MARDUK / NECRODEATH
- 19.05.2006 im M.A.U. Club / Rostock -
von Torsten

Nungut, solange die Erinnerungen noch frisch sind, raufe ich mich mal auf und verfasse einen Bericht zu einem eher durchwachsenen Konzertabend in der nächstgelegenen Großstadt und baldigen Wahlheimat Rostock. Im Zuge des Entstehens der „Calling For Battle“-Konzertreihe wird immer mal wieder die Frage aufgeworfen, warum ich nichts daran setze mich um Black Metal Konzerte für die eigene Region zu kümmern. Am vergangenen Freitag wurden gleich mehrere Gründe dafür geliefert. Hier mal eine grobe Schilderung der Atmosphäre: Schlimm genug, dass man bei relativ frischen Temperaturen trotz pünktlichen Erscheinens noch ewig warten musste, so ging einem auch noch eine Gruppe von Penner-Punks auf die Nerven, die vor dem Club Flaschen sammelten und um Zigaretten sowie Kleingeld („Nein, mein Geld fließt direkt in die Unterstützung des Nationalen Widerstandes“ ;) ) schnorrten, und damit quasi alle Klischees bedienten. An den genauen Wortlaut kann ich mich nicht erinnern, aber der Unmut stieg weiter, als einem nach Zahlung von ganzen 16 € ein Stempel mit „... nazifrei! ...“ aufgedrückt wurden. Über die Aussage selber kann man sich streiten, aber soviel zum Thema „No Politics In Metal!“. Hm... Das M.A.U. war dann gut gefüllt und der lokale (Black) Metal Sauhaufen mit all seinen selbsternannten Ikonen und lachhaften „Vereinigungen“ gab sich die Klinke in die Hand. Vermutlich wäre es 1/3 leerer geworden, hätte man eine Altersbeschränkung ab 16 angesetzt. Bei einer Gesichtkontrolle sähe es noch MAUer aus. Am Rande bleibt zur Veranschaulichung der unappetitlichen Umstände noch erwähnt, dass einem zum Zigarettenqualm während der Veranstaltung auch andere Aromen fremdländischer Kultur in die Nase stiegen.


Necrodeath

Apropos Veranstaltung... Diese ließ weiter auf sich warten. NECRODEATH sollten als Support den Abend eröffnen. Die Italiener, die übrigens älter als Headliner MARDUK sind, ließen sich aber auch 1 ½ Stunden nach planmäßigem Beginn (21 Uhr) nicht blicken um für die Jungspunde einzuläuten. Anwesend waren sie, oder waren es nicht NECRODEATH, von denen man beim Soundcheck ein „Paranoid“-Cover vernehmen konnte?!

 


Marduk

Ein Intro erklingt... endlich. Doch waren es nicht NECRODEATH, die nun spielen sollten, sondern bereits MARDUK. Sogleich prügelten sie munter drauflos was die Doublebase hergab. Ich muss ihnen zur Professionalität beglückwünschen, die es den Schweden kaum anmerken ließ, dass sie höchst wahrscheinlich gar keinen Bock hatten auf dem Heimweg von ihrer „Imago Mortis“-Tour noch Halt in so einem Schuppen zu machen (Ob den allzu korrekten Veranstaltern klar ist, dass sich von MARDUK Verknüpfungen zu „Commie Scum“ herstellen lassen?!). Arioch machte als neuer Sänger eine gute Figur und ließ den Gesang teils wie einen Sturm aus dem Mikro beben. Allgemein war der Sound schön druckvoll und brutal, da gibt es nichts zu meckern. MathiMös Verschwörungstheorie, dass das Set samt Ansagen mit dem des letzten Livealbums identisch war, kann ich im Nachhinein aus dem Gedächtnis nicht mehr ganz prüfen, doch glaube ich es gab Unterschiede in der Reihenfolge. Aber in Zeiten von „Sakrileg“-Wahn wundern mich MARDUK-Playback-Anschuldigungen nicht mehr... Besonders prall fand ich das Set zumindest nicht, da alles, was nach der „La Grande Danse Macabre“ datiert ist, für mich entweder uninteressant, langweilig oder mir unbekannt ist. Immerhin gab es neben neueren Prügelnummern („Azrael“, Zeugs von der „World Funeral“ und halt noch neuere Stücke) und älteren Prügelnummern („Baptism By Fire“, „Burn My Coffin“, „Panzer Division Marduk“, ...) auch ein paar Midtempo-Prügelnummern und glücklicherweise solch Klassiker wie „Sulphur Souls“, „On Darkened Wings“ oder „The Black“, wobei fast alle Stücke durch Kriegs-Samples voneinander getrennt waren. Um mich vollständig zufrieden zu stellen fehlten aber eindeutig „Departure From The Mortals“ und vor allem „Materialized In Stone“, die man anstelle von anderen langsam ermüdenden Haudrauf-Dingern hätte einarbeiten können!

 

Fazit:

Unterm Strich also über 1 € pro Song! Und davon vielleicht höchstens die Hälfte wirklich geil... Ein großes Wasser kam übrigens 3,00 €! Soviel zum Thema günstiges Ostdeutschland... Angesäuert blieb nichts weiter übrig als den versifften Saal schnurstracks zu verlassen und den glücklicherweise kurzen Heimweg anzutreten.

 

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