KAMPFAR / BESTIAL MOCKERY / PESTIS
- 15.10.2005 in der Festung / Bitterfeld -
von Torsten

Zufälligerweise kam ich nach Monaten endlich in den Besitz der Bilder, die ich von diesem Abend geschossen habe, sondern entdeckte auch wieder die Notizen, die ich wenige Stunden nach dem Konzert auf ein Blatt Papier schrieb. Somit ist dieser Bericht ein Sammelsurium aus Ersteindrucks-Fragmenten und Meinungen, die erst rückblickend entstanden.

Es sind schon merkwürdige, vielleicht gar verrückte Menschen, diese Metaller. Wer nimmt schon bereitwillig strapaziöse Zugfahrten und eine Menge Unkosten in Kauf, um drei Bands zu begutachten, wobei man sich in diesem Genre der Livequalitäten einer Gruppe eh nie sicher sein kann, was die Risikobereitschaft zu einer weiteren Eigenschaft dieser Subkultur macht. Dennoch lockte KAMPFAR, die wie auch BESTIAL MOCKERY auf der Heimfahrt vom Misanthropic Violence wohl noch einen Halt in Bitterfeld machten, und ich sowie 7 Mitreisende konnten der Versuchung schließlich nicht widerstehen.
10 Stunden Zugfahrt und ein Schienenersatzverkehr später hielt die Bahn um 19:16 Uhr in Bitterfeld. Was den Weg zur (neuen) Festung anbelangt, teilte sich die Horde aber in verschiedene Gruppen. Eine, die eigenständig zum Veranstaltungsort gelangte, und eine zweite, der das Auffinden der Lokalität bei bereits erhöhter und weiter steigender Blutalkoholkonzentration erhebliche Probleme bereitete. Bedenklich, dass zur zweiten Gruppe mehr Personen gehörten...

Irgendwie gelangten dann doch alle Suchenden in die Garagensiedlung, standen im Club und stellten fest: INQUISITION läuft ... Mit "Into The Infernal Regions Of The Ancient Cult" begrüßte die Festung ihre Besucher. Vielleicht war dies ein beabsichtigter Querverweis auf das parallel stattfindende Festival in Österreich, wo eben diese Amerikaner am selbigen Abend auftreten sollten. Dies war auch ein Grund für die enorm mäßig gefüllte Festung, was sich im Laufe des Abends aber zum Vorteil entwickeln sollte.

 


Pestis

INQUISITION läuft ... immer noch. Schließlich lösen PESTIS' thrashige Black Metal Töne die Konservenmusik ab. Zählt man das riesige Holzkreuz nicht dazu, so besteht diese Band aus drei Mitglieder, die abwechselungsreiches Schwarzmetall fabrizieren. Mit sicheren und interessanten Breaks konnte mich besonders das Schlagzeug überzeugen. Die Spielzeit empfand ich für etwas lang, dennoch sorgten PESTIS für einen gelungenen Rutsch in den Abend.

   

 


Bestial Mockery

INQUISITION läuft... Weshalb diese monotone Beschallung?! Der schneidend-röhrende Klang einer Motorsäge macht diesem ein Ende; es ist kein Zweifel: die Kettensägen-Fetischisten von BESTIAL MOCKERY stehen auf der Bühne, hochmotiviert und bereit loszulärmen. Das machten sie auch außerordentlich ordentlich, doch nach einer Weile hatte ich mehr und mehr das Gefühl hier eine Enttäuschung zu erleben. Auf Platte klangen die schwedischen Dreckspatzen, die hier so lumpig und beinahe albern der angetrunkenen Meute Song um Song um die Lauscher hauten, wesentlich aggressiver, hektischer und auch schneller. Aggressionspotential ist zwar nicht abzustreiten, allein der Sänger war angenehm aufgedreht und fuchtelte das ein ums andere Mal mit der Kettensänge Modell Baumarkt umher, doch die "Band des Abends", wie ich es mir versprach, war es nicht, denn das sollte KAMPFAR werden…

             
 

 


Kampfar

INQUISITION läuft... Man kann einfach nicht genug davon kriegen... Dann waren KAMPFAR dar. Für mich war dies ein gutes Stück Wiedergutmachungsarbeit nach dem verpassten U.M.M. 2005. Ich hätte auch nichts dagegen gehabt wenn ich KAMPFAR zum zweiten Mal gesehen hätte, da es sich um eine hervorragende Liveband handelt. Gerade die Knüller, zu denen ich mir schwor das Haupthaar zu schütteln ("Hymne" und "Norse"), packte die Band erst zum Schluss aus, womit ich schließlich während des kompletten Sets, das auch einen neuen Titel beinhaltete, vorne stand; der Nacken dankte es mir. KAMPFAR dominierten mit einem treibenden Sound und einem live aufblühenden, sympathischen Frontmann. Schade nur, dass die Band mittlerweile wohl bei jedem Affen-Festival spielt (ich meine jetzt nicht das U.T.B.S.), denn es wäre schön, behielten solch gelungene Konzerte wenigstens etwas Exklusivität.

           

 

Fazit:

Band des Abends: INQUISITION, da es vielleicht die einzige Band ist, die niemanden nervt, selbst wenn ihr Debutalbum fünf Mal hintereinander gespielt wird ... Ansonsten: Auch wenn mich BESTIAL MOCKERY etwas enttäuschten, kann ich nur von einer lohnenswerten Konzertreise sprechen. Sehr schön, dass man einen mehr als ausreichenden Radius zur Verfügung hatte um zu KAMPFAR zu bangen. Äußerst angenehmes Klima also, dazu noch ordentliche Bands und ein klasse Headliner... Da kann man nicht meckern.

 

Bilder: Torsten / © Final War Mag.