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Eine Woche nach PROCLAMATION in Ellrich konnte sich T.B. dann angucken, wie ein PROFESSIONELLES Konzert so gemacht wird: Es war „Satans Convention“ in Lengerich, unweit von Osnabrück. Bereits zwei Wochen zuvor waren unsere Karten eingetrudelt, die sogar unsere Namen trugen und wie frisch von Eventim aussahen. Professionell.
Pünktlich um 9 Uhr morgens sollte die Fahrt beginnen. Nicht nur, weil es nun mal kein Katzensprung in den Westen der Republik ist, sondern auch, weil es eines der seltenen Konzerte war, bei denen mich im Prinzip am stärksten die „Vorbands“ interessierten. Ja, es war schon eine seltsame Zusammenstellung, denn bis auf Opener ZONARIA waren das alles Gruppen, die selber große bis sehr große Konzerte headlinen könnten. Soll jetzt aber auch nicht nach einer Beschwerde klingen...
Vor Ort präsentierte sich die Gempt Halle, ein typischer moderner Vorzeige-Eventschauplatz einer Kleinstadt, umzingelt von dunklen Gestalten. Der Altersdurchschnitt lag ungefähr bei 15 und die Zuschauermenge sollte, rein quantitativ, noch eines der größten Probleme des Abends darstellen.
Besagten Opener ZONARIA verpasste ich. Wer kann auch ahnen, dass es zwei Lengerichs im Abstand von 30 km gibt?!?
Es schien also sehr pünktlich losgegangen zu sein. BEHEXEN legten schließlich mit „Let Horror And Chaos Come“ vom aktuellen Album los. Die Finnen zeigten sich finster in Kutten gehüllt von ihrer besten Seite, konnten aber das einfallende Tageslicht damit nicht kompensieren. Dies - und das, ich sage mal, gewöhnungsbedürftige Publikum - verhinderten, dass die passende Atmosphäre aufkam. Da konnten selbst die in die Menge geworfenen toten Ratten nichts ändern, was ich im Übrigen auch nicht unbedingt für einen dringend notwendigen Showeffekt hielt. Ein Vorteil der größtenteils minderjährigen Anwesenden war jedoch, dass man auch etwas weiter hinten noch gut gucken konnte, ohne selbst Basketballer-Maße zu besitzen. Die Songauswahl war in Ordnung, soweit ich mich erinnern kann. „Baphomets Call“ von der „Rituale Satanum“ dürfte dabei gewesen sein, ebenso die Titelnummer der „My Soul For His Glory“ und und und ...
DESASTER sah ich nur zum Bruchteil. Grund: Sicherlich beinahe eine halbe Stunde standen wir in der Schlange, um diese blöden Bändchen zu bekommen, auf denen auch noch „Satans Convention 09“ stand. So ein Quatsch, normale Stempel hätten es auch getan. Ein Drücken und ein Drängeln entstand, die Luft wurde immer dünner und stickiger. Ekelhaft. EIN ganzer Security-Mann mit Migrationshintergrund kümmerte sich um die Vergabe der Sinnlos-Bändchen an die Insassen einer zum Bersten gefüllten Halle. Auch die Personen an der „Bar“ waren hemmungslos überfordert, wobei ich betonen möchte, dass ich dieses Coupon-System sowieso bescheuert finde. Einmal ewig anstehen für die Marken, die sowieso im Nirwana der Hosentaschen verschwinden (ich fand soeben wieder eine), dann ewig anstehen für eine überteuerte Afri Cola im Mini-Becher, der auch noch 1,- € bzw. 2 Coupons kostete. Wenigstens die eine Bar-Schnecke war süß...
Nunja, DESASTER präsentierten sich dann als routinierte Live-Band, die mit Hingabe große Massen begeistern kann. Mein Fall war es nicht, aber Nummern wie „Teutonic Steel“ oder „Hellbangers“ zündeten schon...
