CARPATHIAN FOREST / TSJUDER / WYKKED WYTCH / E-FORCE / DEBAUCHERY
- 22.01.2005 in Münster/Breitenfeld -
von :corvus:


Debauchery

Aufgrund diverser Umstände kam ich leider 30 Min. nach offiziellem Einlass bei der Live Arena in Münster an. Vor dem Eingang stand eine recht lange Menschenschlange in der Kälte. Anfänglich dachte ich, dass das Konzert noch nicht begonnen hätte, aber weit gefehlt. DEBAUCHERY waren schon mächtig am Spielen. Kurz bevor ich endlich die heiligen Hallen betrat, konnte ich vernehmen dass DEBAUCHERY mit "War is coming" ein SIX FEET UNDER Cover vorbrachten. Ich persönlich bin jetzt kein großer Freund von Death Metal, aber DEBAUCHERY haben mich zumindest musikalisch nicht abgeschreckt. Als ich endlich im Inneren der Halle war, konnte ich glücklicherweise noch die letzten 3 Songs hören. Die Bandmitglieder, welche alle von Oben bis Unten mit Blut beschmiert war, machten eine solide Show. Besonders dem Bassisten, ein in eine Metzgerschürze gehüllter wohlbeleibter Kerl, sah man die Freude am Spiel an. Nach ca. 10 war der Auftritt der Death'er schon vorbei, wobei ich nicht genau sagen kann wie lang sie gespielt hatten.

     

 


E-Force

Nach einer kurzen Pause kamen die kanadischen E-FORCE auf die Bühne. Ex-VOIVOD Sänger Eric Forrest ist hier zugange und spielt mit 3 Mitstreitern guten Thrash Metal. Mir war diese Band bis dato völlig unbekannt, was jedoch meine Aufmerksamkeit nicht minderte. Für mich ist diese Band die Überraschung des Abends. Besonders sind hier die zwei Gitarristen zu erwähnen welche eine wahnsinnige Show hinlegten und fehlerfrei das Griffbrett rauf und runter flitzen. Fast ausnahmslos bangten sind, teilweise hüpfte einer der beiden einem Flummy gleichend über die Bühne. Der Schlagzeuger trommelte sich die Seele aus dem Leib und zeigte keine Schwächen. Und zu guter letzt sei auch der Sänger erwähnt, der in guter Trash Manier ins Mirko kreischte. Nach um die 30 Minuten waren auch diese Vertreter wieder am Ende ihrer Vorstellung anbelangt, schade eigentlich.

           

 


Wykked Wytch

Als nächstes stand WYKKED WYTCH an. Kurzer Soundcheck der Band und aus dem Backstage bereich kam die Sängerin auf die Bühne stürmt und schrie was das Zeugt hält. Das Publikum stand etwas ratlos und lächelnd im Raum und schaute ungläubig auf die Bühne. Was sich dort abspielte war jenseits von Gut und Böse. Was WW genau für eine Musik machen vermag ich nicht zu entscheiden. Fakt ist, dass es sich nach einer Weichspül-Version von CRADLE OF FILTH an. Ein paar BM Riffs, ein paar Trash Riffs, eine kleine Prise Death Metal und viel zu viel Keyboard und nerviges Rumgekreische und Rumgesinge. Nun zurück zur Bühnen Präsents; WYKKED WYTCH bestehend aus einer zu alt geratenen Zwergin mit ein paar Musiker um sich. Höhe Punkt der Humoristischen Veranstaltung war, als sich die in Lack und Leder gepellte Ipek (wie sich die Sängerin bezeichnet) vor lauter Ekstase auf den Boden warf und dort rumzappelte und mit den Fäusten auf den Bühnenboden trommelte. Leider hatte sie danach das Problem, dass sie nicht mehr von den Knien aufstehen konnte und musste sich am Mikroständer hochziehen. Und was sagt uns das? - Wenn man über 40 ist, ist Schluss mit Lustig und Ipek scheint wohl die 50 auch schon vollendet zu haben. Selbst Rufe a la "Dieburg, come on. Come here on the Floor, you Pussy." halfen nicht das Publikum auf nur Ansatzweise dazu zu bewegen einen Schritt in Richtung Bühne zu betätigen. Nach der Aussage, dass der letzte Song gespielt wird, wurde laut geklatscht was die Meinung des Publikums eindeutig zeigte. Leicht eingeschnappt verlies Ipek samt Band die Bühne und ward den Rest des Abends glücklicherweise nicht mehr gesehen.

