Behexen / Eternity / Thermonuclear Warrior / Annihilation 666 – 22.03.08 im Lindenhof / Ellrich
von Torsten

Ellrich ist fast immer eine Reise wert. Ob nun „Calling For Battle“ oder „helvetinmyrsky harzin yllä“, was im Prinzip nichts anderes als „Hellstorm Over Harz“ in finnischer Sprache bedeutet - die Bandauswahl ist meist sehr exklusiv und das Ambiente im Lindenhof einladend. Wenngleich ETERNITY immer ein Erlebnis sind und ich mir ANNIHILATION 666 interessehalber auch gern anschauen wollte, waren es schließlich doch BEHEXEN, deren Anziehungskraft sich schuldig für meine große Vorfreude fühlen durfte. Die Rahmenbedingungen hätten ja auch nicht besser sein können: gerade EP-Box und neues Album draußen und dann für einen „very exclusive“ Gig in den Harz geflogen, wobei sie doch schon einige Jahre, genauer gesagt seit der Tour mit ARCHGOAT, nicht mehr in deutschen Land zu bestaunen waren.

Den Anfang des Abends stellten ANNIHILATION 666 dar. Stilecht wurde die Bühne ausstaffiert, was sogleich das passende Ambiente für den traditionellen Black Metal der Truppe bot. „Traditioneller Black Metal“ mag langweilig klingen, war es aber zu meiner positiven Überraschung nicht. Nungut, Überraschung ist vielleicht zu viel gesagt, klangen doch schon die Hörproben der Band auf ihrer MySpace-Seite überhaupt nicht stümperhaft. Ihr Black Metal war abwechselungsreich gespielt und mit Hingabe dargereicht. Hingabe ist vermutlich auch das beste Wort, wenn man bedenkt, dass der Sänger und Gitarrist allen Anschein nach den Bandnamen großflächig auf den Bauch tätowiert hat. Es blieb jedenfalls etwas hängen, und das ist bei Konzerten unbekannter junger Bands schon ein großes Rarum. Mit Liednamen kann ich nicht dienen, jedoch hatte es den Anschein, dass die Stücke gegen Ende der ca. 30minütigen Zeremonie immer besser wurden. Als Rausschmeißer diente, wenn ich mich recht entsinne, ein SATANIC WARMASTER-Cover.

     

Dann THERMONUCLEAR WARRIOR. Na über so ein Geburtstagspräsent würde ich mich auch freuen wie ein Keks! Bevor ETERNITY den Konzertsaal planmäßig in ein Meer der Verwüstung verwandeln sollten, enterten drei Herren die Bühne, die einem bekannt hätten vorkommen müssen. Für die meisten völlig überraschend gab es nun die volle Ladung „Sex & Violence“ in Form eines Tributes an CARNIVORE! Nungut, so voll wie die Ladung innerhalb von ca. 20 Minuten halt werden kann. Aber allein der Name, die roten Shirts, das Logo, das Intro (Kult!) ... eine seltene und selten detailverliebte Huldigung an Peter Steele und seine „Fleischfresser“, der man die Gaudi der Protagonisten beim Musizieren anhörte. Sound war auch klasse. Geil!

Ich muss zugeben, ich war schon gespannter auf einen ETERNITY-Auftritt. Das hat nichts mit Qualität, sondern eher mit Quantität der Live-Begegnungen mit der Band in letzter Zeit zu tun. Vielleicht war es deshalb nicht das Schlechteste, dass die Pause zwischen zweitem und drittem Interpreten ungewohnt lange dauerte. Die Spannung stieg und spätestens als A. Krieg mächtige Flammen gen Decke spuckte und ein Hitzeschwall die vorderen Reihen durchfuhr, war das Kribbeln da. Es folgten ETERNITY in gewohnter Topform, aber mit veränderter Liederfolge. So machte den Anfang ein Stück des neuen Albums „Funeral Mass“, derer es einige zu hören gab (u.a. „Horncrowned Emperor“). Besudelt mit Blut keifte der Sänger ins Mikro, wobei er, gestützt auf den mittlerweile wohlbekannten dornengekrönten Schädel, nicht selten wie ein finsterer Prophet wirkte. Die Authentizität und Intensität dieser Gruppe dürfte in unseren Landen und auf dessen Bühnen so gut wie einmalig sein. „Misanthropic Suicide“ schien der Reißer des Abends zu sein, gelang die Stimmung des Publikums doch bei diesem Stück, das normalerweise als Opener zu hören war, in ungeahnte Höhen. „Verhöhnt“ kam ebenfalls erwartungsgemäß gut an, wie auch das ISENGARD-Cover „Thornspawn Chalice“. Insgesamt war es ein prächtiges Ritual, jedoch nicht das beste, was ich von ETERNITY bislang sah, da der Sound manchmal doch arg breiig war, sodass man sich mit einer Wand konfrontiert sah, die sehr monoton rauschte.

       

Kommen wir zum Headliner. Ich war irgendwie von einer Gruppe Finnen in düsteren Kutten ausgegangen, ganz schlicht und finster. Es kam doch anders, aber stimmungsvoll war das Auftreten BEHEXENs allemal. Ein kleiner Altar samt Kerzen, Knochen und Räucherwerk, dem sich Sänger Torog zu Beginn und während des Auftritts widmete, verschönerte die Bühne. Dann ging es los und heftiger Black Metal keifte mit dem ersten Stück des neuen Albums „My Soul For His Glory“ namens „Let The Horror And Chaos Come“ aus den Boxen. Sogleich plumpst auch das Kruzifix runter, das man (umgedreht natürlich) um den Mikroständer wickelte, aber das nur nebenbei. Es folgte eine gesunde Mischung aus altem und neuem Material, wobei ich mir mehr Reißer der „Rituale Satanum“ gewünscht hätte. Die „From The Devil’s Chalice“-EP-Box wurde durch „Canto I: Invocation Of Zabulus“ vertreten, die HORNA-Split durch „Ritual Of Flesh & Blood“. Insgesamt spielte sich BEHEXEN live aber anders ab als ich es erwartet hätte, was nicht negativ gemeint sein soll. Die finstere und erhabene Atmosphäre und der Sound erinnerten mich ziemlich an HORNA damals in Ellrich, was vielleicht auch daran liegen könnte, dass Shatraug (neuerdings ohne Haare... scheint im Trend zu sein. hehe) die Band live überstütze. Hey, Moment, Shatraug, Torog und Drummer Horns?! Das ergibt SARGEIST. Ein Stück letztgenannter wurde jedoch (leider leider) nicht mehr gespielt. Bleibt noch zu sagen, dass der Sänger zwar mit dem Publikum interagierte (und zu einem guten Schluck nicht nein sagte), es jedoch nicht übermäßig zu motivieren versuchte, sodass diese leicht arrogante Art behalten wurde, die es für solche Bands bedarf, um nicht unglaubwürdig zu wirken.

       

 

Fazit:

Mit Ausnahme der Verspätung ein nahezu absolut perfekter Konzertabend! Außerdem ist es ein gutes Gefühl zu wissen, dass Ellrich auch heute noch mehr als 200 Leute ziehen kann. Wohlan, es darf sich auf neue Schandtaten gefreut werden!
Zu guter Letzt eine Schelte an die Deutsche Bahn: Gleich zwei Anschlusszüge fuhren direkt vor unseren Nasen davon! Die unfreundliche Service-Dame lieferte die unbefriedigende Erklärung, dass „die Lokführer am Wochenende eh nicht ans Telefon gehen“. Und so was will Gehaltserhöhung?! Ich habe die Schnauze voll...

 

Bilder: Torsten / © Final War Mag.