DIE APOKALYPTISCHEN REITER / TYR / HÄMATOM
- 07.09.2006 im M.A.U. Club / Rostock -
von Torsten

Herrlich... Vielleicht der erste Konzertbesuch überhaupt, zu dem ich zu Fuß „anreisen“ konnte?! Naja, Tony Marshall auf dem Ribnitzer Fischerfest oder das Weihnachtskonzert der Klasse 4a mal ausgenommen... Mit dem Fahrrad hätte es weniger als halb so lange gebraucht, aber was gibt es romantischeres als mit einer Frau im Arm die laternenumsäumte Rostocker Hafenpromenade entlang zu flanieren. ;)
In Anbetracht des zu erwarteten M.A.U.-Publikums war es mir auch sicherer den Drahtesel, den stets durchsetzungsfreudigen Begleiter im Trubel der Innenstadt, im Keller zu lassen. Bleibt die Frage offen, was einen „Black Metaller“ veranlasst auf ein Konzert mit solch einem Billing zu gehen. Spaß an der Freude? Langeweile? Gruppenzwang? ... Wahrscheinlich eine Mischung aus allem.


Hämatom

Pünktlich um 21 Uhr erschienen wir am hafennahen Club im Schatten der schönen „Georg Büchner“ und HÄMATOM feierten bereits nach 1 ½ Jahren (damals als Vorband zu J.B.O.) ihre Rückkehr an diesen Ort! ... Wer? ... HÄMATOM! ... Nein, keine Ahnung wer dieser Kasperverein ist. Irgendwelche unerträgliche Hüpf-NuMetal-Pogotanzmusik, die ihren großen Vorbildern (SLIPKNOT) sogar die Masken nachaffen. Diese Band adaptiert für ihre Ergüsse übrigens alte Kinderlieder, so wurden wir mit einem gebrüllten „Es tanzt ein Bibabutzemann“ begrüßt. Puppenköpfe flogen durch die Gegend, Sänger hampelt rum ... wir verziehen uns nach draußen.

 


Tyr

Da verblieben wir auch bis TYR die Bühne enterte. Noch nie von denen gehört, wäre es mal lieber dabei geblieben. Ich mag „Viking Metal“ nicht großartig, aber selbst mit anständigem Viking Metal hatte dies nichts zu tun. Der Kastratenchor mit diesen unsäglichen Stimmen sang einem die Krätze in die Ohren. Allen voran die Leadvocals, schrecklich. Die progressiven Songs langweilten, weil/obwohl sie fürchterlich modern waren. Dennoch wurde die anfänglich zurückhaltende Stimmung in der Menge immer besser. Vermutlich, weil die kettenbehemdeten Färöer Insulaner (?) Einflüsse aus keltischer Musik spielen ließen. Bei der „An der Nordsee-Küste“-Version wurde dann mitgeschunkelt und –gesungen. Die ellenlange Zugabe inklusive „Whisky In The Jar“-Cover hörten wir uns nur noch bei frischer Luft von draußen an.


Die Apokalyptischen Reiter

„Reiter“-Chöre riefen lautstark den langerwarteten Headliner herbei. Sie (die Chöre) sollten an diesem Abend noch desöfteren auftreten. DIE APOKALYPTISCHEN REITER nur einmal. Wie auch sonst, hat sie ja schließlich niemand geklont!? ... Auch wenn ich nicht viel von „Spaßmusik“ halte, sind die Reiter schon eine Nummer für sich. Und zwar eine, die über gute Livequalitäten verfügt, das kann man nicht abstreiten. Das Schlagzeug war ausgezeichnet. Klangtechnisch ging der Auftritt allgemein in Ordnung. Ein riesiger Roadie mit langen Rasta-Zöpfen reichte Sänger Fuchs manchmal eine Gitarre, die dieser auch zu bedienen wusste. Und anscheinend konnte nur das ihn bändigen nicht ständig wild auf der Bühne zu toben. Im Zuge seines „Stageactings“ machte der dauergrinsende Glatzkopf vor keiner bekletterbaren Technik Halt. Andere Unterhaltungsfaktoren waren beispielsweise das Einsperren und Fesseln einer Dame aus dem Publikum zum „Doktor“, einem im aufgebauten Käfig hausenden Maskierten (von HÄMATOM?), der die Peitsche schwang. Trommeleinlage, Feuerspucken,... Der markante Reiter-Humor drückte der Show ihren Stempel auf. Musikalisch verursachte der kennzeichnende Kontrast aus sehr brutalen Blast-Parts und hymnisch-epischer Eingängigkeit mit Mitsing-Qualität so einige Moshpits. Auf Platte gelingt das besser, hier sah ich auch irgendwie kein Keyboard?! Oder ich habe mich verguckt... „Vier Reiter stehen bereit“ eröffnete den Reigen, es folgt (wenn ich mich recht erinnere) zum Beispiel „Erhelle meine Seele“ oder „Barmherzigkeit“. „Dschingis Khan“ zum Abschluss, dann verzogen sich die Reiter wieder in ihren luxuriösen Riesen-Tourbus mit jeglichem erdenklichen Schnikschnak.

 

Fazit:

Ich hätte die Zeit auch sinnvoller nutzen können, aber ging schon in Ordnung. Pünktlich zu den live sehr unterhaltenden „Apos“ zu erscheinen, hätte gereicht und mir zwei Ohren-Vergewaltiger erspart. Sei’s drum, wenigstens ein Livereview mehr auf diesen Seiten... Die Tour dauert noch an. Wer an solcher Musik etwas findet, kann beruhigt hingehen.

 

Bilder: -