ließ beim geneigten DENIAL OF GOD Hörer sicher kein Auge trocken. Für mich war an diesem Abend der Zenit mit BLACK WICTHERY aber schon erreicht worden und alles was folgte nahm ich mehr oder weniger als Absacker wahr.

 


Forgotten Tomb

Eigentlich drängte mich nicht viel dazu, diese Band zu sehen. Schließlich hatten sie mich vor gut drei Jahren in der Festung herbe enttäuscht und gelangweilt. Irgendwie überredete ich mich dennoch dazu, ihnen eine Chance zu geben. FORGOTTEN TOMB waren dann die Band mit dem größten Frauen-Faktor im Publikum und boten eben auch jenen „professionellen“ Avantgarde Black Metal mit viel Melodik und Emotion. Es war definitiv besser als damals auf der Tour mit AETERNUS usw., aber nach wie vor komme ich mit der Band live nicht klar: auf Platte reißen sie mich gekonnt total hinunter, beim Konzert sehe ich nun „Come on!“-Schreie und bangendes Publikum, das enthusiastisch die Arme in die Luft reißt. Dieser Kontrast ist mir einfach zu krass. Dennoch verfügten FORGOTTEN TOMB zumindest über den besten Sound der Abends, und musikalisch war sowieso alles einwandfrei. Nicht zu vergessen das abschließende „Disheartenment“, das noch mal richtig F.T.-Feeling aufkommen ließ, das bei den neueren Stücken (mit teils klarem Gesang) manchmal fehlte.

Auch hier wurden bei mir Erinnerungen an ein zurückliegendes Berlinkonzert wach, welches FORGOTTEN TOMB vor einer handvoll Leute sehr gut absolvierten. Ich persönlich kann von Platte mit der Band nicht so sehr viel anfangen, erwartete dennoch mit Interesse den Auftritt. Der Himmel war inzwischen schwarz und das Bühnenlicht konnte gut wirken. Begonnen wurde gleich mit neuen Stücken, welche in mir eine Mischung aus „Klingt ganz gut" und „Ist mir zu Avantgarde" hervorriefen. Vor allem fielen mir permanente Gesangslagenwechsel zwischen Kreisch- und Klargesang negativ auf, die keine emotionale Konstanz finden ließen, ganz zu schweigen von den Animationsversuchen (ich werde es nie verstehen). Das ist eigentlich auch schon der Hauptkritikpunkt: Die Band war emotional nicht in ihren eigenen Stücken gefangen, was sich durch den teilweise krassen Kontrast innerhalb der Musik, sowie zwischen Musik und Show bzw. agieren der Bandmitglieder zeigte. Bestes Beispiel hierfür: Angebliche Suizidalität, wie in den Songs des „Springtime Depression"-Albums widergespiegelt, verträgt sich live einfach nicht mit Einschüben wie „Hey! Hey! Hey! Come on!" und offensichtlicher Spielfreude. Musikalisch wurde jedoch professionell gespielt und insgesamt stellte die Musik einen angenehmen Kontrast zum brachialeren Programm des restlichen Abends dar. Das stark in weibliche Richtung verschobene Mann-Frau-Verhältnis nahm ich ebenfalls mit einem Lächeln wahr.

 


Lord Belial

Um ehrlich zu sein ein ziemlich langweiliger Headliner. Schon nach einem Song merkte ich, dass dieser technischer Schweden-Metal nichts für mich ist. Da meine Frage, ob das denn den gesamten Auftritt über so bliebe, bejaht wurde, zog ich das Zelt vor...

Mein Urteilsvermögen war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr vorhanden.

 

Sonntag, 27. Mai 2007

Der Sonntag begann mit einem Ausflug zur nahegelegenen Tankstelle, um sich mit Brötchen und Bananenmilch für ein gemütliches Frühstück einzudecken. Da werden sich die Betreiber dieser „Go market“ (oder wie sie hieß) Tankstelle wohl jedes Jahr die Hände wegen des regen Kauftriebes der Metal-Meute reiben. Etwas angenehmer gestaltete sich dann das Wetter am Sonntag, da immerhin hin und wieder eine Wolke oder ein Lüftchen für Abkühlung sorgen konnten. Da meine Suche nach der „The Horrors Of Satan“-DLP ebenfalls endlich Früchte trug, war die Laune gerettet und erwartungsvoll blickte ich auf die Uhr, denn bald sollte es auch wieder Livemusik geben.

Nach einer halben Nacht im Partyzelt und einer handvoll Schlaf begann mein Morgen eher schleppend, was nach einer Einkaufsrunde an den diversen Plattenständen, 2 Kaffee und dem ersten Bier allerdings langsam wieder in die Gänge kam. Im Gegensatz zu Torstens Tortur spielte unser Camp eher die eigene Musik und konnte dadurch auch nicht durch seltene musikalische Differenzen aus den Nachbarsboxen erschüttert werden.

