IREM / WANDAR / GUTS FOR GLORY
- 01.03.2008 in der Werkstatt / Mücheln -
von Herr Friedrich

So muss das laufen: Da hat man Samstag mal nix zu tun und schreibt seinem Kumpel vor Hoffnungslosigkeit und der schrecklichen Aussicht auf Langeweile eine SMS, in deren Antwort der dezente Hinweis auf ein Konzert verzeichnet ist. Nachdem man sich kurzerhand über besagte Bands (mithilfe des Internets) kundig gemacht hat, stellt man beruhigt fest: Samstag gerettet, ab nach Mücheln.

Dort angekommen stehen vor der mir bis dato gänzlich unbekannten Location doch Menschen und Frauen verschiedener Ausprägung: Glatzköpfe, Leute mit bunten Haaren, Leute mit bunten Glatzen und hier und da - dem garstig’ Untier gleich durch dornbesetztes Unterholze kriechend - einige wenige Schwarzwurzel-Fanaten mit GORGOROTH- oder EMPEROR- Pulli. Hui! So verspricht die breite Variation an metallischem Auflauf doch einen interessanten Abend.
Dann geht es also schnurstracks zum Eingang. Der Preiszettel informiert mich und die Meinen zu unserem Wohlwollen über die annehmbare Unkostenvergeltung von läppischen 4 Euronen. Das unlängst gesparte Geld wird an der Bar sogleich in alkoholistische Liquiditäten verschiedenster Art investiert, während das vom Tage müde Auge das Etablissement jenes Abends genauer zu untersuchen drängt: Die Schallplatten, CDs und Plakate an den Wänden erzählen von vergangenen Orgien, die wohl zumeist im Bereich von Grindcore/ Goregrind/ Punk oder ähnlicher musikalischer Ausrichtung gelagert waren.

Guts And Glory

Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wann der Opener dieses Abends angefangen hat, es müsste aber gegen halb 10 gewesen sein. Jedenfalls haben GUTS AND GLORY (eine relativ junge Deathrock-Band aus dem Umkreis des Konzerts) den Raum, der mit geschätzten 50 – 70 Personen gefüllt war, doch ziemlich zum Rocken gebracht. Das war vielleicht nicht die Musik, die ich mir im Privaten mit Genuss anhören würde, doch war die Stimmung angesichts der lokalen Bekanntheit so gut, dass man sich hier und da doch zum Mitnicken oder Fußtippen angespornt gefühlt hat. Das lag meiner Meinung nach vor allem am sehr fetten Sound, der trotz der Enge der Location ziemlich gut rüberkam.

 


Wandar

Nachfolgend begannen die Hallenser WANDAR mit dem selbstständigen Umbau der „Bühne“ (man beachte die ironisierenden Anführungszeichen!). Vier stattliche junge Kerle in schwarzmetallisch- paganistischem Style liefen mit Gitarren, Methörnern und verschiedenem Ast- und Wurzelwerk auf, das zugunsten des Ambientes wahlweise vor dem Schlagzeug platziert wurde. Skoll, der Sänger der Band, kam darüber hinaus mit ULVER – Shirt in den Raum, was meine Erwartungen auf richtigen Black Metal ins Unermessliche steigerte. Da! Synth-Intro! Alles ward still… Und dann... Hui! Ein Feuerwerk an Riffs! Der Drummer knüppelt, Skoll schreit und Herr Friedrich läuft eine Freudenträne das Bein runter! Mein ersten Gedanke: KAMPFAR. Nach mehreren Minuten gehörter Musik lasse ich diesen jedoch fallen und spreche den Hallensern ein nicht geringes Maß ein Eigenständigkeit zu. Krächzend angesagte Titel wie „Mein Wesen gleicht dem Sturm“ lassen zudem mein philosophisch recht interessiertes Herz lodern. Schlussfolgerung: CD von WANDAR von den Leuten neben der Bühne kaufen. Mehrere Versuche einiger unbekannter, weiblicher GORGOROTH – Anhänger, mich doch für den Kauf einer IREM – CD umzustimmen, weil diese „bunter“ sei, wurden meinerseits mit einem Lächeln und einem imaginär geflüsterten „Geht sterben!“ erfolgreich beigelegt.


Irem

Als der IREM- Sänger zwecks Soundcheck sodann gegen 1:00 Uhr nach Mitternacht mit dem abwechselnden Ins-Mikro-Grunzen-und-Schlabbern begann, entsann sich Unsereins dann doch der Eventualität einer nicht abgeschalteten Kaffeemaschine und fand darin bereits die entsprechende Begründung dies Konzert zu verlassen, das von WANDAR bereits wenige Minuten zuvor zum Höhepunkt geführt worden war. Als ich gegen 2:00 Uhr in der Heimat eintraf, fand ich die Kaffeemaschine – wie erwartet – ausgeschaltet. Genug Zeit, um der jüngst erworbenen WANDAR - CD noch einen Durchlauf zu gönnen.

Fazit:

Schöner Abend!

Bilder: -