CALLING FOR BATTLE pt. I
...striving for victory...

- 25.03.2006 in ... -
von Torsten

Muhaha, es fand trotzdem statt, ihr Spinner!
Und falls es euch interessiert: Es war KEIN Abend der fliegenden rechten Arme, kein Auflauf von glatzköpfigen Parteimitgliedern, kein inflationärer Parolen-Kanon. Nein, es war ein undergroundiges Black Metal Konzert! Und das sahen schließlich sowohl Clubbesitzer als auch anwesendes Ordnungsamt ein.
Es war nicht einmal die paranoide Hetze unser werten Freunde, die die Perfektion des Abends am wenigsten begünstigte. Aber es ist dann wohl ein Symptom der enorm kurzfristigen Verlegung, dass lediglich ca. 90 zahlende Gäste den Weg zur Lokalität fanden. Nicht eingerechnet die Senioren der Geburtstagsfeier über uns, die ab und an mal reinstrahlten (Gruß an die ältere Dame, die VITSAUS toll fand! :) ). Zwei weitere unglückliche Faktoren: Der enorm laute und die meiste Zeit breiige Klang (A. machte das beste aus der dürftigen Technik!) in Zusammenhang mit den reichlich vorhandenen Sitzgelegenheiten verhinderte ein Aufkommen von Menschenmassen vor der Bühne. Sei es drum...

 


Mørkriket

Dank langwieriger Ausweiskontrollen und Gesprächen mit dem Ordnungsamt verzögerte sich der Beginn der Veranstaltung schließlich um mehr als zwei Stunden, doch dann standen MØRKRIKET vor den Leuten. Völlig unpassend zur spaßigen Karnevalsdekoration der Lokalität boten sie finstren "Old Northern Black Metal". Die meisten Songs stammten vom "Hassgard"-Album der Kieler, was ja auch der beste Output der Band ist. Pur und rau! Gelungener Auftritt!

         

 


Krater

KRATER waren Black Metal in Reinkultur. Eine Doppel-Fackel erhellte die Bühne, die den ganzen Abend zumeist aufgrund fehlender Lichttechnik sehr dunkel blieb. Dazu Blut, Nieten und Schwarzmetall voll Hass und Überzeugung. Mit Ansprachen, die auch mal "ihr Fotzen" beinhalteten, machten sie ihrem Unmut über mangelnde Publikumsresonanz Luft. Sie hätten jedenfalls mehr Aufmerksamkeit verdient; dieser Meinung bin nicht nur ich.

               

 


Holmgang

Die Frustration, dass sich kaum jemand auf 5 Metern der Bühne näherte, merkte man den sympathischen Dänen nicht an. Die weite Anfahrt aus dem Norden lohnte sich dennoch. Routiniert spielten sie Song um Song ihres Sets runter und zelebrierten schnellen, hasserfüllten Black Metal. Melodik schlich sich hintergründig, aber spürbar ein und bot somit genügend Abwechselung. Da gibt es absolut nichts zu meckern; gute (Live-)Band!

             

 


Vitsaus

Von mir vielleicht am heißesten ersehnt, und nun auf der Bühne während ein Intro die Spannung steigen lässt: VITSAUS, diese geheimnisvolle Truppe aus Südwestfinnland, bei ihrem allerersten Auftritt außerhalb ihres Heimatlandes, unterstützt von einem NEUTRON HAMMER Mitglied! Ein unveröffentlichter, unbetitelter Song riss sofort die Atmosphäre an sich. Dies sollte nur der Beginn eines genialen Sets mit all den anbetungswürdigen Knallern der Demos, inkl. "Kuolemasi", "Kun Loinen Lihasta Kannettiin" und fast ganz zum Schluss mein Lieblingsstück "III", und einem Titel der EP ("Kuolema") werden. Die okkulte Ausstrahlung dieses puristischen Gigs und seiner schweigsamen Protagonisten war enorm fesselnd. Dem schmerzverzerrten Gesicht des Sängers entrannen diese spitzen, leblosen Schreie, die verteufelt unter die Haut gingen. Leider gingen einige Feinheiten soundbedingt im Brei unter, sodass z.B. das geile Anfangs-Riff von "II" ja fast ILDJARN-Bounce bekam. Trotzdem war dies auf gewisse Weise der Innbegriff eines okkulten (und wenig klischeebehaftetem) Black Metal Auftritts! ... und wenn ich nicht am Bangen war, so konnte man während des gesamten Auftrittes sicherlich ein stolzes Lächeln auf meinem Gesicht sehen... Stolz auf die Erfüllung des ganz persönlichen Wunsches diese Ausnahmeband in Deutschland zu präsentieren! Vom Unglück verfolgt riss allerdings eine Gitarrensaite gerade im letzten Stück, das dieses Ritual perfekt gemacht hätte: "Sinful Fleshspear" von MALIGN! ... Ein Heil an VITSAUS, die diese beschwerliche Reise und die damit verbundenen Strapazen auf sich nahmen und dem deutschen Publikum mal zeigten wie ein Gig voll schwärzestem Hass elektrisieren kann!