 


Stigmatized

Als ich mich irgendwann gegen 14:30 Uhr auf das naheliegende Feld begab, um etwas Wasser zu lassen, hörte ich von der Bühne Musik, die ganz nach Thrash Metal klang. Daran war zuvor übrigens gar nicht zu denken, da uns die Nachbarn unentwegt mit 80er-Jahre Eunuchen-Metal und Rock sowie diversen Stücken aus Zeichentrickfilmen malträtierten, was zur Schonung der Autobatterie nur zeitweise mit VON, REVENGE oder BLASPHEMY beantwortet wurde. Gegen 15:00 Uhr stand ich dann vor der Bühne, um die letzten paar Takte von STIGMATIZED mitzubekommen, die seltsamerweise viel zu früh vor nicht unbedingt großer Kulisse aufspielten. Nichtmal den Sänger konnte ich noch wirklich vernehmen, deshalb soll eine Bewertung hier ausfallen.

Guter Stimmung und durch angeregte Gespräche über Körperausscheidungen, Essen, Musik und gewisse Zuhausegebliebene verpasste man dann an den Campingstuhl gefesselt guten Gewissens die erste Band.

 


Victimizer

Von VICTIMIZER bekam ich mehr mit, wenn auch nicht viel im Gedächtnis blieb. War ganz erfrischender, und wenn ich mich recht entsinne auch technisch guter Metal-Kram, den ich im Nachhinein wohl gern auch länger beobachtet hätte.

Ich glaube VICTIMIZER nicht gesehen zu haben…

 


Razor Of Occam

Hm, da muss ich mit den Schultern zucken... Viel kann es nicht gewesen sein, was ich von RAZOR OF OCCAM sah, wollte ich doch nur rechtzeitig zu PENTACLE wieder vor der Bühne sein. Langsam ging mir der ganze Thrash Metal aber irgendwie auf die Nerven...

Warum auch immer hatte ich eher eine negative Erinnerung an die sympathischen Australier, die sich dann aber nicht bestätigen sollte. RAZOR OF OCCAM spielten frischen Thrash-Black, der für mich einen sehr guten Einstieg in den Tag darstellte.

 


Pentacle

Die großzügig gezogenen Pläne wurden zugunsten einer Grillrunde dann doch über Bord geworfen. Im Nachhinein schade, sagt man der Band doch gehobene Qualitäten nach.

Ein weiteres Highlight des Festivals wartete. Mit Old School Death Metal vom Feinsten hoben PENTACLE das Niveau stark an und überzeugten mit Klassikern wohl so gut wie jeden Anwesenden. Das Publikum war zwar großteils noch recht übersichtlich und undynamisch, was dem sehr guten Konzert aber keinen Abbruch tat.

 


Skyforger

Der Frauen-Faktor stieg mit gemütlichen Letten wieder erheblich. Diese passten sich dem Festival an und hielten sich pagan-technisch deutlich zurück. Nicht nur das Logo wurde auf dem Banner abgewandelt, man ließ sogar Flöte, Dudelsack und den ganzen Krims im Baltikum, und konzentrierte sich auf das Wesentliche, wodurch dies der metallischste Auftritt SKYFORGERs wurde, dem ich bislang beiwohnte. Auf mich machten sie jedoch einen etwas gelangweilten Anschein. Vielleicht fehlten noch ein paar Biere, damit es weniger routiniert und mehr spielfreudig gewirkt hätte. Was definitiv passte, war der aufkommende Sturm, der der Stimmung sehr zugute kam. Ansonsten ein passabler Auftritt mit abschließendem MANOWAR-Cover.

Diese (zugegeben sympathische) Band mit dem gebrochenen Englisch ist mittlerweile so omnipräsent, dass ich ohne Gewissensbisse das Konzert nur sehr unaufmerksam verfolgte.

 


Archgoat

Wie schon beim U.T.B.S. 2006 hieß es nach SKYFORGER: AAAARCHGOAT!!! Uargh, monströs! Da gibt es eigentlich nicht viel zu zu sagen. Arschfinster gab es mit den übelsten Nummer der „Whore Of Bethlehem“ heftig auf die Nuss dass der Boden nur so bebte. Da war die Pogo-Horde wieder in ihrem Element und zeigte, dass diese Art des Ausdruckstanzes zu einem solch brutalen Inferno weniger unpassend ist als gedacht. Einen Nachteil hatte die Angelegenheit im Vergleich zum letzten Jahr: Warum bloß im Hellen?!? Wenigstens entpuppte sich der Wettergott als Black Metaller und überschüttete uns nicht nur mit Regen. Etwas mehr Abstand zur Bühne war definitiv lohnenswert, denn plötzlich tat sich folgendes Szenario auf: ARCHGOAT tönen auf die regendurchtränkte Masse hernieder, und im Hintergrund blitzt und donnert es aus dunkelgrauen Wolken. Orgastisch!

