Bands Battle 2005 - Bericht
von Torsten

Prinzipiell sind mir "Mixed Metal"-Veranstaltungen zuwider. Aus den verschiedensten Metal-Sparten trifft sich das Gesindel und meist gefallen einem eh nur 1/3 der Bands, wenn überhaupt. Dennoch sprachen mehrere Faktoren für einen Besuch des größten Metal-Festivals in Mecklenburg-Vorpommern. Zum einen lockte der relativ kurze Anfahrtsweg, zum anderen die GRABNEBELFÜRSTEN, RAISE HELL und MOR DAGOR auf dem Samstags-Billing. So entschieden sich meine liebreizende Begleitung und ich schließlich zumindest den halbwegs sonnigen Sonnabend für einen Abstecher zum Bands Battle 2005 zu nutzen.

Samstag, 4. Juni 2005

Für die Anfahrt wurde unsere anständige Deutsche Bahn genutzt, die uns pünktlich und einigermaßen bequem in die Reuterstadt Stavenhagen beförderte. Der Weg zum Tankhaus war anschließend im Prinzip auch nicht weit, wenn man denn die Richtung gewusst hätte und nicht einer Handvoll schwarzer Gestalten in Sherlock Holmes Manier unauffällig statt zum Festivalgelände zum Biereinkauf bei EinDeutscherKaufmann gefolgt wäre. Egal, wurde halt (aus Scham den Fehler zuzugeben und unter dem scheinheiligen Vorwand von vornherein einen Einkauf geplant zu haben) der Lebensmittelvorrat um ein paar Äpfel etc. bereichert und schließlich gen Zeltplatz gepilgert...

 


Auffe Omme

... die Rostocker Witzkombo wurde von mir von vornherein boykottiert. Da der Zeltaufbau auch unerwartet viel Zeit verschlang, hätte ich sie ohnehin verpasst.
Kein Herz für Spaßmusik!

 


Bloodstained Coffin

"Großspurig" und "überheblich" sind wohl treffende Schlagworte für den Anfang des Auftrittes, denn man meinte sich in qualitativen Reihen mit den Headlinern und wies mit beschwerendem Unterton auf den frühen Platz in der Running Order hin. Doch im Abendprogramm hätte ich mir BLOODSTAINED COFFIN nicht vorstellen können. Ihr mittelschneller Melo-Death Metal war schlichtweg unspektakulär. Die Soundprobleme, mit denen einige Bands zu kämpfen hatten, schlugen sich einige Male in zu lautem Gesang nieder...

 

Iron Horses

Kann ich bei anderen Bands meist noch verständnisvoll drüber hinwegsehen, wenn diese ihr eigenes Shirt tragen, erreicht die Eigenwerbung bei den Rostockern Heavy Metallern IRON HORSES wahnwitzige Dimensionen. Die Jungs tragen eigene Hemden, eigene Hüte, eigene Hosen, wahrscheinlich auch IRON HORSES Slips und IRON HORSES Wollsöckchen!? Was uns der schwule Cowboy mit seiner affigen Bühnenperformance sagen wollte, weiß ich nicht, aber zumindest musikalisch sollte der Band in den Augen des (Gros des anwesenden) Publikums ein unterhaltsamer Heavy Metal Einschub gelingen...

         

 

Blutsturz

Wie kann ich mir die Gründung dieser Band vorstellen? Ein extrovertierter Black Metaller sucht sich Freunde, um eine Band ins Leben zu rufen. Diese stehen aber unglücklicherweise viel mehr auf Death Metal und verdonnern ihn zum Grunzen. Unter Zeitdruck gesetzt, kann sich dieser vor dem Auftritt nicht mal akkurat anpinseln. Jedoch darf er zum finstren Death Metal manchmal von "kalten Leichen" usw. kreischen. Grunzen kann der Herr aber...
Mich haben BLUTSTURZ mit ihrem unfreiwillig komischen, unangenehm uneinigen Auftreten sowie musikalisch leider gar nicht überzeugt...