                   

 


Kriegsmaschine

In atmosphärischer Hinsicht konnte die Finnen wohl keiner mehr toppen, doch ungeirrt jedweder Vergleiche machten dann KRIEGSMASCHINE ihrem Namen alle Ehre! Mit wahnsinniger Zerstörungswut walzten die drei Polen alles platt, was nicht bei drei auf den Lampingons war. "B.T.S." traf die Meute, die sich seit VITSAUS dann doch vermehrt im vorderen Bereich tummelt, mitten ins Gesicht. KSM hatten den besten Sound des Abends, da hier einfach der nötige Druck hinter war. Fast hektisch wechselten sich die Sänger ab, wurden über "Ma'esh Bereshit" und "Thousand Voices" immer kraftvoller... Der Höhepunkt dieser Schlacht stand aber, wie erwartet, am Ende: urplötzlich rumpelt das VON-Cover "Satanic Blood" aus den Boxen! In einer wahnsinnigen Geschwindigkeit, dennoch dem okkulten Original gerechtwerdend ... "Satanic Blood! Satanic Blood!! Satanic Blood!!!" ... immer wieder... Absolut geil!

                 

 


Nachtfalke

Es schien kein großes Geheimnis zu sein, dass NACHTFALKE der "special guest" ist. Spätestens als "Valhalla" vom "Doomed To Die"-Album ertönte, war alles klar. Leider schritt meine Müdigkeit (immerhin seit über 20 Stunden wach und hunderte Kilometer gereist) eilig voran, sodass ich nicht viel mitnehmen konnte. Es besteht aber kein Zweifel, dass NACHTFALKE das mittlerweile arg angeheiterte Publikum vollkommen im Griff hatte. So eine Stimmung hätte ich mir den ganzen Abend gewünscht! Sie lieferten einen sehr atmosphärischen Auftritt inkl. Feuerspuck-Einlage und einem Sänger, der eine wunderbare Figur auf der Bühne macht. Nachdem sie mit dem BATHORY-Cover "Woman Of Dark Desire" die Bude schon mächtig zum Kochen brachten, erreichte die Stimmung schließlich mit "Hail Teutonia" seinen absoluten Höhepunkt. Es folgte noch "Praise The War" und dann war nach 4 Uhr (Zeitumstellung eingerechnet) schließlich aus die Maus!

                   
           

 

Fazit:

Sieht man von dem finanziellen Minus, den grauen Haaren und schlaflosen Nächten während der Vorbereitung, dem Sound und der unverschuldeten Verzögerung ab, war es im Großen und Ganzen ein wunderbares Black Metal Konzert! Keine der Bands war schlecht, jede konnte auf ihre Art überzeugen. Zu guter Letzt rundete die familiäre Atmosphäre diesen Abend ab. Denn zumindest über ein paar Ecken kannte wohl jeder jeden... Ich hoffe bei kommenden Attacken folgen mehr Krieger dem Ruf zur Schlacht!

Mehr Live-Bilder gibt es unter: www.calling-for-battle.de.vu .

Bilder: diverse Quellen (Danke!) / © Final War Mag.