           

 


Tsjuder

Nun betraten TSJUDER die Bühne. Dieses Dreiergespann, bestehend aus Nag (Bass und Gesang), Draugluin (Gitarre und Gesang) und Anti Christian (Drums), ist in der Black Metal Szene wohl bekannt und man hoffte, dass sie die vorangegangene Flaute entschädigen können. Ein brachiales Gewitter überflutete schlagartig die Halle als TSJUDER mit ihrem Set anfingen. Fast durchweg wurde dem gespannten Zuhörer die Highlights der Band um die Ohren geprügelt. Songs wie "Lord of Terror" oder "Mouth of Madness" überzeugten auf ganzer Linie. TSJUDER mussten nicht aufrufen um die Hörerschaft zu motivieren, dies tat allein ihre Treibende musikalische Kraft. FAEN (norwegisch für Hölle) war groß auf Nag's Bauch geschrieben und genau das wurde hier auch entfacht; selbst der kurze Stop als Draugluin's Gitarrenseite riss und er schnellstmöglich eine Ersatzklampfe holte konnte dem entfachten Feuer nichts anhaben. Höhepunkt war für mich das gut dargebotene "Sacrifice", eine BATHORY Coverversion, welche von beiden Frontmännern, sprich Nag und Draugluin, im Wechsel gesungen wurde. Der Sound war wirklich gut und Anti Christian trommelte sich die Seele aus dem Leib, leider war dieser Akt viel zu schnell vorüber.

           

 


Carpathian Forest

Nach TSJUDER hat CARPATHIAN FOREST nicht lange auf sich warten lassen, aber irgendwie hatte ich was anderes erwartet. Nattefrost, Kopf der Band, kam anscheinend betrunken auf die Bühne gewankt und begann den Auftritt mit einem "Are you ready for TRUE NORWEGIAN BLACK METAL?", OK, dies allein wäre jetzt kein Grund etwas missmutig über die Ganze Sache zu denken. Sein Outfit wollte so gar nicht zum gewohnten "Black Metal Auftreten" passen, ein mit Blumen bedrucktes Tuch war um seinen ganzen Körper gewickelt und endete in einem Rock. Die Brustwarzen waren aus diesem Tuch frei geschnitten. Irgendwie wirkte es doch sehr lächerlich. Ich konnte mich jedoch nicht entscheiden wer lächerlicher aussah, denn Vragsinn, der Bassist, hatte zudem noch einen plüschigen roten Weihnachtsmannmantel um. Über all dies hätte man eventuell noch hinwegsehen können, aber als Nattefrost ansetzte und zu "singen" begann war für mich das Bild von den "Through Chasm, Caves and Titan Woods"-CARPATHIAN FOREST komplett zerstört. Kein Black Metal typischer Gesang war zu vernehmen, nein, vielmehr schrie Nattefrost Hardcore-like ins Mikro. Es hätte nur noch gefehlt, dass er sich ein Megaphone holt damit seine Stimme wenigstens ein wenig verzerrt ist. Das ständige "AVE SATANAS" nervte mich zusätzlich. Dazu kam, dass Herr Nattefrost seinen Mitstreitern, ständig an die Hintern fasste und dies wohl auch noch toll findet. Zwischen durch hab er auch seinen selbstgewickelten Rock um jedermann zu zeigen was für einen tollen CARPATHIAN FOREST STRING (!!!) er an hat. Einfach nur widerlich. Es ist wirklich traurig wie man Lieder wie "Knokkelmann" und "He's turning blue" so versauen kann. An dieser Stelle frage ich mich, was aus dieser Ausnahme Band geworden ist? Musikalisches Potential hat Nattefrost und seine Spielgesellen ja, aber muss man den Black Metal wirklich derart in den Dreck und ins Lächerliche ziehen? Für mich ist CF an diesem Punkt gestorben und ein weitere einst großartige Band ist "verschwunden".
Unverständlicher Weise rief das Publikum sogar nach Zugaben, welche die Band erfüllte. Das Verhalten der Hörer kann ich mir nur so erklären, dass es schon spät war, und der Alkoholeinfluss immens. Außerdem scheinen sie CF nicht wirklich zu kennen, sonst hätten sie sich anders verhalten. - Oder liegt es daran dass unser eins schon zu alt für diesen Zirkus namens TRUE BLACK METAL ist?

           

       

 

Bilder: :corvus: / © Final War Mag.