"Calling For Battle pt. VII"
- 03.11.2007 im Lindenhof / Ellrich -
von Torsten

„Ole ole, wir fahr’n in’ Puff nach Bazzelona!“ ... so oder so ähnlich kann man sich die Geräuschkulisse auf unserer Fahrt zum siebten „Calling For Battle“ vorstellen. Merke: Bahnverbindungen heraussuchen, die sich mit zwei Fussballspielen überschneiden, ist denkbar ungünstig! Wie dem auch sei, nachdem wir unseren Begleitern in Hamburg dann Lebewohl gesagt hatten und zur Genüge mal wieder beobachten mussten, dass die Deutsche Bahn auch nach vielen Jahren und noch mehr Massenveranstaltungen hemmungslos überfordert ist, erreichten wir irgendwann das beschauliche Ellrich.

Die Laune konnte eigentlich nur besser werden... Nungut, damit war ich wohl auf dem Holzweg, immerhin gab es so einige Probleme mit einem vollkommen inkompetenten Soundmann. Schließlich übernahm Greg von ESOTERIC freundlicherweise das Mischpult und nachdem so ziemlich alles umgesteckt wurde, was umgesteckt werden konnte, war zwei Stunden nach geplantem Beginn der Sound dann auch so weit in Ordnung, dass NEITHAN loslegen konnten...


Neithan

NEITHAN hatte ich bislang nur ein Mal gesehen, und auf einem Festival sind die Verlockungen und Abwechselungen natürlich größer, sodass nicht viel hängen blieb. Diesmal verdankten sie wohl der kleineren Halle und der späten Stunde, dass auf jeden Fall mehr Interesse für die Berliner aufgebracht werden konnte. Sie spielten atypischen und abwechselungsreichen Black Metal, bzw. „Nihilistic Black Art“, wie es sich die junge Band auf die Fahnen schreibt. Dass dies nicht jedermanns Geschmack ist, war im Vorfeld klar, doch passte ihr komplexer Stil ganz gut ins Konzept des Abends. Den Protagonisten merkte man jedenfalls ihre Leidenschaft an und der Sänger verausgabte sich, wie es nur möglich war. Auf der „Notes From Nothingness“ MCD gefällt mir die Band jedoch immer noch besser. Vor allem die zweite Stimme klang live sehr quängelig und albern. Ansonsten aber solider Auftritt!

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Gheestenland

GHEESTENLAND machten sich selber wohl durch den Gig in Leer ziemlich interessant, waren doch die Reaktionen durchaus positiv. Mit einer Fahne im Gepäck, die schließlich jedoch nur den unschönen Platz auf der Treppe zur Bühne ergatterte, schmetterten die Holländer mit ihrem „NLBM“ gehörig los. Der Sound erinnerte stark an GORGOROTH, vor allem der Sänger keifte sich die Seele aus dem Leib wie es Pest zu „pesten“ Zeiten tat, bediente sich dabei sogar einer noch theatralischeren Bühnenpräsenz. Flüssig, schnell und verdammt aggressiv konnte GHEESTENLAND sicher für eine Überraschung sorgen!

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Suicide Solution

Es folgten SUICIDE SOLUTION. Nach so einigen Auftritten in den vergangenen 12 Monaten kann ich nicht behaupten, dass mein Interesse sonderlich groß war, aber immerhin war es das letzte Konzert für eine längere Zeit, da der Drummer die Band leider verlassen muss. So gab es zum vorerst letzten Mal suizidalen Black Metal in Form von „Misanthropic Dreams“, „Cold Chamber“ und wie die Vorzeigesongs der Magdeburger alle so heißen. Es war einer der besseren Gigs von SUICIDE SOLUTION und auch die Resonanz ließ nicht lange auf sich warten. Sänger C.K. schnitt sich blutig wie sonst was, was im roten Licht jedoch etwas unterging. Ein sehr langer, monotoner und intensiver, neuer Song beendete auch diesen Auftritt...

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Esoteric

Zeit war es für die Headliner. ESOTERIC spalteten sodann auch gleich die Gemeinde von rund 95 Gästen in die Lager „Daheim kann man es sich ja in ruhigen Stunden antun, aber live... laaangweilig“ und dem, dem ich mich anschloss: Zu Hause ist Doom Metal nicht meine Welt, aber live waren zumindest ESOTERIC saugeil! Mit einer wahren Front von drei Gitarren, einem Bass und dem Keyboard dröhnten die Briten so tief, dass man seine Eier festhalten musste. Selten war der Unterschied so groß, eine Band aus der Ferne und „rein akustisch“ zu vernehmen, und direkt vor der Bühne zu stehen. Satte 90 Minuten, was in ESOTERIC-Maßen vllt. 5 Liedern entspricht, spielten sie voller Leidenschaft und ernteten zwar verständlicherweise wenig Headbangen, aber umso mehr ehrlichen Applaus. Sänger Greg stand im starren blauen Licht selten regungslos und bot einen Kontrast zur monotonen und statischen Musik, wobei er und seine Saiteninstrument-Kollegen ausschweifend die riesigen Pedals betätigten, die wahren Computern glichen. Selten habe ich so etwas düsteres live erlebt!

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Forgotten Tomb

Manche empfanden es vllt. nicht als gerechtfertigt, dass FORGOTTEN TOMB, die ach so faschistoide Band inkl. Asiaten, nach dieser Death/Doom Legende den Headliner machen darf, aber es waren ohnehin hauptsächlich Black Metaller vor Ort, sodass die Entscheidung merklich in Ordnung ging. Gegen zwei Uhr begann dann auch der beste FORGOTTEN TOMB Auftritt, den ich bislang (insgesamt drei) erleben durfte. Der Sound war nicht so gut wie beim UMM, aber dafür gab es andere Vorteile: der dunkle, verrauchte Club, die dezente Beleuchtung und ein Publikum mit einer kleinen Headbang-Reihe, das die Band zwar feierte, aber dennoch keinen Groupie-Anschein machte, sodass die Stimmung zur Musik der Band besser denn je passte. Die Negativität von Liedern wie dem Opener „Negative Megalomania“, „Alone“, „Disheartenment“ oder der Zugabe „Death Obsession“ (scheinbar freute man sich besonders auf Lieder der „Springtime Depression“) konnte sich wunderbar entfalten. Ein Gig, der kürzer wirkte, als er war, und noch zu später Stunde ein Großteil des Publikums fesseln konnte.

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Fazit:

Einem Haufen widerer Umstände zum Trotz war es bandtechnisch ein mehr als befriedigender Abend im Zeichen der Negativität, Selbstverletzung und Razierklinge!

Übrigens auch (mal wieder) alles friedlich, abgesehen von einem Öpi, der hier wahrscheinlich jeden Tag sein Bierchen trinkt, und die "0,50 €" unter dem Button für den Eintrittspreis hielt. hehe Aber das interessiert unsere liebsten Freunde und ihre immer uninspirierteren Artikel wohl wieder nicht...

 

Bilder: -