   

 


The Mystery

... habe ich verpasst. Ich glaube ich konnte noch einige wenige Klänge vernehmen als ich mir eine Currywurst gönnte (und mir dummerweise mein schönes Shirt vollsaute). War dies die Heavy Metal Band mit der Sängerin?

 


Profane Omen

PROFANE OMEN war eine Death / Thrash Band mit vielseitigem Gesang, in die sich irgendwie auch ein Punk verirrte. Die "Mucke" eignete sich sicher zum Haare schütteln, jedoch fand auf der Bühne mehr wildes Gebange statt als im Publikum. Den Abschluss bildete ein WASP-Cover ("Wild Child") inkl. eines röhrenden Gastsängers.

   

 


Adultery

Endlich eine Band nach meinem Geschmack! ADULTERY aus der Tschechei spielte schön beschwingenden und atmosphärischen Pagan Metal mit Black Metal Anleihen und Kreischgesang. Das war definitiv sehr schön anzuhören und wird sich demnächst sicher mal einer näheren Betrachtung an der heimischen Anlage unterziehen müssen. Um die Stimmung zu erheitern, spielten sie nicht nur noch ein tschechisches Volks-Ding in Gitarrengewand, sondern auch ein MASTERS HAMMER Cover. Zumindest bin ich mir bei letzterem recht sicher, angesagt wurde es nicht... Zwei Fackeln im Vordergrund sorgten zusätzlich für Atmosphäre.

             

 

 


Battlesword

Dieser Auftritt war zugleich der Einstand des neuen Sängers, aber bis auf diesen Fakt und die dumme Foto-Show-Einlage blieb nichts großartig im Gedächtnis. Sie spielten melodischen Death Metal, was so ungefähr das Hauptaugenmerk des diesjährigen Bands Battle darstellte. Negatives kann ich weiter aber auch nicht berichten, was BATTLESWORD, sagen wir mal, eine "solide Leistung" zusagen dürfte...

       

 


Grabnebelfürsten

Provokativ und polarisierend! Wie bei sicher keiner anderen Band des Festivals teilte sich das Publikum merklich in ein "Hass"- und einen "Jubel"-Bereich. Stein des Anstoßes war mit Sicherheit das Auftreten der Fürsten, wodurch ich in den Gesichtern der skeptischen Betrachter förmlich lesen konnte: "Und das soll nun ‚> Black Metal' sein?"... Ich für meinen Teil war von der manischen Theatralik des Sängers SeelenSchlachten (formely known as Sturm Deiner Winter; also known as Dirk) sowohl köstlich unterhalten als auch fasziniert. Der sehr eigenwillige Humor der Truppe schmeckt wohl nicht jedem, aber das war zu erwarten. Es gibt dennoch Dinge, die mich störten. Die Spielzeit kam mir unheimlich kurz vor. War das wirklich eine ¾ Stunde? Der Grund für das trügende Wahrnehmen könnte auch die allgemein sehr lange Dauer von GRABNEBELFÜRSTEN-Stücken sein. Zum anderen war die Songauswahl (von meinem Standpunkt aus) nicht so schön, denn ich kenne das neue Album noch nicht (wovon am meisten gespielt wurde), und mit "Briefe an die Toten" und "Grabgewalt" gab man Liedern den Vorzug, auf die ich zugunsten von "An den kalten Ufern", "Sakralästhetik", "Dynastie" oder "Sturmpropheten" hätte verzichten können. Außerdem klang alles im Vergleich zu den Alben live sehr sehr unsauber. Eine neue Lehrstunde in Sachen "was man im Studio so zaubern kann".
Für mich dennoch ein interessanter Gig und zudem einer der besten des Samstags... Die angestrebte Wirkung der Provokateure aus dem Bergischen Land wurde erzielt und Genie und Wahnsinn liegen weiterhin dichter beieinander, als man manchmal denkt...

