Barther Metal Open Air 2007 - Festivalbericht
von Torsten

„Das BMOA 2007 – oder: Warum ich Mixed Metal Festivals wie PartySan und co. meide“ ... Der Untertitel suggeriert es schon. So wirklich warm werde ich mit Großveranstaltungen des Metal Potporrees immer noch nicht. Zu eklatant wird einem vor Augen gehalten, dass Metal eigentlich doch Loser-Musik ist. So streunen KRISTALLNACHT-Hemden und ABSURD-Aufnäher nebst verlausten Partypunks, Emos sowie Hobbymetallern, und man muss JUDAS ISCARIOT-Shirtträger beobachten, die zu dauergrinsenden Spaßmusikanten abgehen als hätten sie sich ihre Shirts aufgrund des schönen Schnittes ausgesucht. Wie dem auch sei, Barth liegt im Vergleich zu anderen Festivals nahezu vor der Haustür, eine Handvoll Bands konnten ihre Anziehungskraft entfalten und die Möglichkeit bei Hotel Mama einzukehren, um ein selten wenig strapazierendes Festival zu erleben, boten sich mehr als an... Aus der Laune heraus also ein paar Worte zum diesjährigen BMOA. Jedoch habe ich jetzt keinen Bock für jede Band das Logo herauszusuchen, und da meine Kamera immer noch in der Reparatur ist, gibt es nur einen gestauchten Augenzeugenbericht.

Freitag, 17. August 2007

Nudeln mit Hackfleischsoße. Nirgends besser als bei Mutti. Entsprechend gestärkt lockte der kostenlose Warm-Up-Freitag mit einem Überraschungsheadliner, aber dazu später mehr... DARK ACCEPTION... oder (weil Untertitel so schön sind): das kotzgrüne Antlitz des Lokalpatriotismus. Es bedarf schon eines geringen Anspruchs an sich selbst, einer Band zuzujubeln, nur weil sie aus der gleichen Region kommt. Anders kann ich mir das zahlreiche Erscheinen und den feierlichen Jubel bei einer so grottenschlechten Nachwuchs-BM-Band nicht erklären. Den Mut sich auf die Bühne zu stellen in allen Ehren, aber das war mehr als Verlegenheitsapplaus, das waren frenetische Dorftrottel mit unangebrachtem Lautstärkepegel.
Von ANCIENT EXISTENCE (Death Metal) weiß ich nur noch, dass sie den Opener spielerisch weit voraus waren, und dennoch reichte es nicht, um hängen zu bleiben...
Es folgte mit REQUITAL dann aber endlich eine sehenswerte Band. Schneller, brutaler Death Metal wie er sein soll. Ja, das gefiel, und erstmals hatte man das Gefühl, dass eine erwachsene Band auf der Bühne stand...
Nun enterten (alle Jahre wieder) HELS CRUSADE, die Band des Veranstalters, die Bühne. Wieder dieser Lokalpatriotismus, der sich zunehmend auf die Person des Frontmannes beschränkte. Immerhin damit gerechtfertigt, dass er das komplette Festival allein aufzieht. Mit dem Viking/Death/Black Metal Mix der Truppe kann ich jedoch auch nach dem 4767363. Mal nichts anfangen.
Es folgten die kurzfristig für FALAFEL (oder so) aus Italien eingesprungenen Deutschen von ASMODI. Nur kurz schaute ich mir die Band an, um festzustellen, dass das Bühnengeschehen nicht sehenswerter wurde.
Beim Headliner dann eine kleine Besonderheit: Nach der kurzfristigen Absage einer wahrscheinlich ebenfalls nichtssagenden Band genügten wohl zwei, drei Telefonate, und der Hauptact des Freitags war gebucht: SUICIDE SOLUTION. Die Band wollte nicht wirklich passen, spielte aber ein gutes Set, standesgemäß begonnen mit „Misanthropic Dreams“, des weiteren „Cold Chamber“, „Kill Yourself ... Suicide Solution“, und wie sie nicht alle heißen. Vor so vielen Leuten spielten die Magdeburger wohl noch nie. Es war vor allem ein amüsanter Anblick sechsjährige Mädchen auf den Schultern ihrer Väter direkt vor der Bühne zu sehen, die zu CyankaliCarstens blutigen Schneidespielchen abgingen. Lustig!

