"Hellstorm Over Harz pt. III"
- 29.04.2006 im "Lindenhof" / Ellrich -
von Torsten

Das dritte Hellstorm Over Harz verschlug uns zum zweiten Mal in den beschaulichen Harz. Irgendwo beim Umsteigen während unserer gut 9stündigen Fahrt schnappten wir dann noch einen Bekannten aus dem Torgau auf (Gruß!), mit dem wir zusammen die schwierige Suche nach Gleis 5 in Nordhausen meisterten und schließlich, wie immer viel zu früh, gegen 19:15 Uhr am Lindenhof eintrudelten.

   


Genocide

GENOCIDE spielten dann irgendwann, mochten wir jedoch nicht gefallen. Der Sound war übel und ihre Musik konnte in mir kein Interesse wecken. Die Präsenz war Black Metal pur, keine Frage, aber sonstige Reize fehlten...
GENOCIDE brachten jedoch die Erkenntnis, dass sich Nebel und meine Digicam nicht sonderlich vertragen. Entschuldigt die minderwertigen Bilder!

 

 


Suicide Solution

SUICIDE SOLUTION konnten dann doch mit größerer Eigenart auftrumpfen. Plötzlich standen da blutverschmierte Gestalten, mit Rasierklingen behangen, auf der Bühne, die ungemütlichen Black Metal spielten. Gleich zu Beginn gab es „Misanthropic Dreams“, die meiner Meinung nach beste S.S.-Nummer bis dato, und Sänger C.C. begann auch gleich sie die Arme aufzuschlitzen. Im Laufe des Konzertes legte er gelegentlich auch beim Gitarristen Hand an, bespuckte das Publikum mit Blut etc.; nur das T-Shirt hättest du ruhig anlassen können, war nicht gerade erotisch! Fies, dreckig, SUICIDE SOLUTION... Das Schlagzeug schien mir klangtechnisch überbetont, da gefiel mir der Sound beim CfB2 besser. Langsam kam dann auch etwas Stimmung auf. Trotz des schlechten Sounds war der Auftritt ok. Besonders amüsant war das letzte Stück, „Selbstmord = Erlösung“, dessen Ankündigung mit einem lauten „Na dann mach doch!“ beantwortet wurde.

             

 


The One

THE ONE wurden wohl exklusiv für diese Show eingeflogen. Ich finde es immer unterstützenswert, wenn man doch eher unbekannteren Bands solche Möglichkeiten bietet, selbst wenn man mit demselben Geld „größere“ Namen besorgen könnte. Haben wir bei VITSAUS ja auch so gemacht... Und die Harzer Metalbande hatte ein gutes Händchen! Auf CD fand ich THE ONE interessant, aber mäßig, doch live war das Schauspiel sehr geil. Aus der Ferne betrachtet mag der Auftritt der Briten seltsam gewirkt haben, aber als ich vor der Bühne stand, wollte ich gar nicht wieder weg. Dieser Koloss hatte eine wahnsinnig dominante Ausstrahlung! Die beinahe über das gesamte Gesicht gezogene Kapuze behinderte nicht nur seine Sicht, sondern auch den Blick auf irgendwelche Emotionen in seinem Gesicht. Er wurde zu einem gesichtslosen Wesen, einer Inkarnation dämonischer Kräfte, die in den langen Pausen zu tosenden Winden und mächtigen Naturgewalten zu meditieren schien. Dann ließen es die beiden wieder mit primitivstem Black Metal krachen. Ein zwar sehr kurzes, aber intensives Set, das Eindruck hinterließ! Irgendwie irreal...

     

 


Hetroertzen

Sowas passiert, wenn man nicht rechtzeitig an den Austausch von Telefonnummern denkt. Der Ausfall von HETROERTZEN war also allemal vermeidbar, aber was soll’s... Schade drum. So fuhren ein paar Südamerikaner ein bisschen durch Deutschland rum, vielleicht verzweifelnd den Club suchend, und in Ellrich wurde die Wartezeit auf den Headliner verkürzt, der alles Dagewesene an diesem Samstag in den Schatten stellen sollte.

 


Horna

Wen interessierte noch HETROERTZEN als HORNA auf der Bühne standen?! ... Die Finnen sind eine unglaubliche Liveband. Sie spielten ein sehr langes Set, fragt mich jetzt aber nicht nach den Stücken, diese finnischen Titel kann sich ja keiner merken. „Vihan Tie“ war jedenfalls der mächtige Opener, von der aktuellsten mir bekannten HORNA-Platte („Entvatnaags...“) folgten noch mehr, z.B. „Kuoleva Lupaus“; so ein Lied, das einfach nie enden sollte! Den Spruch nach dem ersten Lied („This song is dedicated to the fucking antifa...“) verstand ich bis auf weiteres als kleine Provokation, da ich erst später erfuhr, was mit dem Konzert in Bremen passierte. Eine relativ chaotische Tour, würde ich sagen. Macht nichts, der Fünfer war auf der Bühne stolz, düster und kraftvoll. Die Arbeit der Neuverpflichtung an der Schießbude, Vainaja (VITSAUS), kann sich sehen/hören lassen. Energisch und versiert gab er den Takt zu Corvus’ wahnsinniger Stimme und der Gitarrenarbeit, zu der ich nichts sagen brauch. Allen voran Shatraug, der wie besessen an seiner Gitarre hing und den ganze Abend im Club omnipräsent war. Oftmals füllten monotone Momente den Raum mit erhabener Bösartigkeit um dann wieder mit holperndem Takt oder Reißern wie „Orkkivuolita“ die Nackenmuskeln herauszufordern. Letztgenannte Nummer sollte auch vorerst den Abschluss bilden. Es folgte eine fernsehreife „Comedy-Einlage“ einer der Veranstalter und schließlich noch eine lange Zugabe. Vom feinsten!

             
 

 

Fazit:

HORNA Güteklasse A! Rest auch ok! Schönes Konzert...

Dank an die "Chaossippe" für die nächtliche Unterkunft, Speis und Trank! Unser kulturelles Wochenendprogramm führte uns am Sonntag noch nach Irmenseul, sowie (auf der Rückfahrt) an den schiefen und krummen Hundertwasser-Bahnhof in Uelzen.
       

 

Bilder: Raknhiltr, Torsten / © Final War Mag.