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Briten in Westdeutschland und auf den Straßen knallt's ... Das könnte bei manch älterem Einwohner böse Erinnerungen wecken, war aber nichts weiter als - wenn auch nicht der Höhepunkt, so doch - der grandiose Abschluss eines fulminanten Konzertjahres für Enthusiasten ubiquitärer Kakophonie, dargereicht mit antitranquiler Passion voll simplizistischer Euphorie, gepaart mit sinistrer Blasphemie (vulgo: Krawall). Rechnen wir mal ganz großzügig, so standen in den vergangenen 12 Monaten gleich mehrmals PROCLAMATION, TRUPPENSTURM, MORBOSIDAD, dann NECROS CHRISTOS, GRAVEYARD, BLACK WITCHERY, REVENGE, EMBRACE OF THORNS, BLASPHEMOPHAGHER, DEAD CONGREGATION, für einige Glückliche sogar BLASPHEMY, ARCHGOAT und und und vor der eigenen Nase, und kurz bevor die Stunde Mitternacht schlagen, der Rabe "Nimmermehr!" grunzen und die Datumsanzeige allen Informatikern ob des fehlerhaften Binärcodes 01012010 Alpträume bereiten sollte, bäumten sich GRAVE MIASMA ein letztes Mal aus dem modrigen Erdloch auf, gestützt von den Landsmännern THE ONE und Deutschlands pazifistischem War Metal Flaggschiff TRUPPENSTURM...
Es gehört vielleicht ein geringfügiger Dachschaden dazu, trotz Eiseskälte, Wetterwarnung (und folglich unsicherem Schienenverkehr) etc. pp. als Norddeutscher Silvester in Oberhausen zu feiern, aber das reihte sich nunmal perfekt in eine erneute (besser gesagt: andauernde) schwere Fago-Phase, in der z.B. DIOCLETIAN in den letzten Tagen rauf und runter lief (hehe Fragt nicht, was es mit dem Bild auf sich hat!). Allein die Vorstellung von gemütlichem Raclette und Sektchen und Beim-Bleigießen-über-die-Penisform-kiechern regt in mir überdies sowieso erheblichen Brechreiz aus, ganz zu schweigen vom Einfach-mal-ausnahmsweise-einen-Grund-zum-sinnlosen-Besäufnis-mit-den-"Buddies"-haben.
Rostock Hauptbahnhof, Hamburg Hauptbahnhof, Hannover Hauptbahnhof, Minden, Zug fällt aus, muss pissen - Klo besetzt (verdammt), Mühlheim a. d. Ruhr (liegt die Kraft), kein Klo in der S-Bahn, Oberhausen Hauptbahnhof, ins Gebüsch strullern, Hotel ("NH Hoteles" ... allein nicht billig, aber nur zu empfehlen), Bett, Badewanne (verdammt, eine richtige Badewanne! Mit drin liegen und so...), Oberhausen Hauptbahnhof, Gasthof zum Güldenen M, Club. Terror! Das Helvete betrat ich zum ersten Mal. Augenscheinlich sehr angenehmer Club, fein auf Metal & Rock fixiert, das System mit der Verzehrkarte ist praktisch (wenn auch gefährlich), die Theke lang, nettes Personal, gute Preise, Kicker & Billard, ordentlicher Konzertraum im Keller, guter Sound... was will man mehr?! Die Abstinenz von Verkaufsständen war schade, aber vielleicht auch besser so. Immerhin hatten die Bands jedoch etwas dabei.
Mit 110 zahlenden Gästen (von denen ich wohl der am frischgeduschteste war) präsentierte sich das Helvete nicht zu voll und nicht zu leer. 20:00 Uhr sollten TRUPPENSTURM beginnen, starteten aber gegen 20:20 Uhr, woran die FinalWar-Chefriege nicht ganz unschuldig war ("Nagut, will dich auch nicht länger aufhalten." - "Nee, tust du nicht, ich muss nur gerade mal eben auf die Bühne und spielen."). Ein spontanes vergnügliches Jedi-Kartoffelsack-Fotoshooting ließ mich den ersten Song fast verpassen, wenngleich mich der Höllenlärm schnurstracks gen Bühne zog. Der Sound war - das muss ich zugeben - um Längen besser als vor einem Jahr in Ellrich und ließ die bewährten Episoden der vertonten Apokalypse, mit Namen "Gods Of Blood", "Walk The Path Of War", "Inflame The Pentacle" oder "Black Funeral Pyre" (bester T.-Song bis dato!), ehrwürdig stampfen, tosen und schnauben. Ich hatte zeitweise große Angst um das Drumkit so wie Herr von Meilenwald da eingedroschen hat! Im Gepäck ferner drei oder vier Stücke des (hoffentlich bald!) kommenden Albums, dessen Cover - das prognostiziere ich - übrigens sehr hübsch werden wird ... Noch einen Zacken schneller sind sie und, soweit man das im Live-Getose vernehmen kann, musikalisch ein wenig anspruchsvoller.