 

Samstag, 18. August 2007

Schnitzel mit Mischgemüse und Kartoffeln. Wenig Zeit blieb für einen Verdauungsspaziergang, denn obwohl wir BITTERPIECE bereitwillig verpassten, lockte immerhin HELRITT als nächstes mit einer anständigen Veröffentlichung („Trotzend dem Niedergang“) im Rücken. Ihr Viking Metal erfuhr eine gute Liveumsetzung, insbesondere der Gesang kam dem des Albums sehr nahe, was besonders bei klaren Passagen anderen Bands live bekanntlich nicht immer so gut funktioniert. Beeindruckend war es nicht, aber ich bereue nicht sie mitgenommen zu haben.
SINNERS BLEED aus Berlin stellten mit deftigem Death Metal und Gesang a la Klospülung einen derben Bruch dar. Mir gefiel es ganz gut, aber nach einer Weile wurde das Gebolze dann doch irgendwie ermüdend.
FJOERGYN, ohje... Studentenband, die Frauenmetal spielt?! Anders als so manch weiblicher Festivalbesucher war das rosarote Rosenbett, das FJOERGYN mit sehr poetischem Folk Metal bauten, überhaupt nichts für mich. Gute Musiker und Dichter, keine Frage, aber für das Gesülze war und ist mein Östrogenspiegel bei weitem zu niedrig.
Auch ORLOG konnten mich leider nicht überzeugen. Die „Reinigende Feuer“ ist ein gutes Album, live jedoch empfand ich die Band relativ langweilig. Das SATYRICON-Cover („Mother North“) war in Ordnung, im Übrigen auch das einzige Cover, das auf dem Festival gespielt wurde (zumindest das ich mitbekam), mal abgesehen von SIX FEET UNDERs „Graveyard Classics“, die als Pausenmusik nun schon seit Jahren rauf und runter laufen...
Durch einen Tausch in der Running Order stand nun plötzlich schon eine seltsam verlotterte Jahrmarkts-Musikanten-Gruppe aus dem ortsansässigen Flohzirkus auf der Bühne... nein, wartet, es waren doch ELUVEITIE aus der Schweiz. Nach gefühlten 3 Stunden Soundcheck folgte ein Set von gefühlten 5 Stunden Kaspermusik voll apokalyptischer Fröhlichkeit. Dabei war das ausschweifende Stimmen und Testen vollkommen für die Katz, da vor lauter Flöten, Dudelsäcken, Gitarren, Drehleiern und Hastenichgesehn nur chaotischer Matsch über blieb, dem man kaum Melodien entlocken konnte. Ein bisschen blöd das Ganze, nicht wahr?!...
ANGANTYR, endlich! Das herrliche Intro von „Et Varsel Om Dod“ ertönt und zugleich zeigten die Dänen mit eben selbem Stück, dass in Barth doch noch atmosphärischer Black Metal herrschen kann. Vielleicht ein wenig zu gut gelaunt waren die Ansprachen von Ynleborgaz, aber ansonsten passte alles und die Gänsehaut und Nachdenklichkeit, die Stücke wie „Stormen Fra Nord“ (absolutes Highlight!) erzeugen, kam auch live durch. Erwähnt sei noch „Danermordet“ von der aktuellen Scheibe, das von vier Schwertkämpfern im Bühnenhintergrund begleitet wurden. Zusammen mit Musik, Nebel und Licht ergab das ein sehr nettes Bild, das zu Recht unzählige Hobbyfotografen von ihren Plätzen aufstehen ließ. Eigentlich waren, wie mir Jakob später erzählte, eigene dänische Kämpfer geplant, von denen einer jedoch verletzungsbedingt ausfiel. Warum also in die Ferne schweifen, wenn das gute naheliegt, denn immerhin wurde der komplette Samstag wieder in den Pausen von der lokalen Wikinger-Reenactmentgruppe begleitet. Leider brach der Veranstalter den Gig vor dem letzten Stück ab, obwohl der Auftritt eines Gastsängers geplant war. Schade. „Deathcrush“ sollte übrigens nicht gespielt werden. Der Bassist ließ es bloß aus eigener Vorliebe ständig in den Pausen erklingen.
