"Calling For Battle pt. II"
- 27.05.2006 in ... -
von Torsten

Das "Calling For Battle" geht in die zweite Runde. Relativ kurzfristig wurde schon zwei Monate nach dem ersten Teil ein zweites, wie ich finde sehr ansehnliches Line-Up rekrutiert, peripher auch um einen Teil des Minus aus dem ersten Konzert wieder reinzuspielen. Schön gedacht, aber daraus wurde es auch nichts, da nichteinmal all diejenigen, die zuvor mit einer Reservierung ihre Teilnahme im Prinzip sicher zusagten, im Endeffekt wirklich kamen und Eintritt zahlten. Pech für uns, aber auch Pech für sie, denn ein (trotz aller Geschehnisse) zumindest sehr denkwürdiger Abend ging ihnen durch die Lappen...
Aber beginnen wir am Anfang. Nach über zwei Stunden Verspätung nahmen wir gegen 19 Uhr endlich den 16 Mann starken Trupp aus Osteuropa in Empfang, die schon zu diesem Zeitpunkt ziemlich einen im Tee hatten. Obligatorisch, dass sich das Konzert schließlich um ebenfalls fast zwei Stunden verzögerte...
Auf auf zum Club und auch wenn die Lokalität nicht ganz in meinem Interesse war (aber dazu am Ende mehr), gefiel mir zumindest die recht familiäre Atmosphäre im Vorfeld. Fleisch und Wurst, frisch vom Grill, begünstigten dies natürlich.


Suicide Solution

Es waren die Kontraste, die SUICIDE SOLUTIONs Eröffnungsauftritt so interessant machten. In erster Linie bot die einzig ungeschminkte Band des Abends eine kranke Variante suizidalen Black Metals. Ein hasserfüllter Batzen Schwarzmetall, dem getreu des Bandkonzeptes auf der Bühne durch massig Blut und Malträtierung der eigenen Oberarme Nachdruck verliehen wurde. Ein Höhepunkt war sicherlich als Sänger Cyankali Carsten seinen Körper während "Misanthropy Dreams" mit in Tüchern eingewickelten Glasscherben geißelte. Der Beutel platzte schließlich und das gesamte Altglas flog dem Schlagzeuger um die Ohren. Gesanglich boten die kranken Schreie Carstens zusammen mit den sehr hohen und lauten Hintergrundattacken KopfschussKojaks (was für Künstlernamen...) ein passables Duo ab, auch wenn die Backgroundvocals für meinen Geschmack zu laut waren. Der Kontrast, den ich eingangs erwähnte, bildete sich durch die Kombination von räudigem und technisch ordentlichem Auftreten. Das herausragende Schlagzeugspiel war schnell und präzise, manche Riffs kamen verblüffend melodisch und eingängig. Die Bandhymne "Suicide Solution - Kill Yourself" war ebenso wie das abschließende Cover ein Liebling des Publikums, das, wahrscheinlich aufgrund der Verzögerung sehr livehungrig, vielzahlig dem Spektakel beiwohnte. Live klangen SUICIDE SOLUTION jedenfalls wesentlich besser als auf Band.

       

 


Kankra

Die "Lokalhelden" von KANKRA folgten nicht minder schlecht. Im Gegenteil, ihr flotter Black Metal sorgte von Beginn an für ordentlich Stimmung. Die Leipziger packten in ihre teils eingängigen Stücke eine große Portion Spielfreude. Für mich war es die erste Begegnung mit KANKRA, da sich Spielmöglichkeiten außerhalb ihrer Umgebung wohl bislang selten ergaben. Definitiv aber eine lohnenswerte Erstbegegnung. Viel mehr kann ich auch nicht berichten, von hinten sah man eh nicht viel, höchstens das hochschwingende Haupthaar von Sänger Agony.

             

 


Nachtfalke

Mit NACHTFALKE betrat die dritte und letzte deutsche Band dieser Zeremonie den ausgebauten Dachboden. Um ehrlich zu sein erachtete ich es nicht als sonderlich notwendig innerhalb von zwei Monaten das dritte Mal diese Gruppe zu sehen, die aber nach einhelliger Meinung von Anwesenden wohl wieder einen erstklassigen Auftritt bot. Auch wenn durch das "beherzte" Agieren im Publikum ein Effektgerät kaputt ging. Aufgrund der beschränkten Räumlichkeiten musste leider auf eine Feuershow verzichtet werden. Aus Sicht von NACHTFALKE sicher nicht der beste Auftritt ihrer Karriere, nunja...
Die Band bat mich darum keine Bilder von ihrem Auftritt zu veröffentlichen.

