Mithras Garden Festival 2009 - 26.09.2009 im B.P.M. Club / Zwickau
von Torsten

Terrortour, die Dritte. Das Etap Hotel in Leipzig erwies sich als zweckdienliche Unterkunft, der Fahrer als unliebsamer Frühaufsteher und das Ortsschild von Penig als geradezu prädestiniert für „naheliegende Wortwitze, Teil 88“. Mal abgesehen von der Skatstadt Altenburg, in der es in unmittelbarer Nähe der Skatkartenfabrik keine Skatkarten zu kaufen gab, und irgendeinem Supermarkt, der unfassbar schnuffige Plüschhamster verkauft(e!), geriet man zwischenstoppfrei zum B.P.M. Club. Ein „chilliges“ Plätzchen, das gar über einen sog. Darkroom verfügte. Als zwei Herren, denen ein analgeficktes Grinsen förmlich im Gesicht stand, diesen inspizierten und darauffolgend uns, vorm kaputten Tischfussballtisch fluchend, fragten, ob der Raum denn noch aufmache, war klar, dass man(n) an diesem Konzertabend lieber doppelt auf sein Gesäß aufpassen sollte ... und das nicht nur, weil aus der Hosentasche vielleicht das Portemonnaie oder der Schildplattkamm geklaut werden könnte.

Die erste Band hieß NOVALIS DEUX und stand für weichgespülten Neofolk/Gothic mit Gitarren, Bass und Keyboard. Insgesamt sieben Musiker, nicht zu vergessen die dicke Geigerin, die brav zugunsten der latent attraktiveren Hupfdole ... äh... Backgroundsängerin in den Hintergrund gesetzt wurde. Dem Publikum, groß an der Zahl, schien es vorwiegend zu gefallen. Mir war das nichts. Schwuppenkram.

„Hail Rome Victorious“. BAM! „On Wings Of Steel“ folgte einem der längsten Intros, die ich live je gehört habe, und der Popo-Club erbebte vom martialischen Schlachtenlärm TRIARIIs. Herr Erdmann sang und trommelte sich gemeinsam mit zwei Gastmusikern durch weitere Klassiker wie „Heaven And Hell“ sowie einigen Stücken des neuen Albums „Muse In Arms“ (das mächtige „Europa“ zum Beispiel). Als Tomas Petterson (ORDO ROSARIUS EQUILIBRIO) die Bühne betrat, war klar, dass nun „Roses 4 Rome“ folgte, welches bis dahin schon geschätzte 25 Mal als Pausenmusik durch den B.P.M. Club lief. Eine gute Projektion (Woran erkennt man Deutsche? Sie sagen zu projector „Beamer“ und zu mobile phone „Handy“.) mit Schwarz/Weiß-Animationen von Kriegsaufnahmen, antiken römischen Staatsreliefs (teilweise auch Repliken griechischer Werke), Portraits und wohl eher klassizistischer Bildhauerkunst begleitete mit einem Hauch von Leni-Riefenstahl-Ästhetik den Auftritt. Die ernste und kühle Bühnenpräsenz der Band gefiel mir, wenngleich die Gestikulation des Frontmannes manchmal arg theatralisch wirkte. Das Outro der „Muse In Arms“ mit dem Wortlaut „Wir kommen wieder ... Wir kommen wieder ... Wir kommen wieder“ ertönte zum Schluss, wurde hier aber wörtlich genommen, denn als Zugabe stimmte man noch mal „Ode To The Sun“ an, was aber nicht nötig gewesen wäre, vielleicht dem stimmigen Abschluss sogar eher schadete.

So, Mütter sperrt eure Töchter ein, denn das SPIRITUAL FRONT Solo-Konzert begann. Zumindest jene, die auf tätowierte Zwerge mit gezupften Augenbrauen stehen. Der Auftritt begann mit 10 Minuten Akustikgitarre plus Gesang sowie einem italienischen Schwarz/Weiß-Film auf der Leinwand. Die Bitte um Ruhe hätte auch „Schaut her! Hier! Ich bin der Mittelpunkt!“ lauten können. Zugegeben, Simone ist ein begabter Alleinunterhalter, aber man kann es mit der Resonanz auch übertreiben ... das Mädel hinter mir zum Beispiel, das schon bei einem „Thank you, Germany“ schallend wieherte. Auch wenn das ausgezeichnete „Soul Gambler“ für meinen Geschmack zu früh kam, hätte es gern beim Akustikset bleiben können, doch es folgte fast das komplette „Armageddon Gigolo“-Album aus der Konserve. Im Prinzip als hätte man die CD schlicht ganz laut laufen lassen. Trotz oder gerade wegen des Karaokecharakters ging das Publikum sehr gut mit. Ansonsten bin ich mir sicher, dass S.F. als Band live wesentlich besser funktionieren. Nicht nur musikalisch. Es verkam ziemlich zur One-Man-Show (achne?!) mit „Schaut her wie toll ich bin“-Attitüde. Spätestens, als Simone Salvatori bei der Zugabe („Bastard Angel“ nochmal) in die Menge stürzte, sich aber explizit nur die Damen zum Mitsingen schnappte, die nicht ungefähr drei Köpfe größer waren als er, auch wenn er bei einem Exemplar besagter zuvor größzügig ins Dekolleté linste (wofür er, wenn es nicht eh zur Gigolo-„Imagepflege“ gehört hätte, beinahe am liebsten vom Final War Cheffé eine kassiert hätte ;) ).

Zum geschätzen 50. Mal lief „Roses 4 Rome“ im Hintergrund bevor irgendwann ORDO ROSARIUS EQUILIBRIO anfingen. Meine Aufnahmebereitschaft war zu später Stunde schon etwas angeschlagen, allerdings gar nichts im Vergleich zum Keyboarder, der prompt mehrmals seinen Schlepptop fallen ließ bevor er entnervt von der Bühne torkelte. Abgesehen davon war auch der Sound etwas breiig und die Nebelmaschine wurde etwas zu sehr in Anspruch genommen. Sei es drum. Der apokalyptische Folk der Schweden, den es hier vorwiegend von den Alben „Apocalips“ und „Onani“ gab, war dennoch mehr als hörenswert.

 

Fazit:

Gute Musik, aber (wie zu erwarten) ein deutlich zu hoher Pegel an Homoerotik. TRIARII waren die beste Band.

 

Bilder: A.U. und Torsten / © Final War Mag.