Zum ... *zähl* ... vierten Mal in diesem Jahr dann THE "stop the discolights!" ONE für mich. Gewohnt intensives, kurzes Erlebnis. Die finster-besessene Bühnenausstrahlung des "Einen" (eigentlich sind's ja zwei, wenn ich diese bahnbrechende Erkenntnis mal loswerden darf) ist immer ein Hingucker. Natürlich waren die Intros zwischen den Songs dabei, natürlich die manische Theatralik und (natürlich?) leider zu wenig Nebel, auch wenn unsereins ja sein Bestes tat, um dem nachzuhelfen. THE ONE wie immer verflucht gut. HELL!
Es war an der Zeit, dass GRAVE MIASMA die Bühne ordnungsgemäß mit Kerzen, Knochen, Schädeln und Räucherwerk de-ko-rierten. Das passende Ambiente für die Briten, die ich spätestens nach diesem Abend die neben ARCHGOAT finsterste Liveband Nordeuropas nennen möchte. Meine Fresse! Absolut authentisch, absolut mächtig, ein absolut pechschwarzer Bulldozer-Sound! Erwartungsgemäß mischten sich dabei die Stücke der (grandiosen!) "Exalted Emanation"-MCD mit alten GOAT MOLESTÖR-Krachern (z.B. "Apocalyptic Ruins Of Unlight"). Bezeichnenderweise eröffneten sie das Ritual mit "Arisen Through The Grave Miasma" und schlossen durch "Kussa'u Tibtihu" mit dem nach Ansage "letzten Song der Nacht, des Jahres und der Dekade". Wo er Recht hat ... Ne, hatte er nicht. Und nicht nur, weil ich nach diesem intensiven Paket an kein Morgen mehr glauben wollte. Nach unerbittlichem Flehen des Publikums gab es schließlich nochmal GOAT MOLESTÖR. Gegen 23:37 Uhr war Sense. GRAVE MIASMA, noch beeindruckender als damals in Berlin mit PROCLAMATION und so, sind und bleiben ein Synonym für ... Dunkelheit!
Anschließend erfüllte ich mir einen lang gehegten Kindheits(?)traum: Inmitten von Suffköppen und Partyvolk mit einer adretten Dame über frühbyzantinischen Kirchenbau in Oberitalien, daunische Vasenmalerei und die sprachlichen Differenzen zwischen Cicero und Ovid schwadronieren. Klugscheißen deluxe! Der Club sorgte mit gratis Buffet, Feiermusik (THE DEVIL'S BLOOD zwischen QUEEN und der BLOODHOUND GANG, auch nicht schlecht...), Sekt und diverser anderer delirialer Liquidita für silvesterliche Stimmung. Der Pöbel war ausgelassen. Wunderkerzen. Countdown. 3, 2, 1 - meins!
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Fazit:
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Hell ov a trip, hell ov a night... Ja, mächtig stressig und im Endeffekt auch ein Schweinegeld gelassen, aber kennt ihr das wohlige Gefühl, wenn man trotz allem spürt, dass es sich gelohnt hat?! Und dafür waren vor allem drei schwer gute Bands sowie ein Club mit Wiederholungsgefahr verantwortlich. KILLER!
Grüße an (in order of (non-)appearance): Frau H. (Gute Besserung!), I & V (THE ONE) & magnificent Maggie (& "THE ONE jr." ;P), Caro, TRUPPENSTURM ("Ich bin extra für euch den ganzen Weg gekommen ... Ihr seid doch GRAVE MIASMA?!"), Fago-Frau M. mit dem tollen Musikgeschmack (welch Tautologie) + Begleitung, IMP[eratrix] C. AUG[usta] GER[manica] PM TRIBPOT XXII COS XXII MP (never ever so gut auf einem Konzert unterhalten, so traurig das klingen mag...), Jasmin, Envimos (PARIA) + Begleitung, punkt punkt punkt
P.S.: Grußlisten sind scheiße.
 
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Bilder: T.B. / © Final War Mag.
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