Ein Wehrmutstropfen für diese frühe Spielzeit: Der Himmel zog sich zu, Winde bahnten sich an und es wurde erfrischend nass. ARCHGOAT walzten auf die Bühne und zogen ihr kompromissloses Geballer ohne Gnade durch und ließen es an nichts fehlen. Jede einzelne Muskelfaser im Nacken schien zu reißen, aber ich merkte es nichteinmal. Pure tiefschwarze Energie breitete sich aus und ließ wiederholt keinen Zweifel, dass es ernsthafter und druckvoller kaum geht. Das erhabene, priesterähnliche Bild, welches die Finnen dazu zelebrieren, tut sein weiteres. Ich verneige mich zutiefst!
Einen Tick lauter hätte es sein können.

 


Unpure

Dennoch hätte man ruhig UNPURE und ARCHGOAT positionstechnisch tauschen können. Schließlich konnten die Schweden nicht viel mehr bieten als passablen Thrash/Black Metal, der nach 10 Minuten aber schon überaus langweilig wurde.

Nichts was einen LineUp-Platz nach ARCHGOAT rechtfertigen würde.

 


DHG

Nun erklärte sich wohl auch der frühzeitige Beginn des (dem Samstag bandtechnisch unterlegenen) Festival-Sonntags. Nach etwas Soundcheck und misslungenen Versuchen, das übergroße Band-Transparent anzubringen, brauchten DHG dann ewig für ihre Schminke und Anprobe, bis schließlich der komplette Sechser auf der Bühne stand. Allen voran der seltsam drapierte Sänger, doch allgemein war es optisch weniger schlimm als erwartet (meine Vermutungen reichten von blau-gelbem Make-Up bis zu Lackröcken), sieht man von seinen merkwürdigen Tanzeinlagen ab. Aber auf Äußerlichkeiten soll es nicht ankommen. Fakt ist: DHG waren scheiße. Aber ein paar tolle „Cover“ spielten sie, v.a. von DODHEIMSGARD. Wahnsinnig lässig der Beginn, bei dem sie einem sofort (entgegen allen Erwartungen) ein Killerstück der „Monumental Possession“ entgegenschleuderten. Später erzeugten noch der Titeltrack selbigen Albums, zwei Stücke der „Kronet Til Konge“ und eines der „Satanic Art“ dieses Gefühl von „Dass ich das noch erleben darf“. Es war also eine stete Achterbahnfahrt, bei der die neuen Stücke die Tiefen darstellten. Da konnte man sich höchstens noch am Instrumentenspiel (Drummer!) erfreuen, ansonsten blieben wir mit unseren Buh-Schreien für teils KORN-hafte Rotze auch nicht allein. Den Rausschmeißer „Unholy Black Metal“ (ähem, ja, DARKTHRONE-Cover) bekam ich nur noch vom Zeltplatz aus mit. Zu meiner Belustigung ergötzte sich eine Person seltsamerweise an seiner Vermutung „Boah, die spielen gerade NARGAROTH“. Allein die Vorstellung... ohje.
Unterm Strich bleibt ein deutlich positiveres Resümee als gedacht. Immerhin fast die Hälfte des Sets nahmen alte Nummern ein, die zwar anders, aber definitiv noch sehr anständig klangen.

…ließen auf sich warten. Nach einem Soundcheck konnte man aber schon erahnen, dass man es hier mit technisch versierten Musikern zu tun hatte. Das bestätigte sich dann letztendlich auch. Unglaublich dicht und professionell spielten DHG ein Konzert, welches sowohl Klassiker, als auch neuere (und umstrittene) Stücke darbot und stellenweise durchaus zu gefallen wusste. Scheiße war es nicht, im Gegenteil, wie ich fand, aber emotional erreicht hat es mich auch kein Stück. Insofern war es ein guter, interessanter Headliner, der sich vom Einheitsbrei (nicht nur optisch) abhob und den ich froh bin gesehen zu haben; aber meine persönliche Offenbarung war es nicht. „Unholy Black Metal" als Cover-Zugabe klang interessant, hatte aber nichts mit der Intensität des Originals gemein.

 


Bullet

BULLET wollte ich mir interessehalber eigentlich noch ansehen, die Müdigkeit hielt mich jedoch im Zelt gefangen. Ihnen gebührt jedoch ohne Zweifel der Preis für den genialsten Bandbus!