 


Moontower

Polnische Verhältnisse beim "Calling For Battle"! Nach langer, technisch bedingter Verzögerung rumpelten die Polen von MOONTOWER dann erstmalig über deutsche Bühnen. Dreckig, räudig und brutal klangen sie, chaotisch zum Teil sogar. Diese ungezügelt verruchte Darbietung hatte aber seinen Reiz, und so wunderte es mich nicht als nach ein bis zwei Songs Stimmung aufkam. Gut, Pogen bei Black Metal ist das Letzte, aber als Veranstalter ist man halt froh wenn es dem Publikum zu gefallen scheint. Bald aber nahm das Ganze eine hässliche Eigendynamik an... Insbesondere der Hauptprovokateur des Abends, INFERNO-Sessionbasser vom Dienst (nach diesem Abend nicht mehr), legte seine stupide Hooligan-Attitüde weiter an den Tag. Er prügelte unverhohlen auf die Musiker ein, schnappte sich das Mikro um etwas hineinzubrüllen und dann wieder im hohen Bogen durch den Raum zu schleudern... Mit Pogen hatte das ganze Schauspiel im vorderen Bereich auch nicht mehr viel gemein. Da flogen Fäuste, Ellenbogen und Karatekicks unkoordiniert von einer Fresse in die andere. Nach ca. 15 Minuten breiteten sich die Tumulte schlagartig im gesamten Raum aus, sodass ich zur Sicherheit der Technik vorsichtshalber die Videoaufnahme abbrach. Schön aber zu sehen, dass unser Publikum nicht aus Weicheiern bestand und jemanden, der derartig wilde Sau spielen muss, nicht duldete. So landete die ein oder andere Faust sowie Flasche am Kopf des Störenfrieds und die Entfernung aus dem Konzertraum wurde schließlich auch durchgezogen... MOONTOWER selbst störten sich an dem Geschehen wenig und zogen ihr Programm durch, wenngleich sich die Publikumsreaktion (Applaus meine ich) in Grenzen hielt.

                 

 


Inferno

Durch das viele Gequatsche wie (und OB) es nun an diesem Abend weitergehen sollte, ging nicht nur der Rest von MOONTOWER sondern auch der kurze Besuch durch Polizei und Fernsehteam unbemerkt an mir vorbei. (... mittlerweile lief bei "Panorama" im ARD ja eine ziemlich einseitige Berichterstattung!) Abgesprochen wurde nun eigentlich, dass INFERNO ohne Bass spielen, da der untragbare Wüterich in den Bus gesperrt werden sollte. Warum auch immer es nicht klappte, schließlich bereiteten sich alle auf den bevorstehenden Gig vor. Irgendwann betrat ich dann mal wieder den Konzertraum und siehe da, INFERNO begannen bereits zu spielen! Durch die gute Schalldämmung vernahm man von außen nie etwas von der Musik im Inneren. Vor unwahrscheinlich wenigen Leuten entfachten sie ein (ohje) Inferno sondergleichen. Langsam füllte es sich doch wieder und mehr und mehr Personen kamen in den Genuss von ganz eigenem Tschechen Black Metal voller Wucht und Energie. Sänger Adramelech schien top motiviert, wenngleich der Band das Verhalten ihres ehemaligen Sessionmitgliedes selber peinlich war. Jenes kam nicht davon ab zu provozieren, den Bass abzulegen und mitzupogen oder sich als Bandboss aufzuspielen, indem er sich noch vor dem Sänger in der Mitte der Bühne breit machte. Leider bat mich der MOONTOWER Sänger während des Auftrittes nach draußen um mir dann lang und breit zu erklären, dass es bei ihnen eine kumpelhafte Bezeugung ist sich selber die Köpfe einzuschlagen und dass Konzerte in Polen immer so liefen. Schade, so vernahm ich nur aus dem Nebenraum das MASTERS HAMMER-Cover "Geniove". Auch wenn es die Band anders empfand, das was ich sah, war purer und gewaltiger Black Metal einer des besten Bands aus unseren östlichen Nachbarländern.

                 

 

Fazit:

Das zweite "Calling For Battle" dürfte sicherlich zu den heftigsten Black Metal Konzerten der jüngeren Vergangenheit zählen. Einige Randbedingungen passten mir nicht so ganz, sei es das Publikum oder die Lokalität, die leider unser Prinzip von unpolitischen Veranstaltungen nicht verinnerlichten. Aber was bleibt einem schon groß übrig, wenn von "normalen" Sälen ständig Absagen kommen. In gewisser Weise forcieren antifaschistische Organisationen durch ihr Tun also eine Verschmelzung der Szenen, die sicher nicht in unserem Interesse war.
Alle Randbedingungen vernachlässigend gilt das Schlusswort aber dem künstlerischen Aspekt, und hinsichtlich der Musik haben wir, denke ich, wieder das Ziel erreicht keinen einzigen Ausfall dabei zu haben! Jede Band hat auf ihre Weise überzeugt und auch klangtechnisch war es diesmal richtig gut.

 

Bilder: diverse Quellen / © Final War Mag.