Der Gewinner des Abends hieß jedoch HORNA! Einigermaßen gut konnte ich mich postieren, um sie ein letztes Mal zu sehen. Mittlerweile war es auch im Saal finster, mal abgesehen von den Momenten, als irgendein Idiot die komplette Beleuchtung anmachte. Auf der Bühne ging es noch düsterer zu. 15 Jahre auf dem Buckel, aber immer noch leidenschaftlicher Black Metal vom Untergrund, für den Untergrund. Geil! In Anbetracht der riesigen Songfülle, die HORNA besitzt, wäre es vermessen, die Songauswahl zu kritisieren. „Verilehto“, „Kuoleva Lupaus“, „Örkkivuorilta“, „Haudankylmyyden Maille“ ... doch, ich war zufrieden. Mehr als das. Ganz großes Kino, allein der Gesang! Wahnsinn!
Mit BELPHEGOR verband ich schöne Erinnerungen an die Jugend. An Kinderzimmer und „The Last Supper“, das aus ihnen quoll und die Nachbarn terrorisierte. Irgendwie häng ich noch an dieser Band, sodass ich wenig Schlechtes berichten möchte, auch wenn ich es könnte. Die Österreicher haben sich jedoch mittlerweile wohl komplett auf ihr junges Publikum eingestellt und zeigen sich als Nuclear-Blast-Vorzeige-Band mit allem, was dazugehört, inkl. wie blöde das Publikum zu animieren. Die Musik gab einem da nicht mehr viel, ging es doch recht oberflächlich nur darum, möglichst brutal zu sein und die Menge zum Bangen zu bewegen. Ich weiß ja nicht. An Fotos war nun auch nicht mehr zu denken, insofern man keinen Bock hatte, sich durch die Massen zu drängeln. Sei es drum ... Die Songauswahl ging jedoch in Ordnung, wenn man berücksichtigt, dass natürlich sowieso das aktuelle Album im Vordergrund stand... „Bondage Goat Zombie“, „Stigma Diabolicum“, aber auch „Belphegor – Hell’s Ambassador“ oder „Seyn Todt in Schwartz“ von der überraschend erträglichen „Pestapokalypse IV“, „Swarm Of Rats“ und und und ... Keine Spur jedoch von den meisten Kult-Titeln der Vergangenheit! Nicht wirklich unglücklich war ich also, als ihnen während der Zugabe der Saft abgedreht wurde.
FEUERALARM!!! Unter verstörenden Tönen, die ich erst für ein ziemlich geiles BELPHEGOR-Outro hielt, fegte man die Masse aus der Halle, vor der bereits Blaulicht („Blaulicht?“ – „Blaulicht!“) parkte. Wenig später ging es wieder rein. Die kurioseste Begründung für den Trubel, die sich jemand aus den Fingern sog, war „Antifa-Bombendrohung wegen HORNA“... Da wurden direkt Erinnerungen an INQUISITION in Bitterfeld wach.
Also konnten die „Top Of The Pops“ SATYRICON doch relativ pünktlich beginnen. Bemerkenswert: Nur wenige Jahre liegen zwischen der Gründung von SATYRICON und HORNA, aber Welten zwischen den Auftritten beider Bands. Dabei möchte ich es nicht als positiv gewertet wissen, dass die Norweger mehr Leute vor die Bühne ziehen. Könnten HORNA wohl auch, wenn deren Sänger jetzt mit bombenfest gegelten Haaren auf der Bühne rumhampeln würde als sei er einer Calvin Klein Werbung entsprungen. Machen wir es kurz: SATYRICON waren schwul! Die neueren Nummern wie „Now, Diabolical“, „Die By My Hand“ oder „The Wolfpack“ haben weder etwas mit Black Metal zu tun noch gefielen sie mir auch nur andeutungsweise. Ich weiß, das klingt heftig nach „Underground-Keule“, aber so ist es einfach. Die älteren Stücke („Mother North“ und weitere der „Nemesis Divina“) waren zwar geil, wurden aber durch den neuen Sound der Band (Blast, Blast, Blast, Blast,...) sowie durch die bedepperten Anfeuerungsversuche jeglichen Zaubers beraubt. Allem voran das bekloppte Mitsingen der Melodie bei „Mother North“, ohje... Somit kann SATYRICON auf der Liste der Bands, die man immer noch mal sehen wollte, abgehakt werden, ohne aber die Notiz „gerne wieder“ hinzuzufügen. Eine ganz starke Erinnerung an DODHEIMSGARD bzw. DHG auf dem Festung Open Air also.