Hätten nicht AASKEREIA noch auf dem Plan gestanden, man hätte jetzt verduften können. Da waren noch GOLEM. An diese setzte ich eigentlich höhere Erwartungen. Wie dem auch sei, es war anständiger Old School Death Metal, der in Ordnung ging.
TROLLFEST aus Norwegen beantworteten eine lange Zeit offene Frage: Was machen eigentlich die vielen norwegischen Musiker, die von den ernstzunehmenden Bands abgelehnt werden? Sie treiben sich in Kaspervereinen rum, die donnernden IMPALED NAZARENE-Black Metal mit Polka verknüpfen und meinen, das Gelbe vom Ei damit erfunden zu haben. Allen voran der stupide herumwackelnde Sänger avancierte zum Antipathieträger Nr. 1. Ein dahingelisbelter Heiratsantrag eines Konzertbesuchers an seine „Kuszchelmausz“ (oder so), der dem Aussehen des Initiators nach auch an einen „Horst“ oder „Detlef“ hätte gehen können, setzte der Lachhaftigkeit des Momentes die Krone auf... Das Arschloch von Drummer traf mich noch mit seinem Drumstick. Ein Andenken, das ich gern links liegen ließ und im Nachhinein vielleicht lieber zurückgefeuert hätte...
Wie gut, dass AASKEREIA jetzt auf dem Plan standen... wie Homer nun sagen würde: Nein! Eine weitere Verschiebung setzte den Headliner, den keiner sehen wollte, an die kommende Position: GRAVEWORM. Irgendwie seltsam, und doch wieder konsequent, dass sie ständig noch ein Lied spielten, auch wenn die Fragen, ob das Publikum dies auch wolle, auffallende Schweigsamkeit erzeugten. Aber wenn man belanglosen Symphonic Black Metal spielt, muss man sich auch nicht wundern, wenn einen nach vielen Jahren Existenz immer noch keiner mag...
Endlich AASKEREIA. Immerhin war es schon 1 Uhr nachts. Trotz diverser Soundprobleme gelang der Truppe ein guter Auftritt. Der Gesang des kettenrauchenden Frontmannes war ziemlich laut und hätte ruhig dezenter abgemischt sein können, aber das machte nichts, da die Bandbreite seines Organs ein Hinhören wert war. Hier, wie auch bereits bei HELRITT, fiel die gekonnte Liveumsetzung auf. Ansonsten bestand das Set aus einigen Krachern der „Mit Raben und Wölfen“, wobei insbesondere die Dublette mit „Des Waldes frostger Hauch“ und „Aaskereia“ sehr geil ankam. Ebenso erfreute mich, dass mit „Der Schwur unserer Ahnen“ ein Titel der EP dabei war. Hinzu kamen zwei neue Titel, von denen ich nur den Titel des einen („Die Waldteufel“) noch weiß. Irgendwie habe ich mittlerweile das Gefühl, dass für mich beim AASKEREIA-Stil die Luft heraus ist. Ich hoffe, die neue Platte wird mich eines besseren belehren...
THYRUZ taten wir uns dann nicht mehr an, immerhin war es „dank“ des Organisationstalentes bereits kurz vor 2 Uhr.

 

Fazit:

Barther Metal Open Air 2007 – oder: warum wir 2008 trotzdem wiederkommen. 1. Weil es nahe gelegen ist. 2. Weil es ein Bandaufgebot wie solches hier an der Ostsee sonst nicht gibt. 3. Weil uns die beschissene Zeltplatzsituation nicht tangieren muss, und natürlich 4. aus Tradition.
In diesem Jahr konnten vor allem ANGANTYR und AASKEREIA überzeugen.

 

Bilder: - / © Final War Mag.