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Stell dir vor es ist ESOTERIC und keiner geht hin! So oder so ähnliche Gedanken liefen durch meinen Kopf als ich an jenem Dienstag erneut die Stubnitz betrat. Ich tat dies, nach kurzfristiger Absage mehrerer Bekannter (aus dubiosen Gründen), in Begleitung von drei Personen, die allesamt über den sehr günstigen Eintrittspreis von 5,- € ebenso erstaunt waren. Im Laufe des Abends gesellten sich noch ca. ein Dutzend zahlender Gäste hinzu. Da muss sich der Veranstalter vielleicht auch mal an die eigene Nase fassen, denn war die Innenstadt im vergangenen Monat mit ENDSTILLE-Plakaten nur so gepflastert, reagierten selbst ansonsten gut informierte Rostocker am Sonnabend vor dem Konzert noch mit „Dienstag? Was ist denn da?“. Was sich nun auf der Stubnitz sammelte, war zumeist sehr alternativ ausschauend, weshalb ich mir gut vorstellen könnte, dass ein Gros einfach mal hineinkam, weil von draußen ein Geräusch gehört worden war. Es bleibt mir schleierhaft, warum es nicht mehr Leute als dieser bescheidene doch wenig erlauchte Kreis auf den Kutter geschafft haben, konnten doch unlängst ENDSTILLE das Schiff zum Überlaufen bringen. Gut, es war Dienstag und ich werde vielleicht nicht der Einzige gewesen sein, dessen Folgetag um 6 Uhr in der Früh beginnen sollte, aber es waren immerhin auch ESOTERIC. Ich will keine unfairen Vergleiche anstellen, aber ESOTERIC und ENDSTILLE, das ist ungefähr so wie ein Seeadler und ein Hühnerei, ein Cadillac und ein japanisches Fließband-Töfftöff, Hugo Boss und ein Nasenbärfurz... Schade. Nunja, da es natürlich nicht pünktlich um 21 Uhr losging, konnten wir noch ein wenig dem Soundcheck folgen und das einladende Ambiente genießen, von dem ich im ENDSTILLE-Bericht bereits schrieb.
Ein ganzes Stück nach 22 Uhr begann dann die Vorband, dessen Namen ich jedoch nicht kenne, was schade ist, war es doch (neben PERSOPHONE) die beste Lokalgruppe, die mir Rostock bislang offenbarte. Das Erscheinungsbild war genauso gewöhnungsbedürftig wie lässig: zwei Rockabillys und ein BMler im DARKTHRONE-Shirt. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, spielten sie „Negative Blues Metal“. Bitte was?! Ja, mir erging es ähnlich, aber besser kann ich es auch nicht klassifizieren. Man könnte es als düsteren Rock/Metal mit Kreischgesang und vorzüglich dunklen Gitarren bezeichnen. Der Gesang war etwas unpassend und der Sänger sah ziemlich komisch dabei aus. Gut also, dass er nur selten seine Stimme erhob. Viel Text scheinen sie jedenfalls nicht zu haben; das Meiste waren inhaltslose Schreie. Hinzu kamen schrille Laute und Gesang vom Band, was zum groovig-rockigen Düsterkram ziemlich geil kam. Für diese „Band ohne Namen“ hatten sich die 5,- € jedenfalls bereits gelohnt.
Pause. Zeit, die Gesäßmuskeln etwas zu entspannen, wobei entspannen das falsche Wort sein dürfte, zumindest in Anbetracht der nicht gerade bequemen Sitzmöglichkeiten. Es waren im Prinzip nur Rohre mit dünnen, weichen Überzügen. Nunja, für einen wahren Metaller kein Grund zur Beschwerde, nicht wahr?!
Nach nicht zu langer Pause stand die lebende britische Doom-Legende ESOTERIC endlich auf der Bühne, obwohl sie sich ihren zweiten Auftritt auf der Stubnitz (nach 1997) sicherlich zumindest besser besucht vorgestellt haben dürften. Nichtsdestotrotz spielten sie eine Show als wäre der Rumpf rappelvoll und führten mir erneut vor Augen, warum ich diese Musik daheim nie höre, aber live sehr geil finde: Es fehlt in den eigenen vier Wänden einfach die Lautstärke. Es fehlt die Wand aus drei Gitarren und einem Bass, das dröhnende Schneckentempo und alles, was deine Körpersäfte durchschüttelt und dein Auge jucken lässt, weil sich durch die Vibration scheinbar die Kontaktlinse zu lösen beginnt. Es war extrem laut und kräftezehrend. Vier Songs wurden auf eine Stunde ausgewälzt, wobei ich die (das kommende Wort lernte ich anschließend) Phasenmodulation besonders hörenswert fand. Selten war das Körpergefühl so verschieden zwischen Musik und Pause. Es fehlt einfach was, wenn das Kribbeln aufhört und die Musiker mal kurz nicht mit ihrer akustischen Apokalypse auf dich herniederprasseln... Schade nur, dass sich die Zahl der Zuhörer kontinuierlich dezimierte, sodass am Ende der Anzahl an Gästen die gleiche Anzahl an Musikern gegenüberstand. Ich will erst gar nicht davon reden, dass in den ersten fünf Metern vor der Bühne bis auf St. (Deviant Rec.) und meiner Wenigkeit nur der hauseigene Kameramann anzutreffen war.
 
 
 
 
 
 
Fazit:
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Schluss des „Privatkonzertes“. Es war 1 Uhr. ESOTERICs Greg verabschiedete das halbe Dutzend mit einem freundlichen Händedruck und einem „Cheers! Thanks for coming!“, die Ohren bluteten und man war für schlappe 5,- € bestens bedient worden. Wie sich eine gestandene Band bei so geringer Würdigung fühlt, möchte ich gar nicht wissen, andererseits verlieh das Ganze dem Abend auch einen gewissen „Insider-Flair“...
 
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Bilder: Torsten / © Final War Mag.
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