NUCLEAR GATHERING OF THE LEGIONS OF DOOM
- 06.10.2007 im Knaack Club / Berlin -
von Torsten

Am vergangenen Samstag lockte das Berliner „Knaack“ bzw. der Veranstalter Iron Bonehead mit einer Zusammenstellung finstrer Gruppierungen aus ganz Europa, die unter dem triefend düsteren Banner des „Nuclear Gathering Of The Legions Of Doom“ geeint waren, eine so stolze Menge in die Hauptstadt, dass der kurzweilig in Erwägung gezogene Plan, das Schauspiel zu verlegen, vielleicht gar nicht mal schlecht gewesen wäre. Erstaunlich dabei, dass es nicht etwa eine SARCOFAGO-Reunion oder ein MAYHEM-Gig in Originalbesetzung war, der so viel Anziehungskraft ausübte, sondern relativ unbekannte Horden, deren Auswahl jedoch sehr stimmig war. Zwei unangenehme Umstände begleiteten zunächst die Anreise: Auf’s Neue zwangen Reparaturarbeiten ohne Kamera ein Konzert aufzusuchen. Zudem schickten uns verlogene Ansagen der Bahn auf eine Irrfahrt durch Berlin, die in einstündiger Verspätung und Fahrbegleitung durch Gruppierungen verschiedenster Couleur resultierten...


Bestial Raids

Punkt eins war eigentlich ganz positiv. Immerhin war es ein pures Untergrund-Konzert, das so durch aufblitzende Handys und Digicams nur verschandelt wird. Zweiter Punkt jedoch weniger, weil wir somit die Polen von BESTIAL RAIDS, deren Hörproben durchaus anständig klangen, nicht mehr zu Gesicht bekamen.

 


Blasphemophagher

Somit waren es die Italiener von BLASPHEMOPHAGER, die uns in der Sauna Knaack willkommen hießen. Ja, heiß war es! Irgendwann während oder nach der dritten Band kam man dann auf die Idee, die Klimaanlage anzustellen, bis dahin jedoch führte sogar völlige Bewegungslosigkeit, hervorgerufen durch Platzenge a la „Sardinen in der Büchse“, zumal ein heftiger Moshpit mitgereister italienischer Freaks BLASPHEMOPHAGER begleitete, zu enormem Schweißausbruch. Das Gerotze der Band war dafür durchaus hörbar. Schön deftig, rotzig und brutal, wie es sich für gasmaskentragende BLASPHEMY-Fanatiker gehört! Und was hier schon für eine zweite Band im Publikum abging, ist beneidenswert...


Grave Miasma

GRAVE MIASMA sind noch immer vor allem unter GOAT MOLESTÖR bekannt. Der hiesige Gig wird jedoch geholfen haben, nun auch GRAVE MIASMA eine eigene Hausnummer zu verpassen. Das Gemetzel war außerordentlich finster und zog seine dämonische Energie glücklicherweise nicht nur aus dem Knüppel, der natürlich auch reihenweise umging, sondern auch aus langsameren Passagen, die gewaltig okkult herniederschlugen.


Proclamation

Trotz des geilen Auftritts von GRAVE MIASMA: PROCLAMATION toppten alles! Herrlich brutal und erbarmungslos war ihr War Black Metal ein gnadenloses Inferno sondergleichen! Die Spanier zeigten sich als legitime Nachfolger von BLASPHEMY und BEHERIT, an die sie ein ums andere Mal erinnerten. Abwechselung war ebenso fehl am Platz wie Kruzifixe, wenn diese nicht auf dem Kopf standen, dennoch fesselte der Sturm, den PROCLAMATION losbrachen, über die gesamte Spielzeit. Geil!


Sadomator

„Goat“ hier, „Sex“ da... das ist, grob gesehen, das Konzept von SADOMATOR (ehemals SADOGOAT) aus Dänemark, die vermutlich durch die kürzliche LP-Veröffentlichung bei Iron Bonehead den Platz als Co-Headliner ergatterten. Aus musikalischer Sicht wären nämlich die Argumente dünn gesiedelt, bot doch die dargebrachte „Kunst“ nicht viel mehr, wenn nicht sogar weniger als das eingangs erwähnte Konzept. Rudimentärer Black Metal in allen Ehren, aber mit nichtssagenden Riffs, die eine Schülerband nach drei Proben zusammenbringt, öden Songs und affigen Ansagen („The next song is too brutal for Germany“) erfuhr das Niveau der Veranstaltung einen gewaltigen Knick. Man muss sich halt langweiligen, tiefgestimmten Baller Black/Death Metal mit Kapuzen und Sonnenbrillen vorstellen, jedoch oftmals mit belanglos „groovenden“ Passagen, und einer tief-gezerrten zweiten Stimme. Ziemlich grottiger Stümper-Kram, der wie eine lahme Variante von BLACK WITCHERY klang...


Necros Christos

Unter tosendem Beifall betraten die Lokalhelden NECROS CHRISTOS die Bühne. Es war für mich, wenngleich ich die Band nun zum dritten Mal sah, auch in dreierlei Hinsicht eine Premiere. Zum einen ergossen sich erstmals fernab eines freien Himmels in den verrauchten Katakomben eines Clubs die düsteren Salven der Band, zum anderen sah ich erstmals den um ein viertes Mitglied erweiterten Reigen. Zu guter Letzt war es vielleicht auch der Hintergrund des nun bestens im Ohr sitzenden Debutalbums, der diesen Auftritt zum für mich besten der Band machte. Es ist schon verwunderlich, dass gerade eine Band, die im okkulten Death/Doom anzusiedeln ist, zum besten zählt, was der deutsche Untergrund beherbergt, und diesen Ruf unterstrich die Band, die nach dem Gig im November in Finnland leider erstmal ohne Drummer dasteht, mit gewaltigen Hymnen und einem sehr guten, brutalen Sound. Die Aufmerksamkeit des gesamten Saales galt NECROS CHRISTOS, und nahezu jedem Wunsch der Masse kam das sehr gelungene Set nach, das neben Knallern wie „Black Mass Desecration“, „Christ Was Not Of Goatborn Blood“, „Impure Burials Prevail“, „Va Koram Do Rex Satan“ oder „Daemonomantic Fog Lay Upon The Tombs Of Succoth“ mit „Grave Damnation“ oder „Doom Of Nekros, Death Of Christos“ auch Nummern enthielt, die nicht auf dem Album zu finden sind. Es war finster, es war okkult, es war ein dunkler Energieaustausch zwischen Masse und Band... Dabei wurden insgesamt zwei oder drei der instrumentalen Zwischenspiele, die es auf dem Album gibt, eingesetzt. In dieser Quantität störten sie nicht, was man vielleicht auch bei der CD hätte berücksichtigen sollen. Das Einzige, was höchstens fehlte, waren die Kapuzen und das „Acid Orgy“-Cover.

 

Fazit:

Wenn auch der Sound manchmal nicht der beste war, gelang ein schmutziges und brutales Untergrund-Konzert mit okkulten Bands, die auf finsterste Weise mit vernichtender Musik Blasphemie und Gewalt verherrlichten. Schweiß, Nieten, Blastbeat, tiefgestimmte Streitäxte, Gebrüll... So soll es sein! Gern ein „Nuclear Gathering...“ Teil 2!!!

 

Bilder: -