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Der Gig in „Nordhausen“ sollte interessanter als der in Berlin werden. Jetzt aber zu den Anführungszeichen: Das Konzert musste in letzter Sekunde von der Sundhausener Festhalle in die Musikantenschänke zu Ilfeld verlegt werden. Angeblicher Grund waren die defekten sanitären Einrichtungen, was aber von niemandem so recht geglaubt wurde. Klos zerstören... wäre ja mal eine kreative Form der Antifa-Intervention. Immerhin können Toiletten nicht zurückhauen. Aber da trauen wir ihnen wohl zu viel Erfindungsreichtum zu.
Die Verlegung kam gar nicht so ungelegen. Gut, Ilfeld ist am Arsch der Welt, aber die „Musikantenschänke“ an sich bot ein sehr gemütliches Ambiente und freundliches sowie aufmerksames Personal. Ich würde sagen: Wie Ellrich, nur ein Stück kleiner und noch familiärer. Definitiv passender als die sehr sterile und große Festhalle.
Anscheinend brauchten die zahlenden Gäste eine Weile, um den Club zu finden. Es waren noch um 20 Uhr ganze 2 (in Worten: zwei) Besucher, wenn man Crew und Bands nicht mitzählt. Unter Zeitdruck stand beim Soundcheck also niemand.
Vor immer noch überschaubarer Kulisse (es sollten 73 Besucher werden) starteten NO EMPATHY ihren zweiten Thüringen-Ausflug kurz nach 21 Uhr. Diesmal ohne den bandeigenen Groupie-Rattenschwanz, aber mit den aus Ellrich bekannten Songs sowie einem guten „Deathcrush“-Cover (inkl. Gastsänger) im Gepäck. Das Intro zum dritten oder vierten Song war merkwürdig: „Eine Information vom Veranstalter: Die Herrentoiletten sind links und die Damentoiletten rechts.“ Nein, Spaß, es war eine der Atmosphäre nicht zuträgliche Durchsage des Clubs. Der frühlingsfrische Duftstein-Fluch der WC-Ente lag erneut über dem Konzert...
Dann THE ONE. Wow! Es hat in Berlin wohl doch am Sound gelegen. In Nordhau... hoppla... Ellr... nee... Ilfeld wurde eine monströse Anlage und endlich auch die heißersehnte Nebelmaschine aufgefahren, sodass Klang und Atmosphäre diesmal finster und apokalyptisch waren. Es war von der Bühnenpräsenz und Stimmung einfach etwas ganz anderes. Und allem voran der Sound... der fette „nur eine Gitarre, aber mindestens so zornig wie bei INQUISITION“-Sound. Herrlich. Das Set war wieder kurz und schmerzvoll. Knappe 25 Minuten bzw. 5 Songs inkl. Intros waren es. Reicht, um in Erinnerung zu bleiben.
Mit ETERNITY nahm der Abend langsam das Antlitz an, das für Gesprächsstoff sorgte. Die Band selber war gut wie eh und je. Nach dem bekannten Intro ging es mit „Horncrowned Emperor“ los ... das theatralische Stageacting, die geballte Authentizität schwarzmetallischer Dunkelheit – ETERNITY sind optisch sowie klanglich immer ein Erlebnis. Apropos Optik: Die wurde auch nicht erheblich gestört als Sänger A. Krieg dann sogar auf der Bühne genüsslich Cuba Libre durch den Strohhalm schlürfte oder lange mit der Dornenkrone zu kämpfen hatte, die nicht nur blutige Spuren hinterließ, sondern sich auch tief ins Haupthaar krallte.
Schließlich wurde doch die Musik zur Nebensache. Ein Phänomen, das sich im Übrigen bei allzu vielen szeneinternen „Sehen und gesehen werden“-Konzerten zeigt... Direkt vor (und zu Beginn sogar teilweise auf) der Bühne brach eine halbe Massenschlägerei aus. Auslöser war der ONDSKAPT-Bassist, der einem Ortsansässigen zuvor grundlos eine auf die Nase gab, was sich insbesondere Thüringer wohl ungern bieten lassen. Das Handgemenge beinhaltete sogar kräftig mitmischende Damen. Herrlich. Es sollte noch Folgen haben...