             

             

             

     

 


Death Reality

... wurden zugunsten eines Plausches und LP-Geschäftes dann leider auch verpasst. Soll wohl Knüppel-Death Metal gewesen sein, sagt man. Soll wohl ganz gut gewesen sein, sagt man. Bevor ich wieder mehr Zeilen mit Bands fülle, die ich verpasste, als mit Bands, die ich sah, halte ich lieber den Mund...

 


Laid In Ashes

Von allen Melo-Death Bands dieses Abends gefielen mir LAID IN ASHES noch am besten. Sie animierten nun auch die Zuschauer zum gelegentlichen "Stagediven" und waren im Großen und Ganzen überzeugend...

 


Raise Hell

Von einer kleinen Zeltplatzpause zurückkehrend standen wir plötzlich vor den 80er Jahren! Thrash Metal wie er zu klingen und auszusehen hat! RAISE HELL hatten den Thrash förmlich im Blut und brachten das auch auf der Bühne wunderbar rüber. Erfrischend, rotzig und dennoch technisch sauber erreichten die Schweden bis dato den Stimmungshöhepunkt des Abends. Hier merkte man deutlich den Unterschied zwischen Headliner und Vorband, den uns BLOODSTAINED COFFIN ja Stunden zuvor absprechen wollten... Nervig nur das penetrant aufblendende Licht (schönen Dank auch!)!
Einen Gruß an dieser Stelle an die unterhaltsame Dame, die sich anscheinend aus der nächstgelegenen Disco hierher verirrte und zu unserer Belustigung so exstatisch tanzend die Hüften schwang!

         

 


Thyrfing

Ein recht treffender Kommentar kam mir zu Ohren, als wir THYRFING zu Gesicht bekamen: "Die sind ja ganz dreckig!" In der Tat musste man Abstand von der Band nehmen, wenn man sich nicht gerade seinen Großen Dienstanzug vollkleckern lassen wollte, denn der Frontmann war in punkto Blut verspritzen nicht gerade zimperlich. Allgemein war der Auftritt der Co-Hauptband aber nicht nur etwas für das Auge, sondern auch die Klänge erfreuten einen Großteil des mittlerweile gut gefüllten Tankhauses. Immer präsent war das Keyboard mit seinem markanten Gedudele... Mir gefiel THYRFING.

       

 


Mathyr

Überraschend positiv behielt ich MATHYR in Erinnerung, die ich zuvor nur als "nervigen Überbrücker" zwischen THYRFING und MOR DAGOR betrachtete und eigentlich nur einen Interesse-Besuch abstatten wollte. MATHYR trafen aber recht angenehm in eine Kerbe zwischen Black und Death Metal, die Abwechselungsreichtum und Brutalität zu gleichen Teilen beinhaltete.

 


Mor Dagor

Es war leider schon recht spät als MOR DAGOR dann endlich die Bühne betraten. Nach dem Intro der "Bloodstream"-CD feuerten sie aus allen Rohren. Besonders das Schlagzeug wurde sehr betont, damit man den Highspeed-Attacken von Torturer gut folgen konnte, an dessen Spiel ich mich nach BELPHEGOR 2002 erneut erfreuen durfte. Leider geriet dadurch alles andere etwas in den Hintergrund. Nach nur einem Song verließen wir schon das Tankhaus... Nicht, weil MOR DAGOR so abstoßend waren wie man es mir zuvor warnend schilderte, sondern eher, weil ihr Auftritt zu doch schon sehr fortgeschrittener Stunde stattfand und uns schließlich ein langer Tag in den Knochen steckte... Ich hoffe es wird sich ein weiteres Mal die Gelegenheit bieten MOR DAGOR live zu sehen.

   

 


Gorilla Monsoon

Folgerichtig sah ich GORILLA MONSOON nicht. Ein wenig Doom Metal zum Ausklang halte ich aber für eine nette Idee, und meine Sympathien hat die Band schon dadurch, dass sie sich nach einem Wrestling-Helden benannte, der schon in meiner Kindheit eine Legende war.

