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Was macht man, wenn man an diesem Wochenende nicht in Finnland sein kann, um die größte Band dieses Planeten zu sehen (und andere Faktoren die Stimmung negativ beeinflussen)? Richtig, sich TOTALSELFHATRED in Berlin angucken. Primärintention: Rauskommen. Ablenken. Unter Leute kommen.
In Rostock wurden frühzeitig die Backline und sämtlicher Pipapo auf den sog. Mietan-Hänger verladen ... resp. lethargisch daneben gestanden als dieses getan wurde. Die Laune sank weiter als ich im S.L.I.A.-Proberaumgewölbe den Flyer von irgendeiner unbekannten Kack-Band namens ANDRARAKH sah, die sich in beleidigender sowie maß- und respektloser Selbstüberschätzung tatsächlich „A Legend Of German Underground" zu betiteln wagt.
Berlin-Tegel, 15:30 Uhr. Die Frisur sitzt und ein Rudel Finnen, übrigens im Besitz des wohl schönsten Gitarrenkoffers der Welt, wird am Flughafen einkassiert.
Da es seine Zeit brauchte, um den Verlust eines Rucksacks am Flughafen zu verifizieren sowie um sich im dritten Stock des K17 am Türmann, der dir ein Ohr abkaute und wohl mangels Menschenkenntnis einen „Halt einfach die Fresse, Arschloch! Es ist wirklich nicht mein Tag.“-Blick nicht deuten konnte, als „zweiter Fahrer“ (pfff) vorbei zu mogeln, waren SILENT LEGES INTER ARMA bereits verpasst. Schade, denn die Band – diesmal nur in Zweierbesetzung – hat eine gute MCD auf Deviant Rec. am Start und was von außen zu hören war, klang nicht verkehrt. Kein S.L.-„wir haben einen so langen Namen, dass den eh jeder abkürzt“-I.A., dafür auf der zweiten Fahrt jede Menge finnischer Szene-Gossip. Auch gut.
Nach kurzer Pause standen TOTALSELFHATRED auf der Bühne. Es war vielleicht 19:45 Uhr. Die insgesamt sechsköpfige Band (1x Schlagzeug, 3x Gitarre, 1x Bass, 1x Keyboard) präsentierte sich bestens eingespielt und sehr konzentriert. Die introvertierte Bühnenpräsenz vermittelte in Zusammenarbeit mit dem überraschenderweise (trotz Komplexität) äußerst differenzierten Sound eine Atmosphäre subtiler Melancholie, die mit der musikalischen Leistung zu einem stimmigen und klischeefreien Gesamtbild verwuchs. Drei Sänger waren beschäftigt, unter denen das gewaltige Organ von Corvus (HORNA) natürlich herausstach. Top. Gespielt wurden unter anderem „Enlightment“ und „Spirituelles Equilibrium“ vom nach wie vor grandiosen Erstling. Das zweite Album ist wohl zu 60 % fertig, und wenn es schon heißt „Ich bin gerade dabei, Sachen, die nicht gut genug sind, rauszuschmeißen.“ kann man eigentlich nur optimistisch sein. Sehr sympathische Band.
HYPOTHERMIA begannen gegen 20:40 Uhr. Die Schweden haben, im Vergleich zum Salzgitter-Auftritt damals, ihr Bühnenauftreten rein optisch schon mal verbessert. Zumindest waren sie nun in Kartoffelsack-Kutten gehüllt statt in Skater-Klamotten aufzutreten und mit kleinen Ritzerchen einen auf Suizid zu machen. Und vor allem: Sie saßen nicht! Nagut, mit Ausnahme des Drummers... Es war dennoch wohl nicht ihr Tag. Wahrscheinlich, weil weder Zeit noch Lust bestand, ihnen in „Hasenheide“ die verlangten Drogen zu besorgen. So spielten sie irgendeinen „chilligen“ (wahrscheinlich improvisierten) Mist drauflos, schienen keinen Anstoß daran zu nehmen, dass jemand aus dem Publikum drei Minuten als Sänger auf der Bühne stand und ins Mikro heulte, und verließen, nachdem es zwischenzeitlich kurz härter wurde und sogar minimal Gesang einsetzte, nach nichtmal 30 Minuten wortlos die Bühne. Das war definitiv das Beste am ganzen Auftritt: Dass man sich diesen Rotz nicht weiter antun musste. Und DAFÜR hat sich nun der Sänger (angeblich!) vor der Tour einen Monat in eine schwedische Berghütte eingeschlossen?!? Was hat er da gemacht? Neue persönliche Masturbier-Rekorde aufgestellt?!
Ich habe auf die Uhr geguckt. 21:06 Uhr war das Konzert vorbei. Also zu einem Zeitpunkt, an dem die meisten Calling For Battle Dinger noch nicht mal mit dem Soundcheck fertig waren. Sperrfrist war aber sowieso 22 Uhr, weil dort noch irgendeine Schwulendisco oder so was stattfinden sollte.
 
 
 
 
 
 
 
Fazit:
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Was für’n Scheißabend, aber wenigstens auf der Rückfahrt wieder gute Musik gehört.
TOTALSELFHATRED sollten für den Rest der Tour Headliner werden, denn diese waren ausgezeichnet. S.L.I.A. verpasst (obwohl sicher gut), LYRINX (warum auch immer) eh ausgefallen, HYPOTHERMIA Müll.
Dafür – ohne einen Finger krumm zu machen – wichtig getan, Kontakte geknüpft und effektive Ausgaben von 4,50 € (2 Cheeseburger, 1 Cola und 1 Baguette) gehabt. Ergo: Alles richtig gemacht.
 
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Bilder: Torsten / © Final War Mag.
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