Auch wenn Satyr mehrfach allen weismachen wollte, dass es schon übermäßig spät war, zeigte die Uhr gerade mal 22:30 Uhr (höchstens). Nun sollte mit AMON AMARTH der Headliner der „Satans Convention“ folgen. Wie bitte?! Genau, versucht bitte, im vorangegangenen Satz den Fehler auszumachen! Irgendwie wollten AMON AMARTH nicht passen. Sei es drum, für den Augenblick mussten halt ein paar Sachen zugunsten des Heidentums vertauscht werden: „Satan“ mit „Odin“, Dreizack mit Methorn und 666 mit 88 ... Hoppla, nein, Letzteres streichen wir. Grund genug also, zum Auto zu gehen, mit der Absicht, den Headliner „zufällig“ zu verpassen und eigentlich nur auf einen Mitfahrer zu warten, der AMON AMARTH tatsächlich sehen wollte. Nach bestimmt 45 Minuten gingen wir noch mal zur Halle, um aber festzustellen, dass die Schweden noch nicht einmal begonnen hatten. Ewig schraubten und werkelten sie am Sound, mit dem Ergebnis, dass alles später ein großer Klumpatsch war. Kann aber auch am Stil der Band gelegen haben. Ich mag diese „Wikinger“, die dennoch den „Gruß des Gehörnten“ übernahmen, nicht. Dafür waren die Animationskünste bereits höchst professionell. Man beachtete alles, was man als Rockband beachten muss: das Publikum in der Landessprache begrüßen, das Bier des Landes loben und so oft es nur geht den Stadtnamen erwähnen! Und natürlich „hey hey hey“ und „come on“.
 
 
 
 
 
Fazit:
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Die „Satans Convention 09“ (laut Bändchen) war also vorbei. Rückblickend bleiben positive wie negative Eindrücke. Gehen wir nach dem Sandwich-Prinzip der Evaluation vor: Zuerst etwas Gutes, und zwar BEHEXEN, die in kleinerem und düstererem Rahmen jedoch eindeutig besser punkten können, sowie HORNA, Über-Band des Abends! Auch DESASTER gingen in Ordnung und BELPHEGOR hätten schlimmer sein können. Der Sandwichbelag darf dann etwas kritischer sein: Die Halle war viel zu überfüllt und sämtliches Personal überfordert, mal abgesehen vom Klo-Putzmann, der rotzfrech fiesen BMlern den Mist vor die Füße kehrte. Die Organisation mit den Bändchen, mit dem Exit-Only-Seitenausgang sowie Entry-Only-Haupteingang und mit den beschissenen Getränkecoupons war sinnlos und lästig. Black Metal als Großereignis mit 1.000 zum Großteil heranwachsenden „Fans“ passt mir also schlichtweg nicht in den Kram. Muss der Abschluss der Kritik dann nicht noch auch wieder etwas Positives beinhalten? Nagut, durch das Live-Erleben einstiger Größen und anderer „Bigbands“ hat man nun wesentlich mehr Argumentationsgrundlage, wenn es darum geht, zu erörtern, warum man Band X und Gruppe Y denn heute so scheiße findet...
 
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Bilder: Torsten / © Final War Mag.
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