 

Fazit:


Organisation: Hier kann ich nichts bemängeln. Zwar verschob sich die Spielzeit der Bands im Laufe des Abends um schließlich mehr als eine Stunde (GORILLA MONSOON spielten zuletzt also fast bei Morgendämmerung), aber das wird durch positive Punkte wie den ständigen Ansagen, die den Überblick wahrten, und dem Auslegen aktueller Running Order aufgewogen. Letztere waren wichtig, denn die Liste, die ich (gut präpariert wie ich bin) ausgedruckt mitbrachte, wurde kurzfristig durch Ausfälle und Neueinstiege seiner Aktualität beraubt. Beispielsweise wird ein MEDUSA'S CHILD-Mitglied momentan von einem sogenannten "Stalker" verfolgt. Ebenfalls eine nette Idee war das Feilbieten eines Bands Battle-Samplers, durch den der angehende Konzertbesucher eine kleine Vorauswahl treffen konnte.
Gelände: Der Zeltplatz ist scheiße! Nein, nicht zu klein, aber es kostete reichlich Geduld, Kraft und Heringe um die verflixten Teile in den widerspenstigen und von Steinen durchsetzten Boden zu rammen. Um einige Blessuren reicher gelang es schließlich doch und hielt am Ende auch einigermaßen... Die Bands spielten im Tankhaus, d.h. nicht Open Air, was bei der zwiespältigen Wetterlage eine günstige, überdachte Alternative ist. Der Club an sich ist was Bühne, Atmosphäre und Platz betrifft in Ordnung und war auch zum Abendprogramm nicht unangenehm überfüllt.
Wetter: Umzingelt von Gewitterwolken saß einem ständig der Regen im Nacken, auch wenn die meisten wohl weniger Regentropfen als Blutspritzer von THYRFING abbekamen. Das Wetter störte den Ablauf des Festivals keineswegs, machte aber die Nacht im Zelt zu einer etwas feuchten Angelegenheit.
Publikum: Es zeichnete sich das ab, was im Prinzip bei jenen "Mixed Metal"-Dingern zu befürchten/erwarten war: die Death Metaller wollen lauter und brutaler sein als alle anderen, die Black Metaller wollen finstrer und böser sein als der Rest, die Thrash Metal wollen jeden unter den Tisch saufen, und die Alt-Metaller finden den ganzen Kindergarten einfach nur peinlich. Im Großen und Ganzen herrschte aber eine "familiäre Atmosphäre", begünstigt durch die relativ geringe Größe des Festivals und der großflächigen Bruder- und Bekanntschaft unterm Pöbel.
Bands: Verkommen Festivals mittlerweile zur reinen Werbeplattform?! Warum musste nahezu jede Band, die ich sah und hörte, ihre Körper als Reklametafeln zur Verfügung stellen und zudem auf die bandeigene Homepage verweisen? Abgesehen davon kann man von einem für die zu erreichende Zielgruppe von Metalheads mit vielseitigem Geschmack durchaus gelungenen Festival sprechen. Insbesondere SAXORIOR, OBSCURITY (beide Freitag) und vor allem SEAR BLISS, die am Warm-Up-Donnerstag begeisterten, hätte ich gerne gesehen, aber somit blieb immerhin eine Handvoll Gruppen, die in guter Erinnerung bleiben werden. Ob wir nächstes Jahr wieder nach Stavenhagen tingeln werden, wird wohl in erster Linie eine Frage des Billings. Man darf gespannt sein...

Entschuldigt die geringe Größe und sehr dunkle Darstellung der meisten Bilder! Die liebe Technik erwies sich erneut eher als Feind als als Freund.
Besten Dank an Draug (GRABNEBELFÜRSTEN) und Hellbrother (IRON HORSES, ADULTERY, BATTLESWORD, GRABNEBELFÜRSTEN) für die zusätzlichen Bilder!

 

Bilder: Draug, Hellbrother, Raknhiltr, Torsten / © Final War Mag.