Nachdem der Haupteingang schon gesperrt wurde und alles sich ziemlich in die Länge zog, sah alles danach aus, dass BULLET ausgefallen sind. Schon revuepassierend unter dem Pavillion sitzend erklang dann doch plötzlich noch Heavy Metal von weit her. Noch nicht satt vom Festival blieb es also nicht aus sich noch mal vor die Bühne zu bewegen. Und es war eine gute Entscheidung: Vor einer Verstärkerwand spielte eine Band - die original aus den 80ern hätte entsprungen sein können - Old School Metal / Hard Rock (mit Songs wie „Leather Love" und „Heading For The Top") und legte eine Show hin, die zu diesem Zeitpunkt nicht unterhaltsamer hätte sein können. Ein enorm kultiger und passender Ausklang für ein geniales Metalfestival.

 

Fazit:

Organisation & Gelände: Da gibt es nichts zu meckern. Am Samstag alles halbwegs pünktlich, am Sonntag sogar jede Band frühzeitig. Im Übrigen machte sich die Engagierung einer professionellen Security in klügerer Aufteilung von Ein- und Ausgang etc. bemerkbar. Die langen Wartezeiten an den Getränkeständen waren etwas nervig, wobei es mit den Coupons doch eigentlich zügiger gehen müsste.
Wetter: Entweder brühend heiß oder Regen. Ich bin gespannt wie aushaltbar es beim U.T.B.S. im Juli wird. Ansonsten werde ich mich aktiv gegen die globale Erwärmung einsetzen...
Publikum: Die üblichen Verdächtigen. Endlich mal auch ein „kleineres“ Black Metal Festival, das nicht durch Rechtsrock aus den Autoradios gestört wurde. In Erinnerung bleibt höchstens dieser höchst amüsant schäbige Klospülung-„Deutschland! Juden! Erdgas!“-Krach, der dann auf unsere Initiative aber auch schnell ausgeschalten wurde. Ansonsten kamen die Veranstalter ihren Kontrollen angenehm unpenetrant nach. Ich weiß gar nicht, ob Schmier für seine Runden Kilometergeld bekam. Sehr entspannt setzte man sich dann auch zu uns in den Pavillon, fragte ob irgendwo „rechte Scheiße“ läuft (unserem Hinweis auf den nervigen 80er-Nachbarn kam man indes nicht nach hehe) und erzählte die ein oder andere Anekdote auf unverständlichem Sächsisch. Da ich mir bewusst bin, dass auch diejenigen den Bericht lesen, die mit dem Mikroskop nach jedem Argument gegen Black Metal suchen, schriebe ich Gegensätzliches vielleicht auch nicht hin, wäre dem denn so gewesen (Konjunktiv II beachten!). Es war jedoch alles paletti in dieser Hinsicht. Auch ging man nicht paranoid gegen jedes BURZUM-Shirt vor, sondern nahm die Sache lockerer. Wie man es halt aus Bitterfeld kennt...
Bands: Viele sehr gute Auftritte, kaum Enttäuschungen! Ewig im Gedächtnis verankert werden wohl DENIAL OF GOD und DODHEIMSGARD, sowie (dank des Qualitätszuwachses) FORGOTTEN TOMB und natürlich BLACK WITCHERY und ARCHGOAT, die die Bühne leider schon bei Tageslicht zerlegten, bleiben. Als Vorband machten besonders DELIRIUM TREMENS Laune. Es wird hart dies irgendwann und irgendwie noch zu toppen. Man darf gespannt sein... Beim nächsten U.M.M. werde ich jedenfalls höchstwahrscheinlich wieder zugegen sein. Respekt und Dank an die Veranstalter für dieses wunderbare Wochenende!

Das Bandaufgebot, Atmosphäre, Organisation und Publikum sind kaum zu überbieten und lassen mit Vorfreude ins nächste Jahr blicken. Das Wetter war in Ordnung (kein Dauerregen), der Platz war nicht überlaufen und angenehm übersichtlich und die Lage ist nach wie vor sehr günstig (Tankstelle, See und Bitterfeld in der Nähe). Weder der Sound, noch die Bands boten größere Ausfälle und von Stress ist auch nicht zu berichten. Höhepunkte waren für mich BLACK WITCHERY, PENTACLE und ARCHGOAT.
Wiedermal ein absolut gelungenes und preisgünstiges Fest , das zu den absoluten Höhepunkten zählt und in Sachen METALfestival für mich wohl nicht zu überbieten ist.
Gruß und Dank an alle Beteiligten, sowie Mittrinker und Mittrinkerinnen!

Bilder: - / © Final War Mag.