INQUISITION / MERRIMACK / NYKTALGIA / TRIUMVIRAT XUL
- 26.03.2005 in der Festung / Bitterfeld -
von Torsten

Nein, zur Ostereiersuche hatten wir an diesem Samstag nach Karfreitag keine Zeit. Schon gegen 11 Uhr morgens begann für meine Begleitung und mich die strapaziöse Fahrt , da war kein großer Freiraum mehr neben Hygiene, Essen, Stullen schmieren und Beladen der Rucksäcke. Doch die gut 8-stündige Reise von der Ostsee bis nach Bitterfeld nahmen wir bereitwillig in Kauf um eine der besten mir bekannten Live-Bands im Black Metal zu bestaunen, zumal das Wiedersehen altbekannter Personen und Persönlichkeiten die ermüdende Zugfahrt versüßten.
In Bitterfeld angekommen fanden wir dank unseres "Schlieffenplanes" auch zielsicher zum neuen Veranstaltungsort der United Metal Maniacs, der praktisch mitten in der Stadt in einer düsteren Garagensiedlung platziert ist. Nicht ganz so kultig wie der alte Schuppen erinnerte mich die neue Location leider gar nicht mehr an den "Titty Twister" aus dem Film "From Dusk Till Dawn". Dennoch sorgten Tarnnetze, Ketten etc. für die richtige Atmosphäre und klang- sowie größentechnisch kann ich auch nicht klagen. Die Festung Bitterfeld hat sich ihren einmaligen Charme gekonnt erhalten.

Die Begutachtung der Lokalität nahm dann jedoch ein jähes Ende und unsere Geduld wurde auf eine weitere Bewährungsprobe gestellt. Eilig wurde die gesamte, größtenteils schwarz gekleidete Meute vom Gelände verwiesen, da die Polizei ob einer Bombendrohung zuhauf anrückte. Es muss ein beängstigender Anblick für die Bitterfelder gewesen sein plötzlich diesen Haufen finstrer Gestalten (immerhin war die Festung bereits gut gefüllt) freilaufend auf der Straße sehen zu müssen. So verzögerte sich der Beginn der Veranstaltung ziemlich, und das, obwohl NYKTALGIA bereits bereit zum Auftritt gewesen sind, da jene nun schon in Corpse Paint vor der Festung zu sehen waren.
Nach gut einer Stunde unfreiwilliger Wartezeit, der wir einen Abstecher zum Bahnhof samt Erfrischung, Konservenmusik aus dem Rekorder und Nahrungszunahme abgewannen, konnten wir unter verschärften Sicherheitsbedingungen wieder das Gelände betreten und der Abend konnte beginnen...


Triumvirat Xul

... glänzten mit Abwesenheit. Ich weiß bis heute nicht genau, weshalb sie nicht spielten, zumal ich immernoch der festen Überzeugung bin bei der Probe S.O.T.M.-Lieder vernommen zu haben. Erster und einziger TRIUMVIRAT XUL-Auftritt mit ein paar Songs der Hauptband als Sahnehäubchen, wie schön wäre das gewesen... Nunja, so war spätestens als MERRIMACK dann spielten klar, dass es damit nichts wird.

 


Nyktalgia

NYKTALGIA hatten die Ehre der Ent-/Einweihung der neuen Festung. An die vier Deutschen samt "Black Metal Schlampe" (stammt nicht von mir) Havoc hatte ich im Vorfeld keine großen Erwartungen, da sie mir eher eine Albumband zu sein schienen, aber nix da, NYKTALGIA waren live sehr geil. Ihr Sound war extrem und intensiv, insbesondere die Gesangsarbeit. Mehr als ein Mal fühlte ich mich an BURZUM erinnert und rätselte, ob da nicht eventuell gerade ein Cover gespielt wird. Angesagt wäre es zumindest nicht gewesen, denn zwischen den Liedern war vom Sänger kein Wort zu vernehmen, der stellvertretend für die angepisste, erhaben-arrogante Art der ganzen Band stand. Das passte allerdings sehr gut zum gesamten Auftritt, der schlichtweg eine Menge Black Metal Negativität versprühte. Scheinbar war das Interesse an der geheimnisvollen Band sehr groß, sodass der Raum vor der Bühne beklemmend voll wurde.

   

 


Merrimack

Meine zweite Live-Begegnung mit den französischen ProLife-Gegnern von MERRIMACK war mindestens genauso positiv wie die erste beim letztjährigen U.T.B.S. . Dank des hingebungsvollen, teils völlig abgedrehten und aggressiven Auftretens des Sängers wurde ihr Auftritt sowohl zur Ohren- als auch zur Augenweide. Wutentbrannt brüllte dieser ins Mikro, was teils zum beängstigend riesigen Öffnen seines Mundes führte. Ja, ich denke bei ihm passt die Bitterfelder Bockwurst senkrecht in die überdimensionale Fressluke! Obwohl die Musik wesentlich "headbangtauglicher" als bei NYKTALGIA schien, war es im vorderen Bereich deutlich weiträumiger und weniger gefüllt. Nach der obligatorischen Jesus-Nummer am Ende sprang der Sänger auch sofort vom Podest ins Publikum und rannte hindurch, während die Band oben noch einen Moment weiterspielte...

             

 


Inquisition

Platz in der ersten Reihe gesichert, banges Warten, der Blutdruck steigt, die erwartungsvolle Sehnsucht nach der Kultband aus den USA schlechthin kennt kein Halten mehr... Dagon betritt im Kapuzen-Pulli die Bühne, die arschlangen Haare gucken schon heraus. Er streift ihn ab, setzt die Gitarre an und kurze Zeit später ertönt ein donnerndes Riff, wenn ich mich recht erinnere war es "Baptized In Black Goat Blood" vom neuen Album (... ich bin mir allerdings nicht ganz sicher ... elende Gedächtnislücken). Dann der Einsatz des hämmernden Schlagzeugs und niemand da vorne konnte sich noch Beherrschen. Wild fliegen die Köpfe und Haare, Menschen stützen sich einander, umschlingen sich, hauen sich beim Moshen den Schädel am Ellenbogen des Nachbarn, die Arme recken sich gen Musiker und zeigen den Gruß des Gehörnten! INQUISITION sind, und dies kann ich nun zum wiederholten Male feststellen, live eine Macht und haben das Publikum vollkommen in ihrem Bann. Der ganze Saal schien bei "Empire Of Luciferian Race" "Satan lives!!!" oder bei "Crush The Jewish Prophet", angestachelt von den unterhaltsamen Gebärden des Sängers, "Crush Jesus!!!" zu schreien. Schlichtweg alle Kulthymnen, die man sich zuvor hätte wünschen können, machten dieses Live-Ritual perfekt. Was die Temperatur anbelangt so war ein Hitzegrad erreicht, der mich zu exorbitanter Transpiration zwang und andere dazu veranlasste sich ihrer Oberkörper-Bekleidung zu entledigen. Die beiden Exil-Kolumbianer spielten sich querfeldein durch die drei Alben und die Lieder machten den Eindruck von Stück zu Stück geiler zu werden. Zum späteren Objekt häufiger Imitationen wurde natürlich auch Dagons unverkennlicher Gesang. Dieses Knurren ging so verdammt ins Mark, göttlich!

             

         

 

Fazit:

Bombiger Abend.

 

Bilder: Asgard / Raknhiltr / Torsten / © Final War Mag.