Nämlich, als ONDSKAPT nach schier endlosem „Umbau“ (Synonym für eine Mischung aus drogenbedingter Lethargie und dem verzweifelten Versuch, den eigenen Banner aufzuhängen) schließlich endlich anfingen. Entweder es bekam niemand mit oder die Schweden wurden gekonnt absichtlich ignoriert, denn auch nach drei Minuten des Spielens und beinahe schon mitleiderregenden Animationsversuchen tat sich eine riesige Kluft zwischen Band und Publikum auf, die sich erst allmählich schloss. Vorwiegend jedoch mit Stänkerern, die effektiver ihren Mittelfinger in Szene setzen wollten. Musikalisch war es wieder alles andere als prickelnd, doch waren die Spuck- und Bierduschen für die Band wahrscheinlich eher eine Reaktion auf die vorangegangenen Ereignisse.
(Kleiner allgemeiner Exkurs hierzu: Leute, wenn ihr eurem Unmut schon Ausdruck verleihen wollt, tut das bitte mit LEEREN Bechern! Die Band mag scheiße sein, aber dafür können die Techniker nichts und so eine Anlage ist verdammt teuer und verträgt Flüssigkeit nicht allzu gut!)
ONDSKAPT antworteten mit Provokationen, Kommentaren und bösen Fingern. Nicht nur das, der Bassist entledigte sich drei Mal seines Instrumentes und stieg zwei Mal ins Publikum hinab ... schlechte Idee, denn beim zweiten Mal hagelte es Klassenkeile von sicherlich mind. acht aufgebrachten Deutschen. Er lag ein wenig rum und betrat dann wieder (mit großer Platzwunde) die Bühne, um weiter zu spielen. Etwas, das die restliche Band übrigens während des ganzen Vorfalls tat. Irgendwie lässige Aktion. hehe Weitere Sprüche ins Mikro („You don’t really get it!“) konnte man sich nicht verkneifen, aber die Stunde von Alex (THE ONE) war gekommen, der sich wohl während der ganzen Tour als Babysitter für Schweden vorkam, die sich (wenn überhaupt) noch nicht lange „Twen“ schimpfen konnten. Er säuberte den Bassisten mittels Taschentüchern von den Spuren der einseitigen Hauerei und unterband das Gesülze von der Bühne einfach dadurch, dass er den Stöpsel des Mikros herauszog. Danke, konnte sich ja keiner mehr mit anhören...
Als wäre das Konzert nicht schon schlimm genug gelaufen, trudelten ca. 5 Minuten nach dem Vorfall auch noch die Herren von der Staatsmacht ein. Glück gehabt, denn zwischen Gewalt und Polizeieinsatz gab es keinen kausalen Zusammenhang. Vielmehr war 2 Uhr bereits überschritten und ONDSKAPT wurden angewiesen, dass das angefangene Lied dann auch das letzte sein sollte. Nicht sonderlich schade. Etwas angepisst verließ man schließlich die Bühne. Der weitere Abend blieb ruhig.
 
 
 
 
 
Fazit:
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So, Fazit? ONDSKAPT ... da stellte man sich mal finsteren „Orthodox Black Metal“ vor, den die Aura des Bösen mysteriös umspielte, aber nicht kindische Provokateure, die stets voll zu sein scheinen. Die Schweden haben auf beiden Deutschlandkonzerten deftig an der Dekonstruktion des eigenen Mythos gearbeitet. Das Auftreten, das Verhalten... man wird sie für den Rest ihres Bandlebens nicht mehr allzu ernst nehmen können. NO EMPATHY erwiesen sich erneut als junge aber ambitionierte Band, denen die Klo-Durchsage sichtlich missfiel. Um Längen besser als am Vortag präsentierten sich THE ONE, die sich neben MORRIGAN und INQUISITION absolut zu den sehenswerten Zwei-Mann-Livebands einreihen können, aber halt nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. ETERNITY waren gut wie immer, dürften aber erstmal genug von derartigen „Heimspielen“ haben.
 
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Bilder: Torsten / © Final War Mag.
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